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Zwei miese Jahre für Muschelfischer

05.02.2020

Norddeich Die Saison 2019 ist abgeschlossen. Kürzlich hat der Norddeicher Fischer Björn Christoffers die letzten Bestände seiner Muscheln geerntet. Die Bilanz nach der zweiten Saison als selbstständiger Miesmuschelfischer fällt allerdings nicht gut aus. „Das Jahr war mies“, bestätigt Christoffers und bereut es dennoch nicht, den Kutter 2018 von seinem Großvater Wolfgang in fünfter Generation übernommen zu haben. „Ich denke mir, dass es nur besser werden kann.“ Außerdem habe er nie einen anderen Beruf haben wollen.

Verluste durch Frost

Doch schon bei der Übernahme 2018 hatte der heute 28-Jährige mit Bestandsverlusten von 70 bis 80 Prozent zu kämpfen. Seine Muschelbestände, die er zunächst selbst gezüchtet hatte, waren vom Frost zerstört worden. Da auch andere Betriebe davon betroffen waren, hatte der Jungunternehmer danach zumindest auf hohe Preise gehofft. Doch die Muschelhändler hatten diese Hoffnung zunichte gemacht, weil sie die Preise arg gedrückt hatten, berichtet Christoffers.

Nach seinem durchwachsenen Start war er zuversichtlich in die Saison 2019 gestartet. „Die Bestände waren gut und auch die Muschelgröße war es“, sagte er. Doch obwohl die Weichtiere eine gute Größe aufwiesen, war der Fleischgehalt im Inneren nicht entsprechend. „Ich habe die Muscheln deshalb schlecht verkauft bekommen.“

Das war Anfang August, als die Saison gerade gestartet war. Als sich der Fleischgehalt seiner Muscheln endlich verbessert hatte, fehlte es aber schlicht an der entsprechenden Nachfrage für seine Ware. Und auch der Preis sei nicht der Hit gewesen. Genaue Preise will der Fischer nicht nennen, nur so viel: Wenn der Kilopreis deutlich über einem Euro liege, könne man kostendeckend arbeiten. 2019 habe er allerdings im Schnitt unter einem Euro gelegen, 2018 sogar noch deutlich stärker, so Christoffers. Doch der Markt ist nur einer der Faktoren, die den Jungfischer beschäftigen. Auch wenn der Kutterkapitän selbst das Wort Klimawandel nicht in den Mund nehmen will, gibt er zu, dass sich der Lebensraum Wattenmeer in den zurückliegenden Jahrzehnten stark verändert hat.

„Die Pazifische Auster breitet sich immer weiter aus“, weiß Björn Christoffers. War sie in den 1990er-Jahren nur selten vorgekommen, vermehrte sich die Auster vor allem zwischen 2001 und 2004 besonders stark im Wattenmeer. „Dadurch gibt es weniger kleine Muscheln“, benennt der Norddeicher Fischer die Folge. Seine Vermutung: „Es gibt die Annahme, dass die Muschellarven durch die Austern rausfiltriert werden“, so Christoffers.

Ein weiteres Schlagwort, das dem jungen Muschelfischer Sorge bereitet: „Die Baggerei.“ Gerade die Vertiefung der Ems beobachten Christoffers und seine vier Fischereikollegen in Niedersachsen mit Sorge. „Es gibt kaum noch stabile, freie Flächen“, sorgt sich der 28-Jährige um die Kulturflächen, die die Fischer zum Ausbringen ihrer Jungmuscheln nutzen können. Zudem bereite die zunehmende Versandung ihnen Schwierigkeiten. Denn anders als die meisten ihrer Verwandten lebt die Miesmuschel nicht versteckt im Boden, sondern bildet große Kolonien, sogenannte Muschelbänke an der Sedimentoberfläche.

Aktuell gibt es in Niedersachsen neben Christoffers’ Kutter und dem seines Vaters Jörg in Norddeich drei weitere Fischer, die in Greetsiel und Hooksiel angesiedelt sind. Gemeinsam bewirtschaften die Fischer eine Fläche von rund 1300 Hektar Kulturfläche, die sie vom Land Niedersachsen gepachtet haben. Björn Christoffers gehören von dieser Fläche zehn Prozent, gemeinsam mit seinem Vater bewirtschaftet er insgesamt rund 455 Hektar.

Pflanzzeit ab März

Nach dem Ende der Saison geht es nun darum, den Kutter instand zu halten, ehe im März die Pflanzzeit auf eben diesen Flächen beginnt.

Doch auch nach den beiden eher mauen Startjahren für den jungen Muschelfischer, blickt Björn Christoffers zuversichtlich auf die kommende Saison, die für die niedersächsischen Fischer im August beginnt. „Unser Bestand ist gut. Wenn der Preis stimmt, dann könnte es ein gutes Jahr werden“, so seine Hoffnung.

Denn Abnehmer für seine Muscheln gibt es nach wie vor genug. Gerade in den Niederlanden und Belgien, aber auch in Frankreich sowie im Rheinland und im Ruhrgebiet gilt die Miesmuschel als eine Delikatesse.

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