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Lokal26.de Ostfriesland

Meeresspiegel steigt: Ostfriesland im Klimawandel: Welchen Schutz braucht die Küste?

18.06.2020

Oldenburg /Ostfriesland Durch den Klimawandel steigt der Meeresspiegel – und mit ihm die Gefahr der Überflutung an den Küsten und Inseln Ostfrieslands. Bislang sind die rund 1,2 Millionen Anwohner durch Deiche, Schleusen und Pumpen im Inland vor Überflutungen geschützt. Welchen Bedarf an Schutz es in Zukunft geben könnte, soll jetzt ein gemeinsames Projekt norddeutscher Einrichtungen und Hochschulen herausfinden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt dafür rund 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. Koordiniert wird das Projekt „Wakos“ vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG).

In dem Projekt „Wakos“ – „Wasser an den Küsten Ostfrieslands: Basis für maßgeschneiderte Klimaservices für die Anpassung“ erfolgt eine kombinierte Betrachtung des Küstenschutzes und der Binnenentwässerung. Projektkoordinator und HZG-Küstenforscher Dr. Ralf Weiße erklärt: „Bereits seit einigen Jahren existieren Forschungsprojekte, die sich mit dem Klimawandel und den Folgen für die Region befassen. Die Wakos-Projektpartner haben sich alle aktiv an dieser Forschung beteiligt und ihre Ergebnisse fließen in dieses neue Verbundprojekt ein.“ So konnte zum Beispiel in einem Vorläuferprojekt gezeigt werden, dass das Anlegen von Wasserrückhalteflächen hilft, Überlastungen der Binnenentwässerung einzudämmen und das Aufsteigen salzhaltigen Grundwassers zu vermeiden. Ebenso wurden Bedingungen für extreme Sturmfluten und der Umgang in der Bevölkerung damit erforscht. Neben dem HZG zählen der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz, Forschungsstelle Küste (NLWKN-FSK), die Universität Hamburg, die Universität Oldenburg und die Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth zu den Partnern.

Die Wissenschaftler untersuchen in fünf Teilprojekten mögliche Strategien im Umgang mit Meeresspiegelanstieg, Starkregen, Hochwasser und Sturmflut. Sie untersuchen auch, welche Informationen die Menschen in der Region benötigen und wie diese zum Handeln helfen.

Die Küstenforscher des HZG werden in ihrem Teilprojekt Klimamodellrechnungen anpassen und neu berechnen. Die mögliche künftige Entwicklung wird dabei in mehreren Szenarien betrachtet. Dazu werden verschiedene Bedingungen des Klimawandels eingegeben (Erhöhung der Temperatur um 1,5 sowie 2, 3 und 4 Grad Celsius) und anschließend Sturmfluten und Seegang simuliert. Erstmals soll das gemeinsame Auftreten extremer Sturmfluten, Starkregenereignissen, kritischer Entwässerungszustände bei steigendem Meeresspiegel, verzögerter Anpassung der Watten und Riffbögen sowie Veränderungen der Süßwasserreservoire der Inseln berücksichtigt werden. Weiße: „Wir werden Klimainformationen für die Konzepte zusammenstellen. Zunächst geht es darum, verschiedene Szenarien darzustellen und den Bedarf an Information in der Region herauszufinden.“

Prof. Dr. Beate Ratter von der Universität Hamburg ist für den sozialwissenschaftlichen Teil zuständig. Es geht darum, den Informationsbedarf der Einheimischen zu analysieren, gemeinsame Strategien mit den Akteuren zu entwickeln und das lokale Wissen für die Forscher zugänglich zu machen. Ratter: „Das ist ein kaum zu überschätzender Datenschatz in einer Region, die seit 1500 Jahren Erfahrung mit dem Küstenschutz hat.“

Die Universität Oldenburg ist mit zwei Arbeitsgruppen vertreten: Unter der Leitung der Hydrogeologin Prof. Dr. Gudrun Massmann untersucht ein Team, wie sich die Süßwasservorkommen unter den Inseln aufgrund des Klimawandels verändern und wie sich dies auf die Wasserversorgung der Inseln auswirkt. Mit Computersimulationen schätzen die Forscher ab, welche Rolle das allmähliche Versalzen des Süßwassers durch den Meeresspiegelanstieg und das plötzliche Versalzen durch Extremereignisse wie Sturmfluten spielen können.

Die Arbeitsgruppe Ökologische Ökonomie, unter der Leitung von Prof. Dr. Bernd Siebenhüner und Dr. Leena Karrasch, analysiert, welchen Herausforderungen sich die Modellregion beim Anpassen an den Klimawandel stellen muss. Die Forscher identifizieren und beschreiben die Wechselbeziehungen gesellschaftlicher Prozesse, die mit dem Wandel einhergehen. Ziel ist, Konzepte zu entwickeln, die die Anpassungsfähigkeit und die Widerstandskraft der Region insgesamt stärken.

Die Jade Hochschule leitet das Arbeitspaket „Daten und Modelle“. Hierbei geht es vorrangig darum, regionale Wasserhaushalts- und Wassermanagementmodelle für die Anwendung in Ostfriesland zu verbessern. Zudem sollen zukünftige hydrologische Klimafolgen bestimmt und Szenarien für das Zielgebiet entwickelt werden.

Die Forschungsstelle Küste im NLWKN bildet die Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis: Hier werden zusammen mit den Akteuren in der Region Ostfriesland Informationen und Bedarf zusammengetragen und konkretisiert. Außerdem untersuchen die Wissenschaftler der Landeseinrichtung die morphologische Reaktionsfähigkeit des Insel- und Küstenvorfeldes auf die innerhalb des Projektverbundes entwickelten Klimaszenarien. „Denn von der Anpassungsfähigkeit der Riffe und Watten unter sich verändernden klimatischen Bedingungen hängt die zukünftige Belastung auf die Deiche, Strände und Dünen ab“, erklärt der Leiter der FSK, Dr. Andreas Wurpts.

Das Verbundprojekt „Wasser an den Küsten Ostfrieslands: Basis für maßgeschneiderte Klimaservices für die Anpassung“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen“ mit 2,3 Millionen Euro finanziert.

Nach Ablauf der ersten Phase (Oktober 2022) werden in einer möglichen zweiten Phase die Ergebnisse zu konkreten Produkten für die spezifischen Regionen weiterentwickelt.

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Info:     bit.ly/wakos_forschung 

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