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Lokal26.de Ostfriesland

Coronavirus: Dringender Appell aus der Risikogruppe: Bitte bleibt zu Hause

25.03.2020

Ostfriesland In diesen Tagen taucht ein Begriff immer wieder auf. In Nachrichten, Analysen und Kommentaren ist von der Risikogruppe die Rede. Es sind Menschen, für die das Coronavirus gefährlicher ist als für andere. Es sind Patienten mit Vorerkrankungen. Bei dem Begriff Risikogruppe hat man sie direkt vor Augen: den Opa mit einer Atemwegserkrankung, die Tante mit dem schwachen Herzen. Nur an eine Gruppe wird für Barbara Backer zu selten gedacht: die der Organtransplantierten. „Dabei müssen wir besonders gut auf uns aufpassen“, sagt die Frau aus dem Moormerland

Wer ein Spenderorgan hat, muss jeden Tag Medikamente nehmen. Sie sorgen dafür, dass das Fremdorgan nicht vom Körper abgestoßen wird. Aber es gibt auch einen Haken: Das Immunsystem wird heruntergefahren, es ist anfälliger für Viren. Barbara Backer steht mitten im Leben. Als Vorsitzende des Vereins „Organtransplantierte Ostfriesland“ ist sie deutschlandweit unterwegs. Sie hält Vorträge, tauscht sich mit Betroffenen und Medizinern auf Kongressen und bei Messen aus. Bis vorletzte Woche. Seitdem hat sie sich eine Quarantäne auferlegt. Denn Backer ist selbst transplantiert. Vor 16 Jahren hat sie eine Leber erhalten.

Je weiter sich das Virus in Deutschland ausbreitete, um so umsichtiger wurden Backer und ihre Vereinsmitglieder. „Am Anfang war es entspannt“, sagt sie am Telefon, Hygiene habe bei Organtransplantierten eh einen hohen Stellenwert. Nach der Operation lerne man die Regeln als erstes. Dazu gehört es, fortan nicht mehr anderen die Hand zu geben. Auch das Desinfektionsmittel ist in ständiger Begleiter im Leben von Transplantierten. „Wir müssen halt noch mehr aufpassen“, heißt es bei den Patienten.

Doch mit der Verbreitung des Virus wuchs nicht nur die Vorsicht. Im selben Tempo wurde die Angst größer. „Die Transplantierten haben alle Angst“, gibt Barbara Backer die Stimmung wieder. Es gebe niemanden, der keine Sorgen habe. Es ist die Angst vor dem Virus und die Angst, im Zweifelsfall nicht optimal behandelt werden zu können. Backer sagt, sie wolle nicht alles wiederholen, was andere schon gesagt hätten. Aber es geht eben darum, zu Hause zu bleiben, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und damit das Gesundheitssystem zu entlasten. Daher ist ihr Appell eindringlich: „Bleibt zu Hause“. Jeder sollte nur noch die nötigen Wege auf sich nehmen: zur Arbeit, zum Supermarkt, um andere zu versorgen und zu pflegen. Auch den Weg in die Notaufnahme solle nur antreten, wer wirklich ein Notfall ist. „Ärzte und Pfleger kommen an ihre Grenzen“, warnt Backer.

Ihr Verein ist 75 Mitglieder stark. Dazu zählen Transplantierte, aber auch Angehörige. Backer steht mit ihnen permanent in Kontakt, tauscht auch die Neuigkeiten zur Corona-Krise aus. Es ist eine Krise, die vielen Mitgliedern psychisch zu schaffen macht. Einige „können die Informationen nicht mehr ertragen. Sie hören und sehen nichts anderes mehr als Corona und ziehen sich zurück“, sagt Backer.

Kraft gibt Barbara Backer in diesen Tagen ihre Hilfsaktion. Am Freitag hat sie auf ihrer Facebook-Seite einen Aufruf gestartet. „Liebe Freunde, gemeinsam können wir helfen“, schrieb sie dort. Auch aus Ostfriesland erreichten sie derzeit Hilferufe, dass Mundschutzmasken fehlen. Diesem Mangel möchte sie begegnen und startet daher eine Nähaktion. „Überall haben Menschen Zeit und sind zu Hause, haben Nähmaschinen und kennen andere die gerne nähen.“ Sie alle seien angesprochen, Mundschutz für Transplantierte und Pflegende zu nähen.

Binnen 36 Stunden haben sich 150 Menschen der Aktion angeschlossen. Die Näher sitzen in Berlin, Aschaffenburg, Liechtenstein, aber auch in Aurich, Leer und Papenburg. Jeder könne mitmachen. Alles, was man braucht, sei dicker Baumwollstoff und ein Mikrofasertuch. Das Mikrofasertuch komme nach innen und wirkt wie ein Filter, die Baumwolle nach außen. Das System ist nicht geprüft und nicht getestet. Aber solch ein Schutz sei eben besser als gar keiner. Die Masken könnten zwei, drei Stunden getragen werden. Dann müssten sie gewechselt werden, weil sich durch die Feuchtigkeit Keime bilden. Am Abend könnte der Mundschutz dann ausgekocht werden und sei wieder steril. Wer mitmachen möchte, kann sich per Mail bei Barbara Backer melden.

Anke LaumannLokalredaktion

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