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Lokal26.de Ostfriesland

CoronaKrise: Jugendherbergen im Nordwesten bangen um Existenz

11.04.2020

Ostfriesland /Friesland „Ohne Hilfe werden wir die Krise nicht überstehen“, warnt Geschäftsführer Thorsten Richter. Der Landesverband Unterweser-Ems im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) hat angesichts der Corona-Krise Hilfe der Politik gefordert.

Die Zukunft der 27 Jugendherbergen im Nordwesten, zu denen auch die Einrichtungen in Aurich, Neuharlingersiel, Jever, Schillighörn und auf Wangerooge zählen, sei massiv bedroht. Die Einrichtungen sind nach Erlassen in Bremen und Niedersachsen seit dem 19. März geschlossen. „Unser Umsatz ist quasi über Nacht auf null gesunken“, bilanzierte Richter. Auch Klassenfahrten fallen aus. „Schulklassen in Nordrhein-Westfalen dürfen bis nach den Sommerferien nicht auf Klassenfahrt fahren. Es ist wahrscheinlich, dass wir unsere Hauptzielgruppe auch bis Ende 2020 verlieren“, erklärt Gesa Hauschild, Pressesprecherin der Jugendherbergen im Nordwesten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fahrten im Herbst nachgeholt werden, sei gering. Es mehrten sich Hinweise, dass einige Bundesländer ein Verbot von Schulfahrten bis Ende März nächsten Jahres erwägten.

200.000 Stornierungen

Bis zu den Sommerferien seien nahezu alle Buchungen storniert, berichtet Geschäftsführer Thorsten Richter. „Insgesamt zählen wir im Landesverband über 200.000 stornierte Übernachtungen. Neubuchungen bleiben fast vollständig aus“, so Gesa Hauschild.

Zudem sei nicht absehbar, wann das Reisen in Deutschland wieder erlaubt werde. „Alle 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Jugendherbergen und in der Bremer Zentrale sind seit dem 1. April in Kurzarbeit. Alle Investitionen – beispielsweise in Baumaßnahmen oder Marketing-Aktivitäten – sind gestoppt“, sagt Thorsten Richter zu den Gegenmaßnahmen. Neueinstellungen für den Saisonbeginn seien abgesagt. Die Frage, ob eine dauerhafte Schließung von Jugendherbergen droht, bleibt aufgrund der „dynamischen Lage“ offen. „Wir setzen alles daran, alle unsere Mitarbeiter an Bord zu halten und das Netz unserer 27 Jugendherbergen im Nordwesten zu erhalten. Leider können wir derzeit nicht abschließend einschätzen, ob die ergriffenen Maßnahmen ausreichen werden, um unsere Standorte in jetziger Form auch zukünftig weiterbetreiben zu können“, sagt Gesa Hauschild.

Kaum Rücklagen

Die Liquidität nehme rapide ab, weil es aufgrund der Gemeinnützigkeit des Verbandes keine nennenswerten Rücklagen gebe. Die Jugendherbergen wünschen sich Zuschüsse. „Bürgschaften zur Absicherung von Krediten helfen zwar auch, aber nur kurzfristig. Sie verlagern das Problem in die Zukunft“, sagte Richter. Auch Gesa Hauschild betonte die Notwendigkeit, „dass Bund und Länder die Jugendherbergen in dieser Krise unterstützen“. Der Rettungsschirm von Bund und Ländern kann durch Jugendherbergen nicht genutzt werden, die Politik müsse hier dringend nachbessern, fordert der Verband.

„Unser gesellschaftlicher Auftrag, namentlich die Zugehörigkeit zum Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Tatsache, dass wir unsere Erlöse immer direkt in die Jugendherbergen reinvestieren, droht uns nun zum Nachteil zu geraten“, sagt Richter weiter. Nur durch die Einbeziehung gemeinnütziger Unternehmen in die Rettungsschirme und Hilfspakete könne die seit 111 Jahren erfolgreiche Arbeit des Jugendherbergswerkes fortgeführt werden.

Gesa Hausschild beschreibt die Stimmung der Mitarbeiter als betrübt, „aber alle sind absolut solidarisch und zuversichtlich, dass die Krise gemeinsam gemeistert wird“. Trotz der Kurzarbeit ist eine telefonische und schriftliche Erreichbarkeit der Jugendherbergen sichergestellt. Auch technische Kontrollen der Gebäude finden weiter statt.

Bundesweit betreibt das Deutsche Jugendherbergswerk rund 450 Jugendherbergen. Der Landesverband Unterweser-Ems zählte im Jahr 2019 eigenen Angaben zufolge rund 695.400 Übernachtungen. Größte Gästegruppe sind Schulklassen mit einem Anteil von knapp 40 Prozent, gefolgt von Familien (26 Prozent).

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