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Lokal26.de Ostfriesland

Wohnungslose in Ostfriesland: Zu Hause sein ohne Zuhause?

28.03.2020

Ostfriesland Abstand halten, Hände häufig waschen oder desinfizieren, möglichst zu Hause bleiben. Die aktuellen Anweisungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind von einer Gruppe der Bevölkerung nicht so leicht einzuhalten: Wohnungslose.

Wie das Diakonische Werk Harlingerland der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers in einer Pressemitteilung betonte, ist für diese Menschen eine Bevorratung von Lebensmitteln oder anderen Gütern kaum umsetzbar.

Zudem sei es für Wohnungslose derzeit schwierig, an zusätzliche Einnahmen über das Sammeln von Pfandflaschen oder Betteln zu kommen. „Obdachlose Menschen haben des Weiteren oft gesundheitliche Einschränkungen und Vorerkrankungen, aber nur selten einen Zugang zum medizinischen Versorgungssystem, sodass sie oftmals zu den besonders gefährdeten Risikogruppen gehören“, so Hans-Jürgen Weigelt, Geschäftsführer des Diakonischen Werks, in der Pressemitteilung.

Große Nachfrage nach Notschlafstellen bei Durchreisenden

Wie können dennoch die Sicherheit dieser Menschen und die Einhaltung der Verfügungen des Landkreises gewährleistet werden? „Wir ermöglichen eine Einzelunterbringung“, erklärt Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen. Es gebe keine Sammelunterkünfte, zu denen die Wohnungslosen kommen. Stattdessen würden gerade Durchreisende sich bei der Stadt oder Polizei melden, um in der Notschlafstelle unterzukommen. „Wir haben generell eine geringe Zahl von Wohnungslosen und die Möglichkeit, sie getrennt voneinander unterzubringen“, bestätigt auch Jürgen Peters, Leiter Fachdienst Ordnung und Sicherheit im Wittmunder Rathaus. Problematisch seien die Durchreisenden. „Wenn einer infiziert ist, sind die Kontakte und Aufenthaltsorte schwer nachzuvollziehen. Aber auch da finden wir einen Weg“, zeigt Peters sich zuversichtlich. Es müssten im Einzelfall entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Auch in der Samtgemeinde Esens gelten die Regelungen des Kontaktverbots auch für die Wohnungslosen, die derzeit in Einzelunterkünften unterbracht sind. Sie können sich, wie alle Einwohner, in Apotheken und Supermärkten mit allem Lebenswichtigen versorgen.

Gleiches gilt in Wiesmoor: „Wir haben keine Leute, die auf der Straße leben. Die Wohnungslosen hier sind in Einzimmerwohnungen untergebracht und halten sich genau wie alle anderen an die derzeitigen Regeln“, so Horst-Dieter Schoon, Leitung Fachgruppe Ordnung.

Tagesaufenthalte für Wohnungslose gibt es im Landkreis Wittmund nicht. In Aurich, wo Wohnungslose Ansprechpartner finden und ein warmes Mittagessen bekommen, muss die Einrichtung der Evangelisch-reformierten Kirche Emden wegen der aktuellen Situation geschlossen bleiben. „Die Menschen sind derzeit alle untergebracht und wir liefern das Mittagessen dorthin“, erklärt Thomas Rhaese. Auch die Ambulante Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werks Harlingerland im Haus der Diakonie in Wittmund ist derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen. Alle Hilfen und Unterstützungsangebote werden dennoch weiterhin über Telefon und Email sichergestellt. In Notfällen besteht, „nach einer gezielten Abwägung“, auch die Möglichkeit einer Beratung vor Ort.

Julia DittmannVolontärin

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