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Lokal26.de Friesland Sande

Neue Schiedsfrau in Sande: Wenn zwei sich streiten, schlichtet die Dritte

05.06.2020

Sande „Ich war auf der Suche nach einem Ehrenamt – und dieses hier war genau das Richtige für mich“, sagt Astrid Szillo. Die 57-jährige Sanderin ist die neue Schiedsfrau, die Hans-Hermann Tramann von der Gemeinde Sande, der schon seit vielen Jahren als Schiedsmann fungiert, unterstützt. Das Schiedsamt ist immer ehrenamtlich.

Bisher gab es noch nicht viel zu tun, denn gleich nachdem Astrid Szillo vom Rat der Gemeinde für das Amt vorgeschlagen und vom Amtsgericht dafür bestellt wurde, wurde der Arbeitsbereich aufgrund der Corona-Vorschriften auf Eis gelegt. Alle Streitfälle, die zwischenzeitlich aufliefen, wurden erstmal „auf Halde“ gelegt. Nun aber werden die Fälle nach und nach abgearbeitet.

Was macht sie genau?

Was macht eigentlich eine Schiedsperson? Sie kommt in weniger bedeutsamen straf- und zivilrechtlichen Angelegenheiten zum Einsatz. Denn es ist nicht immer zielführend, wegen kleinerer Streitigkeiten gleich die Gerichte anzurufen. Wenn auch Außenstehende die Angelegenheiten als „Kleinkram“ empfinden, so ist das bei den Beteiligten selber aber meist nicht der Fall. Häufig geht es um Nachbarschaftsstreitigkeiten: Wie weit darf der Ast vom Apfelbaum ins Nachbargrundstück ragen? Wer muss an welcher Seite des Grundstücks die Einfriedung setzen? Und muss sie beiden gefallen? Oder darf einer einfach machen, was er will? War die hingeworfene Bemerkung wirklich nur Unachtsamkeit oder war das schon eine Beleidigung? In diesen Fällen und vielen mehr kann eine Person, die in der Gemeinde wohnt und häufig auch die Lebensumstände der Streitenden kennt, oft besser eine Einigung herbeiführen als ein Gericht. Außerdem kommen Schiedsmänner und -frauen zum Einsatz, wenn die Staatsanwaltschaft bei kleinen Delikten das öffentliche Interesse an der Verfolgung einer minder schweren Straftat verneint.

Für Astrid Szillo kam die Aufgabe wie gerufen. Seit rund 40 Jahren ist sie als Rechtsanwaltsfachangestellte tätig, davon war sie auch vier Jahre beim Amtsgericht beschäftigt, kennt sich auch mit den besonderen Formulierungen von Gesetzestexten bestens aus. Viel wichtiger ist aber noch ihre Lebenserfahrung. „Ich habe von allem ein bisschen Ahnung“, sagt sie. Die Ehefrau und Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Großmutter eines Enkelkindes freut sich auf die neue Aufgabe. In den vergangenen Wochen hat Tramann ihr schon etliche Fachliteratur zur Verfügung gestellt, nun folgt die Praxis. „In 90 Prozent der Fälle erreichen wir eine außergerichtliche Einigung – das entlastet natürlich die Gerichte, ist aber auch günstig für den Geldbeutel der Betroffenen“, so Tramann. Die Dienste einer Schiedsperson sind nämlich weitaus preisgünstiger als wenn eine Sache schlussendlich doch bei Gericht entschieden werden muss.

Auch das „Drumherum“ beachten

„Schlichten ist viel besser als richten“, ist sich Szillo sicher. „Bei Gericht zählen nur die Fakten, wir sehen aber auch das drumherum.“ Wenn es die Regeln rund um Corona wieder zulassen, wollen Szillo und Tramann auch verschiedene Vereine besuchen, um das Schiedsamt vorzustellen. „Diese Möglichkeit der Streitschlichtung ist leider noch viel zu wenig bekannt – das muss sich ändern“, sagt er. Das Schiedsamt ist im Rathaus unter Telefon   04422 / 958824 zu erreichen.

Annette KellinFreier Mitarbeiter

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