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Lokal26.de Friesland Schortens

Corona: Ein Leben mit der Kinder-Notbetreuung

01.04.2020

Middelsfähr Sie arbeitet in einem sogenannten systemrelevanten Beruf, ihr Mann ist selbstständig, die beiden haben drei Kinder. Ein klarer Fall für die Notbetreuung – oder nicht? Janine Götz aus Middelsfähr arbeitet seit fünf Jahren am Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch. Seit dem vergangenen Jahr ist sie die Team-Leiterin in der Stroke Unit, der Station für Patienten mit einem akuten Schlaganfall, die überwacht werden müssen. Homeoffice ging also schlecht für die 35-Jährige. Ähnlich sah es bei Ehemann Sascha aus. Der 38-Jährige hat eine eigene Glasreinigungsfirma und einen Hausmeisterservice. Noch hat er Aufträge von Kunden und nimmt diese auch wahr – so lange es noch eben geht. „Er ist auf sich selbst gestellt“, sagte Janine Götz. Wer sollte also zu Hause bleiben, als die Schulen wegen des Coronavirus schließen mussten? Denn in die Notbetreuung konnten erstmal nur Kinder, deren Eltern beide in systemrelevanten Berufen arbeiten.

Für die zweijährige Tochter der Familie stellte sich diese Frage nicht. Sie konnte und kann weiterhin in die Großtagespflege am Nordwest-Krankenhaus zu den dortigen Tagesmüttern gebracht werden. Doch für die sieben und zehn Jahre alten Söhne stand das Paar vor einem Problem.

Aber so schnell gaben Janine und Sascha Götz nicht auf. Die 35-Jährige rief direkt bei der Hotline des Landkreises Friesland an. Doch auch hier machte man ihr wenig Hoffnung. „Ich könne es probieren und am Montag direkt hinfahren. Dann müssten wir gucken, ob eine Notfallregelung möglich ist.“ Notfalls könne ihr Mann ja Hartz IV beantragen. Ein Vorschlag, den beide kategorisch ablehnten: „Das ist Quatsch, wir können und wir wollen ja beide arbeiten.“

Notbetreuung war auch in Härtefällen möglich

Janine Götz las sich schlau und entdeckte in der Rundverfügung des niedersächsischen Kultusministeriums unter dem Absatz für Notbetreuung, dass diese nicht nur für systemrelevante Berufe möglich ist, sondern auch bei Härtefällen zutrifft, also bei denjenigen, denen sonst eine Kündigung droht oder die sonst Verdienstausfälle haben. Was auf Sascha Götz zutraf. Die beiden setzen sich direkt mit dem Schulleiter der Grundschule Schortens in der Plaggestraße in Verbindung, wo die Notbetreuung zunächst zusammen lief. Trotz der noch chaotischen Verhältnisse und der Ungewissheit, wie viele Kinder tatsächlich kommen, signalisiert er ihnen, dass sie ihre Söhne vorbei bringen konnten.

Davon mussten die beiden jedoch zunächst keinen Gebrauch machen, hatte Janine Götz die erste Woche Nachtschicht. Ihr Mann musste vormittags arbeiten, die Kleine war in der Großtagespflege. „Ich schlafe dann nur ein paar Stunden“, sagt Janine Götz. In dieser Zeit beschäftigten sich die beiden Söhne selbst und wendeten sich im Zweifelsfall an ihre Mama.

Doch mit der Frühschicht ging es nicht ohne Notbetreuung. Seit dem 20. März galt eine Rundverfügung des Landes, nach der es ausreicht, wenn ein Elternteil einen systemrelevanten Beruf ausübt. Damit konnten die Jungen ohne Probleme zur Schule. Für Janine Götz ein komisches Gefühl, kannten doch sowohl sie als auch ihre Kinder die Räume, die anderen Kinder und auch die Lehrer nicht. Wie groß war die Gefahr einer möglichen Ansteckung? Doch alles funktionierte prima, erzählte Janine Götz. Es wurde darauf geachtet, dass Geschwister zusammenblieben und die Gruppen waren klein: Die Jungen wurden mit zwei anderen Kindern betreut und schlossen sogar schnell neue Freundschaften. Von den Schulen gab es die Anregung, Stoff zu wiederholen.

Aufgrund einer neuen Regelung traten Schwierigkeiten auf

Schnell folgte die Regelung, die Kinder an ihren eigenen Schulen zu betreuen. Damit trat eine neue Schwierigkeit für Familie Götz auf: Die Jungen gehen auf unterschiedliche Schulen, der Jüngere in die Grundschule Jungfernbusch mit Sprachheilklassen und der Ältere nach Roffhausen. Also mehr Aufwand für alle. Janine Götz setzte sich mit dem Schulleiter der Grundschule Roffhausen in Verbindung, ob nicht beide dorthin könnten. Der Jüngere soll zum Sommer sowieso dahin wechseln.

Bei dem Schulleiter stieß sie auf Verständnis. Fortan konnten beide nach Roffhausen. Die Jungen waren letztendlich sogar die einzigen Kinder in der dortigen Betreuung, berichtete Janine Götz. Ihre Söhne fanden das aber gar nicht schlimm, wann hat man schon mal die Lehrer ganz für sich alleine?

Auch die Osterferien sind in Sachen Betreuung kein Problem, hatten Sascha und Janine Götz diese bereits vor Corona geplant. Wie es danach mit den Schulen weitergeht, ist noch unklar. Ein viel dringenderes Problem, das die Familie bewegt, ist, wie lange Sascha Götz überhaupt noch arbeiten darf und ihm Aufträge erteilt werden.

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