Lokal26.de Friesland Schortens

Berliner Agrargipfel: Frieslands Bauern enttäuscht vom Ergebnis

04.12.2019

Schortens /Berlin Ingo Oltmanns bezeichnet den Berliner Agrargipfel „als schon ziemlich enttäuschend“. Der Schortenser Bauer ist einer von zwei Dutzend Landwirten aus Friesland, die mit dem eigenen Trecker nach Berlin gefahren sind. Die Bauerndemo vor dem Brandenburger Tor hatte die Hauptstadt lahmgelegt, 40 000 Landwirte und 15 000 Schlepper setzten ein eindrucksvolles Ausrufezeichen hinter die Forderung der Landwirte: „Politiker, wir wollen keine neue Gesetze übergestülpt bekommen, wir wollen vorher gehört werden, bitte sprecht mit uns.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Montag zu einem großen Agrargipfel eingeladen, um Sorgen und Nöte der Landwirte zu erfahren. 40 verschiedene Gruppen nahmen an diesem Meinungsaustausch teil. Jede Berufsgruppe erhielt ein Rederecht von drei Minuten. Möglicherweise habe der Vertreter von „Land schafft Verbindung“ das übertrieben, geht Oltmanns auf den Agrargipfel ein. Ansonsten gibt es für die Landwirte keine nennenswerten Ergebnisse des Treffens. „Dass man sich im Herbst 2020 wieder in Berlin treffen will“, bezeichnet der 45-jährige Bauer aus Schortens „eher als eine Lachnummer“.

„Was wir uns ursprünglich von dieser Zusammenkunft versprochen haben, nämlich dass wir gehört werden, davon ist nichts übrig geblieben“, meinte Oltmanns im Gespräch mit unserer Zeitung. Oltmanns bewirtschaftet in Schortens einen Betrieb mit 330 Milchkühen.

Leider werde eine Lösung von der Berliner Politik auf die lange Bank geschoben. „Wir geben uns aber nicht so leicht geschlagen“, sagte Oltmanns. Das Aktionsbündnis „Land schafft Verbindung“ werde weitere Aktionen vorbereiten – was, ließ der Bauer aus Leidenschaft offen. Seinen Berufskollegen und ihm gehe es darum, eine Zukunftsperspektive zu schaffen. Bauern sind bereit, sich zu verändern. Und allen ist wohl klar, dass eine veränderte Produktion von Lebensmitteln nicht zum Nulltarif zu haben sein wird. Neue Gesetze, die völlig an der Arbeitsweise und am Marktgeschehen vorbeigehen und auf falscher Datengrundlage erstellt werden, helfen den Landwirten nicht weiter. Lösungen auf die lange Bank zu schieben und zu warten, bis die Bauern wieder mit der Frühjahrsbestellung der Felder beschäftigt seien, findet Oltmanns den falschen Weg.

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.