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Lokal26.de Friesland Schortens

Diskotheken in der Krise: Partygänger müssen weiter warten

12.05.2020

Schortens /Sande Restaurants und Hotels dürfen unter strengen Maßnahmen wieder öffnen. Diskotheken, Bars und Clubs müssen nach der neuen Verordnung des Landes Niedersachsen vom 9. Mai geschlossen bleiben.

Für Jens und Petra Hinrichs, Inhaber der Diskothek „Nachtschicht“ in Schortens, bleibt die Situation damit schwierig. Wann sie öffnen dürfen, das ist vollkommen unklar. „Das ist eigentlich ein Berufsverbot für uns“, sagt Jens Hinrichs. Dabei gebe es Wege, wie eine Öffnung möglich wäre.

„Wir wissen nicht, woran wir sind“

Er habe Verständnis für die Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen, möchte auch seine Gäste nicht in Gefahr bringen. Aber er erwartet von der Politik Planungssicherheit. „Wir müssen wissen, woran wir sind.“ Das zweite Standbein der Familie, die Eventgastronomie, ist ebenfalls stark betroffen. Die meisten Veranstaltungen sind mindesten bis zum 31. August abgesagt. Zwar habe auch er die Soforthilfe der Regierung bekommen, aber „wir waren einer der ersten Betriebe, die schließen mussten.“ Da sei die Unterstützung mittlerweile fast aufgebraucht. Jetzt müsse er an seine Altersvorsorge gehen, um die laufenden Kosten zu decken. „Was uns eigentlich nur helfen kann, sind Soforthilfen bzw. Berufsausfallzahlungen.“

Ähnlich ist die Situation bei Manfred Krüger. Ihm gehört das „Twister Dance“ in Sande sowie zwei Clubs in Georgsheil und Cloppenburg. Er hat ebenfalls Soforthilfe bekommen. „Zwei, vielleicht drei Monate können wir ohne Einnahmen durchhalten, aber dann wird es eng.“ 35 Mitarbeiter beschäftigt er in Sande. Sie müssen jetzt zu Hause bleiben.

Livestream als Ersatz?

Mittlerweile bietet das Team um Krüger Livestreams an, bei dem DJs auflegen. Die Zuschauer können die Show im Internet verfolgen und in einem Chat Kommentare schreiben. Immer samstags von 19 bis 1 Uhr wird die Aktion aus Sande direkt ins Wohnzimmer der Gäste übertragen. Die Zuschauer können das „Twister Dance“ dabei mit einer Spende unterstützen. Für jede gibt es eine besondere Aktionen: Für 10 Euro wird Konfetti geschossen, für 100 Euro dreht sich die Tanzfläche. Auch daran zeigt sich die Not der Diskotheken. „Wir haben kein Datum, keine Perspektiven, können uns auf gar nichts einstellen“, erklärt Krüger. „Das ist zermürbend.“

Die Betreiber einbinden

Jens Hinrichs wünscht sich von der Politik, dass sie mehr auf die Betreiber zugeht und mit ihnen spricht, auch wenn einige Parteien vor Ort das Gespräch bereits gesucht haben. Denn es gebe Wege. So hat eine Diskothek in der südwestniedersächsischen Stadt Schüttorf eine Auto-Disko, ähnlich eines Autokinos, organisiert. Diese räumlichen Möglichkeiten hat Hinrichs nicht. Doch es gebe andere Möglichkeiten, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Dazu zähle zum Beispiel, dass die Gäste mit ausreichend Platz wie in einem Restaurant an Tischen sitzen und von dort bestellen. Die Musik wäre lauter als im Restaurant, die Tanzfläche dürfte nicht so voll wie sonst sein. Natürlich wäre nur eine bestimmte Anzahl von Personen pro Quadratmeter erlaubt, Desinfektionsmittel, Mundschutz und geschulte Mitarbeiter sind selbstverständlich. Veranstaltungen sähen anders aus, denkbar ist zum Beispiel „Club und Burger“. Hinrichs und seine Frau haben diverse Szenarien einer Öffnung durchgespielt, planen eine mögliche Eröffnungsparty.

Zwar hat sich die Regierung darauf geeinigt, die Mehrwertsteuer für Speisen von 19 auf 7 Prozent zu senken – eine lange geäußerte Forderung der Dehoga. Aber das gilt nur für Speisen. Schlecht für einen Gastronomen, der seinen Umsatz durch Getränke macht. Und: Was nützt dies, wenn er nichts verkaufen kann?

Den Kontakt zu den Gästen erhalten

Da sie nicht öffnen durften, hat die Familie Hinrichs mittlerweile die komplette „Nachtschicht“ gründlich gesäubert und auf Vordermann gebracht. Was wie bei Manfred Krüger nicht fehlen darf: Der Kontakt zu den Gästen über Facebook, Instagram oder Snapchat. Von ihnen bekommen sie viel Unterstützung. Es gibt dort einen Cocktail des Wochenendes, Quizfragen zur Nachtschicht und vieles mehr. Und wie beim „Twister Dance“ planen sie auch für die „Nachtschicht“ einen Livestream. Mehr ist gerade für die beiden Betreiber nicht möglich – auch wenn sie gerne möchten.

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