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Lokal26.de Nordsee Spiekeroog

Versorgung mit der „Spiekeroog IV“: Wie der Weihnachtsbraten auf die Insel kommt

24.12.2020

Spiekeroog Es ist an einem Dienstag vor Weihnachten, 6.30 Uhr und noch stockfinster am Anleger der Mehrzweckfähre „Spiekeroog IV“ im Hafen von Neuharlingersiel, als die Crew der Fähre ihren Tagesdienst antritt: Kapitän Elmar Thomsen, Maschinist und Steuermann Hans-Bernhard Steffens und Decksmann Alfred Brüling.

Das Verladen beginnt früh

Die Vorbereitungen zur heute um 8 Uhr ersten Überfahrt nach Spiekeroog beginnen eineinhalb Stunden vor dem Ablegen. Die Ampel an der Brücke der Fähre zeigt Rot. Fahrgäste – zur Abfahrt erscheinen an diesem Tag nur 15 Handwerker und und einige Mitarbeiter von Unternehmen, die auf der Insel arbeiten – haben noch keinen Zutritt. Dennoch: An Bord herrscht rege Betriebsamkeit. Unter den wachsamen Augen des Kapitäns beginnt der Ladevorgang: das „Container-Ballet“. Alfred Brüling schwingt sich in den Unimog, pickt die im Hafen bereitstehenden Frachtcontainer an und bugsiert sie über die weit geöffnete Bugklappe der „Spiekeroog IV“ an ihren vorübergehenden Bestimmungsort – zentimetergenau und in einem rasanten Tempo!

Was für die meisten Spiekeroog-Gäste, wenn sie denn kommen dürfen, schier unglaublich scheint, ist für Alfred Brüling langjährige Erfahrung. Doch auch Kapitän und Maschinist bewundern das Können des Unimogfahrers und sagen: „Der ist auf einem Unimog geboren!“

Kapitän und Steuermann werden zu Einweisern

Während Brüling einen Container nach dem anderen auf die Fähre fährt, fungieren Kapitän Elmar Thomsen und Maschinist Hans-Bernhard Steffens als Einweiser. „Das ist absolut nötig“, sagt Steffens. „Denn Brüling sieht aus seinem Unimog heraus nicht, wohin seine Reise geht.“

Handzeichen und ein lautes „Stopp!“ Ein Container hat seine Position an Deck erreicht und kann abgekoppelt werden. Das wiederholt sich an diesem Tag so einige Male. „Wir befördern nicht nur Fahrgäste, sondern im Gegensatz zu den anderen Fähren vor allem Fracht. In den großen Containern ist alles, was auf der Insel benötigt wird: Baustoffe für die Hand- und Heimwerker, Waren für den täglichen Bedarf für alle und natürlich Lebensmittel. Das bedeutet: Wir transportieren alles für den täglichen Bedarf – vom Aal bis zur Zahnbürste“, witzelt der Kapitän.

An diesem Dienstag landen auch etliche Weihnachtsbäume an Bord – und scheinbar jede Menge Weihnachtsgeschenke. „Normalerweise zählen wir im Durchschnitt ein bis zwei Post-Container, jetzt, in der Vorweihnachtszeit und auch wohl wegen Corona sind es bis zu sechs, die auf die Insel Spiekeroog und dort deren Inhalt mit den Elektrokarren des Inselspediteurs zu den einzelnen Adressaten gebracht wird“, sagt Hans-Bernhard Steffens.

Weiter mit dem Inselspediteur

Besonders empfindlich sind natürlich die Lebensmittel. Sie kommen meist im großen Edeka-Kühlcontainer für den Frischemarkt auf der Insel oder in kleineren Mengen für den Feinkosthändler. Diese Kühlcontainer und besonderen Lebensmittel werden auf Spiekeroog von der Spedition Lüders direkt zu den Händlern gebracht. Dabei darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden.

7.45 Uhr: Die Ampel unterhalb des Steuerstandes der „Spiekeroog IV“ zeigt Grün, das Zeichen, dass nun auch die derzeit wenigen Fahrgäste an Bord gehen dürfen. Maschinist und Steuermann Hans-Bernhard Steffens steht nun mit dem Lesegerät bereit, um die elektronischen Karten und Tickets der Fahrgäste zu kontrollieren. Decksmann Alfred Brüling schließt die Bugklappe. Dann treffen sich beide beim Kapitän auf der Brücke.

Mit elf Knoten geht es voran

8.00 Uhr, die Überfahrt beginnt. Routiniert das Ablegen in Neuharlingersiel, die Fahrt durch die Fahrrinne und dann mit bis zu elf Knoten Richtung Spiekeroog. In knapp 45 Minuten ist die Insel erreicht. Klappe auf, die Fahrgäste gehen von Bord. Und schon beginnt es wieder: das „Container-Ballet“ mit dem Unimog von Alfred Brüling, diesmal jedoch in umgekehrter Reihenfolge. In irgendeinem Kühlcontainer sind auch die Weihnachtsbraten für den einen oder anderen Insulaner. Was es Heiligabend im Einzelnen zu essen gibt, weiß die Besatzung der „Spiekeroog IV“ nicht. Aber sie ist sich sicher: „Vom Klassiker ,Kartoffelsalat mit Würstchen‘ bis hin zur ,Gefüllten Weihnachtsgans‘ ist sicher alles dabei.“

Und selbst? „Zunächst freuen wir uns zum Abschluss der Arbeit auf eine gemeinsame Wurst. Das machen wir immer so. Und am Heiligen Abend freue ich mich auf eine leckere Gänsekeule“, sagt Kapitän Elmar Thomsen.

Klaus HändelLokalredaktion

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