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Lokal26.de Region

Gleisbrücke soll in 22 Monaten fertig sein

23.01.2020

Varel Ankündigungen der Deutschen Bahn werden (nicht nur) in Varel mit Blick auf die Erfahrung vergangener Jahrzehnte inzwischen mit aller Vorsicht zur Kenntnis genommen. So gab es jüngst im städtischen Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung gleich mehrfach skeptische Nachfragen, etwa „wie sicher ist der Zeitplan jetzt“ und „gibt es noch Unwägbarkeiten, die es zu berücksichtigen gilt?“

Politiker skeptisch

Zuvor hatte Ulrich Beyer, als Teilprojektleiter der Deutschen Bahn zuständig für die Ausbaustrecke Oldenburg-Wilhelmshaven, die neuen Pläne für den Teilabriss der denkmalgeschützten Bahnsteigbrücke am Vareler Bahnhof präsentiert, einschließlich Zeitplan. „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein fehlt mir der Glaube“, wurde im Ausschuss in Anlehnung an Goethes Faust gescherzt – zu oft in den vergangenen zehn Jahren war man bei der Stadt Varel von der Bahn vertröstet und enttäuscht worden.

Schon zu Beginn der Planungen für den Ausbau der Strecke von Oldenburg bis zum Jade-Weser-Port war deren Elektrifizierung fester Bestandteil. Dafür müssen elektrische Fahrdrähte über den Gleisen montiert werden, da braucht es zwangsläufig eine gewisse Durchfahrtshöhe unter Brücken. Diese Höhe war bei der Bahnsteigbrücke am Bahnhof in Varel nicht gegeben, und schon 2012 hatten Vertreter der Bahn im Planungsausschuss einen Vorschlag präsentiert, wie man das Problem zu lösen gedachte.

Vom Durchgang sollte schlicht unten etwas „abgeknabbert“ werden, um die erforderlichen zusätzlichen 80 Zentimeter zu gewinnen. Der Plan wurde aber wieder verworfen, es wurde still um die Brücke. Auch die Pläne zur Elektrifizierung wurden weiter nach hinten verschoben. Der nächste Anlauf sah nun vor, das ganze denkmalgeschützte Gebäude, also die Brücke mitsamt der beiden Türme, ein Stück anzuheben. Klingt absurd, wäre aber technisch durchaus machbar gewesen, zumindest theoretisch. In der Praxis aber wäre das Vorhaben mit hohen Risiken behaftet und extrem teuer gewesen, der Plan wurde also ebenfalls verworfen.

Kompromiss gefunden

Vor diesem Hintergrund hatte die Bahn vor zwei Jahren beantragt, den Denkmalschutz aufzuheben, um das Bauwerk doch einfach abreißen zu können. Damit aber tat sich die Denkmalschutzbehörde schwer, so wurde letztlich in einem Krisengipfel beim Landesamt für Denkmalpflege ein Kompromiss gefunden: Die Bahn darf den Wege hängenden Mitteltunnel abreißen, muss die beiden Türme auf den Bahnsteigen aber erhalten.

Dafür wurde nun eine neue Planung ausgetüftelt, die Ulrich Beyer zusammen mit Ingenieur Thomas Mai im Vareler Ausschuss vorstellte.

Demnach soll der Verbindungstunnel über den Gleisen abgebrochen und auf der Nordseite der Türme durch einen gleichsam überdachten Glas- und Stahlbau ersetzt werden. In die Übergangsbrücke gelangt man sowohl von den alten Türmen aus über die vorhandenen Treppen, aber auch durch Aufzüge, die so dimensioniert sind, dass auch Rollstühle, Kinderwagen und Fahrräder hineinpassen. Soll doch mit dem Umbau auch endlich die Barrierefreiheit am Bahnhof hergestellt werden.

Die gut 100 Jahre alten Türme sollen in dem Zuge saniert und statisch ertüchtigt werden, was durch die Entnahme der Verbindungsbaus erforderlich wird. So sollen neue Sprossenfenster eingebaut, neue Treppengeländer installiert sowie Wände und Fußböden erneuert werden. Durch die Türme gehen die Passagiere künftig praktisch nach hinten hinaus weiter in die neue Brücke.

Diese wird aus Stahl gebaut, bekommt Glaswände aus Sicherheitsglas und wird mit einem Satteldach überbaut. Auch beim Übergang von altem Turm zu neuer Brücke soll eine Überdachung gewährleistet sein.

Für die Dauer des Umbaus soll eine provisorische Ersatzbrücke auf den östlichen Bahnsteig führen, die in Höhe der Bushaltestelle errichtet werden soll. Ohnehin wird sich das Geschehen am Bahnhof für die Bauzeit weiter südlich abspielen müssen, der Raum um die alte Brücke wird weiträumig abgesperrt, der Fahrradstand übergangsweise abgebaut. Auf dem Parkplatz wird eine Baustellenfläche eingerichtet, damit gehen auch Taxi- und Parkplätze verloren. Nach Vorschlag der Bahn könnten Kurzzeitparkplätze ebenfalls im Bereich des Busplatzes geschaffen werden, dort ist die Durchfahrt für Pkw bislang freilich verboten.

Auch eine Kranstellfläche muss geschaffen werden, denn die neue Brücke wird auf dem Parkplatz vormontiert und dann in einem Stück mit einem Autokran eingehoben. Zuvor muss freilich der Abriss erfolgen, das geschieht mit Baggern von den Gleisen aus.

Zweimal muss die Strecke für das Vorhaben gesperrt werden. Der Terminplan sieht vor, dass im vierten Quartal 2020 zunächst die provisorische Brücke gebaut wird. Zu Jahresbeginn soll dann der Abbruch vorbereitet werden, die für den eigentlichen Abriss notwendige Sperrpause ist bereits auf den 10. bis 12. April 2021 terminiert. Dann sind sechs Monate für Sanierung der Türme, den Aufbau der Aufzüge sowie die Montage der neuen Brücke vorgesehen. Die soll dann im November 2021 in Betrieb gehen können.

Saniert werden soll, im besten Fall parallel, das ebenfalls denkmalgeschützte Schutzdach auf dem Bahnsteig 2, das seit gut zwei Jahren schon gar kein Dach mehr ist, sondern nur noch ein Stahlgerippe. Obwohl hier die DB Station und Service zuständig ist, will Ulrich Beyer sich dafür stark machen, dass auch dieser Mangel im Zuge des Umbaus behoben wird. „Sonst können wir uns als Bahn ja in Varel bald gar nicht mehr blicken lassen“, sagte der Bahnprojektleiter. Widerspruch dazu gab es nicht.

Ein Wort mitzureden hat noch das Eisenbahnbundesamt. Die Planungsunterlagen würden nun eingereicht, dann müssten etwa sechs bis zehn Monate kalkuliert werden, bis es grünes Licht gebe.

Barrierefreiheit nötig

Ein Vertreter des Behindertenbeirats im Landkreis Friesland kritisierte in der Sitzung, dass nach wie vor keine Lösung für mobilitätseingeschränkte Personen gefunden sei. Da müsse sich rasch etwas tun, noch bevor der Umbau in Angriff genommen werde.

Ulrich Beyer erklärte dazu, dass dies nicht in der Zuständigkeit der Bauprojektgruppe liege, er wolle aber an den zuständigen Ansprechpartner vermitteln. Erneuert wurde die Forderung, die Züge möglichst grundsätzlich auf Gleis 1 einlaufen zu lassen. Bislang müsste dies für jeden Einzelfall angemeldet werden, zudem sei das für den Antragsteller kostenpflichtig, „ein Unding“, hieß es.

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