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Lokal26.de Region

Das ist die Zukunft der Krankenhäuser

14.02.2020

Varel /Friesland Mit dem Kauf des St. Johannes-Hospitals in Varel und der damit verbundenen Gründung der Friesland-Kliniken Holding, zu der auch das Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch gehört, hat der Landkreis Friesland seit nunmehr vier Jahren eine Klinik mit zwei Standorten in seiner Trägerschaft. Über Zustand und Zukunft dieses Verbundes diskutierten auf Einladung der SPD-Kreistagsfraktion und des SPD-Kreisverbandes die Geschäftsführung und Aufsichtsratsmitglieder der Friesland-Kliniken mit rund 70 Gästen im St. Marienstift in Varel.

Die Vorteile

Anders als private Krankenhäuser unterliegen Kliniken in kommunaler Trägerschaft keinem Renditedruck. Wozu dieser führen kann wurde zuletzt deutlich anhand der Schließung von drei Geburtsstationen in benachbarten Landkreisen. Diese seien für den Standort Varel aufgrund höherer Geburtenzahlen eine Chance kostendeckend zu wirtschaften, so Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender, Sven Ambrosy. Gleichzeitig sind sie aber auch beispielhaft für das Abwälzen von Verantwortung hinsichtlich der Basisversorgung von Patienten.

Der Gewinndruck privater Häuser, so Dr. Werner Wodrich, Prokurist der Friesland-Kliniken, führe außerdem häufig zu Einsparungen im Personalbereich oder zu sogenannter „Rosinenpickerei“. Diese Spezialisierung auf einzelne Fachbereiche führe erneut zu einem Abbau der Basisversorgung.

Hinzu kommen Bonussysteme für Ärzte, bei denen diese unmittelbar an Operationen verdienen. „Diesen finanziellen Anreiz bieten wir nicht“, so Frank Germeroth, Geschäftsführer der Friesland-Kliniken. „Dafür kann unser Personal sich darauf konzentrieren, was für den Patienten wichtig uns sinnvoll ist, was eine hohe Arbeitszufriedenheit schafft.“

Aktuelle Situation

Die Friesland-Kliniken sind mit 1500 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Friesland. Sie erfüllen, so Ambrosy, eine wichtige „Leuchtturmfunktion“ wenn es um die begleitende Ansiedlung von Fachärzten und Apotheken und damit um die Sicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum geht. Nicht zuletzt deshalb sei die Bereitschaft der Politik, die Krankenhäuser optimal zu unterstützen „riesengroß“, so Bernd Pauluschke.

Ausblick

„Die Zeit des Wachstums ist vorbei, da eine Verlagerung von stationärer zu ambulanter Versorgung stattfindet“, so Germeroth. Es erhöhe sich aber der Schweregrad der Erkrankungen. Das Portfolio beider Häuser wird sich im Wesentlichen nicht ändern. Eine Herausforderung sei aber der Fachkräftemangel, wie auch der Betriebsratsvorsitzende des Nordwest-Krankenhaus, Holger Merle, bestätigte. Hier sieht der Landkreis sich in der politischen Verantwortung, so Ambrosy, die Anstrengungen bei der Gewinnung von Fachkräften in der Pflege weiter zu intensivieren.

Ein Gutachten empfehle überdies, die aktuelle Holding in eine GmbH zu überführen um die Philosophie „Ein Krankenhaus - zwei Standorte“ zu stützen.

Geplant sei außerdem eine grundlegende Sanierung und Modernisierung des Standortes Varel, bei der im nächsten Schritt der Bau eines Bettenhauses vorgesehen ist.

Darüber hinaus werde zukünftig die heute schon bestehende Zusammenarbeit mit dem Klinikum in Wilhelmshaven wieder stärker in den Fokus rücken, so Germeroth. Er versprach überdies auf Nachfrage aus dem Publikum, die niedergelassenen Ärzte gezielt über Ansprechpartner im Klinikbereich zu informieren.

Annette MuschalikFreie Mitarbeiterin

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