Medienhaus Brune|Mettcker
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Wilhelmshaven Südstadt

Ehrenamt: Generationswechsel beim Südstadtverein

28.04.2022

Wilhelmshaven Dass die Südstadt die Keimzelle Wilhelmshavens ist, dürfte den meisten Bewohnern der Jadestadt bekannt sein. Doch auch der älteste Bürgerverein der Stadt ist in der Südstadt zuhause, logischerweise.

Der Bürgerverein Süd von 1884 wurde, wie der Name schon sagt, 1884 gegründet. Also 15 Jahre nach der Gründung Wilhelmshavens. Der Beiname „1. Bezirk“ macht deutlich, dass es sich um den ersten Stadtbezirk Wilhelmshavens handelt, die Keimzelle der Stadt, die auch „Klein Berlin“ genannt wird.

Die Geschichte des Bürgervereins Süd von 1884 ist von den vielen wechselvollen Ereignissen in der Stadtgeschichte geprägt. Bedingt durch die beiden Weltkriege wurde er aufgelöst und wieder gegründet, zwischenzeitlich auch schon einmal umbenannt in „Verkehrs- und Verschönerungsverein“. Seit Wiederaufnahme der Vereinstätigkeiten 1949 ist der Südstadtverein, wie ihn seine Mitglieder der Einfachheit halber nennen, ununterbrochen aktiv. Fast müsste hier ein „war ununterbrochen aktiv“ stehen, denn nachdem viele langjährige Vorstandsmitglieder aus Altersgründen ihre Ämter aufgaben, stand der Verein vor etwa drei Jahren kurz vor seiner Auflösung.

Verein erhalten

„Der Verein darf nicht sterben“, dachte sich damals Andrea Mohr, deren Vater Friedo Frerichs viele Jahre als Beisitzer im Vereinsvorstand war. „In der Südstadt begann sich gerade eine besondere Kiezatmosphäre zu entwickeln, es gab viele Geschäftsneugründungen und viele der schönen Gründerzeithäuser wurden saniert.“

Also habe sie alle ihre Freunde und Bekannten mobilisiert und so wurde vor nunmehr drei Jahren ein neuer Vorstand gewählt mit Andrea Mohr als Vorsitzender und Diane Dolina als ihrer Stellvertreterin. Die Vereinsarbeit sei fast wie ein Vollzeitjob für sie, sagt die 59-Jährige, die vor kurzem für weitere drei Jahre wieder gewählt wurde. Wie übrigens der komplette Vorstand auch.

Ideen für die Südstadt

Dem neuen Vorstand, der mit vielen neuen Plänen an den Start gegangen war, kam, wie so vielen anderen Vereinen auch, die Coronazeit gehörig in die Quere. „Ein Hoffest konnte noch stattfinden, die nächsten Veranstaltungen mussten dann aber alle abgesagt werden. Die Hoffeste wollen wir aber wieder aufleben lassen“, so Mohr. Denn, was selbst viele Wilhelmshavener nicht wissen, viele der schmucken Südstadtvillen haben traumhafte, idyllische Innenhöfe. Diese privaten Refugien sind nur anlässlich der Hoffeste für die Öffentlichkeit zugänglich.

Einmal monatlich, immer am letzten Sonntag des Monats, treffen sich die Vereinsmitglieder und deren Angehörige in den Räumen des Spanischen Kulturvereins in der Rheinstraße 94 ganz unverbindlich zum Klönen und zum gemütlichen Zusammensein. Dabei werden natürlich auch Ideen entwickelt und Probleme angesprochen, denn nicht zuletzt entstand der Südstadtverein seinerzeit aus dem Gedanken heraus, ein Sprachrohr für die Bürger bei der Stadtverwaltung zu sein. „Wir wollen kein Meckerverein sein, Spaß und Geselligkeit sollen nicht zu kurz kommen, aber natürlich kümmern wir uns auch um Missstände“, so Andrea Mohr. „Hier kommt dann wieder der ‚Verkehrs- und Verschönerungsverein‘ ins Spiel.“  

So habe man sich zum Beispiel dafür stark gemacht, dass der schöne Kandelaber wieder auf dem alten Rathausplatz (Rheinstraße/Ecke Gökerstraße) aufgestellt wurde. „Der muss auch noch mit einer kleinen Feier eingeweiht werden“, sagt Mohr lachend. „Die war auch wegen Corona ausgefallen.“

Nicht zuletzt habe sich der Südstadtverein zur Aufgabe gemacht, seine Mitglieder über Neuigkeiten im Kiez zu informieren. So habe man sich kürzlich gemeinsam das neue Bunkermuseum in der Ebertstraße angesehen.

Das nächste Highlight für den rund 100 Mitglieder zählenden Südstadtverein ist das Stadtteilfest „SüdKiezLiebe“ am 28. Mai, das zwar nicht von ihm organisiert wird, aber auf dem sich der Verein auf jeden Fall präsentieren und vorstellen will.

„Ursprünglich ist der Südstadtverein ja vor allem von den Kaufleuten, übrigens alles Männer, gegründet worden“, weiß Andrea Mohr aus vielen alten Dokumenten, die noch heute im Besitz des Vereins sind. „Auch heute sind viele Geschäftsleute der Südstadt Mitglied im Verein. Aber auch aus anderen Stadtteilen ist das eine oder andere Mitglied dabei.“

Jetzt Gemeinnützig

Auf der jüngsten Mitgliederversammlung hat sich der Verein zudem eine neue Satzung gegeben und ist jetzt zum ersten Mal in seiner Geschichte gemeinnützig.

Auskunft über die Aktivitäten und Erfolge der langen Vereinsgeschichte geben nicht nur die alten, in gestochen schöner Sütterlinschrift geschrieben Sitzungsprotokolle, sondern auch die Chronik, die der Verein zum 125-jährigen Bestehen herausgegeben hat.

Da wird von der Verschönerung des Schmuckplatzes an der Kaiser-Wilhelm-Brücke berichtet oder vom Brunnenfest auf dem Rathausplatz. Aber auch damals schon war, wie auch heute noch, der „Sommerverkehr zum Südstrand“ Quell des Ärgers. Der Bürgerverein forderte damals eine Neuregelung. „Heute ist es ja schon besser, aber das vorgeschrieben Tempo 30 fährt hier wirklich kaum jemand“, so Mohr. „Wir wohnen und arbeiten hier. Das vergessen viele Touristen und leider auch Einheimische, die auf dem Weg zum Strand sind.“

Schöne Südstadt

Auch die stellvertretende Vorsitzende Diane Dolina arbeitet in der Südstadt. Sie betreibt seit 1983 das Hotel Südstadt, das es seit 1889 gibt und das ehemals Hotel „Athen“ hieß, nach seinem Inhaber Karl Athen. „Es gibt so viele tolle alte Gebäude in der Südstadt, die eigentlich nicht genug Wertschätzung erfahren“, sagt sie. „Bestes Beispiel sei die Südzentrale, die ja bekanntlich auch unter Denkmalschutz stand.“

Dabei heiße es doch „Eigentum verpflichtet“, ergänzt Andrea Mohr, die ihr Haus in der Südstadt, in dem sich auch die Firma ihres Mannes befindet, mit viel Liebe zum Detail saniert hat.

Sogar mit den Porträtbüsten des Kaisers und der Kaiserin am Balkon. Hinter den inzwischen recht großen Kastanien, die die Rheinstraße links und rechts säumen, sind manche der tollen Gründerzeit-Fassaden leider ziemlich versteckt. „Heutzutage hätte man vielleicht andere Bäume gepflanzt, kleinere auf jeden Fall. Aber nun stehen sie nun einmal hier.“ 

Walburg DittrichSonderthemen

Kostenlos abonnieren - Unser Newsletter für die Region