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Auf der Jagd nach Krabben in Hooksiel

11.01.2020

Hooksiel Die meiste Zeit verbringt Nils Schröder an Bord seines Krabbenkutters, dem er den Namen „Trotz“ gegeben hat – so viel schon mal vorweg. Der erste Kutter seines Opas hieß ebenfalls „Trotz“ und so hat er den Namen einfach übernommen. Aber von vorn:

Denn an dem Beruf des Krabbenfischers führte den jungen Mann mit den kurzen, rotblonden Haaren eigentlich kein Weg vorbei. Bereits als kleiner Junge fuhr er regelmäßig in den Ferien und neben der Schule mit seinem Vater auf den Jadebusen. „Ich bin sozusagen auf dem Schiff groß geworden.“

Mittlerweile hat der 31-Jährige seinen eigenen Kutter und ist Krabbenfischer in fünfter Generation. „Ich habe nichts anderes kennengelernt, bin damit aufgewachsen.“

Bei seinem Vater auf dem Kutter hat Nils mit 16 Jahren seine Ausbildung zum Fischwirt für kleine Hochseefischerei gemacht und dann die zum Kapitän. Elf Jahre hat er seinem Vater in Varel als Decksmann alles Wichtige abgeschaut. „Wenn man die Ausbildung macht, möchte man auch irgendwann sein eigenes Schiff haben und kein Knecht bleiben.“ Gesagt, getan: Kaum war der Kutter gekauft, ist Nils mit seiner Familie nach Hooksiel gezogen.

Hooksiel hat für ihn einen ganz entscheidenden Vorteil, denn es gibt dort keine direkte Konkurrenz. In der Ortschaft ist der 31-Jährige hauptberuflich der einzige Krabbenfischer. Daneben gebe es, so Nils Schröder, nur noch seinen Vater und seinen Bruder in Varel sowie seinen Cousin in Dangast. „Ansonsten gibt es hier keine Fischer mehr.“

Arbeitszeiten sind von Tide abhängig

Während der Saison, also von Mitte Februar bis Dezember, fährt Nils im Schnitt fünf Tage die Woche raus aufs Meer. „Die Zeit geht dann nur zum Fischen und Schlafen drauf.“ Ist gerade keine Saison, repariert er das Schiff, flickt Netze oder macht Urlaub. Sein Arbeitsalltag ist jedoch auch von den Gezeiten abhängig. In Hooksiel würde er aber eigentlich bei jedem Wasserstand aus dem Hafen kommen. „Man fährt dann dorthin, wo man sich am meisten verspricht.“ Natürlich ist auch ein bisschen Glück notwendig: „Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, betont Nils Schröder.

Die Fahrt zu den Fanggebieten zusammen mit seinem Decksmann Sebastian Dreyer und seinem Lehrling kann dabei schon mal einen Tag dauern – und das bei jedem Wetter. „Ab und zu fahren wir auch mal länger raus. Das kommt auf das Gebiet an. Nach 72 Stunden müssen die Krabben aber spätestens beim Händler sein.“ Er sei ausschließlich auf der Jade, bei den friesischen Inseln und auf der Weser unterwegs.

Wie die Fangsituation ist, und was er abends oder morgens mit nach Hause bringt, weiß er vor der Fahrt nie. Ehrgeizig ist Nils dennoch: „Ich möchte möglichst viel in kurzer Zeit fangen, um nicht die ganze Woche ohne Pause auf See sein zu müssen und trotzdem davon leben zu können.“ Dass es nur noch so wenige Krabbenfischer gibt, überrascht ihn nicht. Denn Berufsfischer haben es nicht leicht: Es gibt immer weniger Nordseekrabben, dafür immer mehr Auflagen. Aber Nils kennt sich aus: „Nach guten Stellen kann man im Internet suchen, es bringt aber auch die Erfahrung mit sich. Irgendwann kennt man die Plätze, wo man gut fischen kann.“

Güte-Siegel bestätigt nachhaltigen Fang

Alle Krabben, die er abliefert, haben ein Güte-Siegel, das „Marine Stewartship Council“-Siegel: „Das bestätigt uns, dass wir nachhaltig fischen, was für uns große Auflagen mit sich bringt. Also größere Maschenweiten, um weniger kleine Krabben zu fangen. Dann ist ein Selektivnetz im Netz eingebaut, damit alles, was größer ist als eine Zwei-Euro-Münze, unter Wasser schon ausgeschleust wird. So halten wir den Beifang gering.“ Das muss sein, das sind die Auflagen der EU.

Trotzdem habe er nie darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen. „Ich kann es mir nicht vorstellen.“ Das Kuriose: Er selbst mag Krabben gar nicht so gerne. „Mal ab und zu eine Handvoll, aber es ist nicht mein Leibgericht.“ Das der Touristen zum Glück schon.

Jennifer FiolaVolontärin

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