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Lokal26.de Friesland Wangerland

Interview: Bürgerinitiative setzt auf zweites Bürgerbegehren zum Gästehaus Hooksiel

26.02.2020

Hooksiel Ein zweites Bürgerbegehren zum Gästehaus Hooksiel hat die Verhandlungen mit einem Investor auf Eis gelegt. Für Günter Schmöckel von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Wellenbades ist dies ein wichtiger Schritt. Zuvor hatte sich WTG-Geschäftsführer Armin Kanning in einem Interview zu diesen und weiteren Streitfragen geäußert. Im Gespräch mit der Redaktion erklärt Schmöckel, warum die Initiative die Begehren in die Wege leitet.

Frage: Herr Schmöckel, bevor wir zum Gästehaus kommen noch ein Blick auf das Hallenwellenbad, für dessen Erhalt sich die BI ja gegründet hat. Kürzlich gab es dazu einen Runden Tisch, organisiert von der Wangerland Touristik. Wie bewerten Sie den Ausgang dieser Gesprächsrunde?
Günter Schmöckel: : Wir bedauern den Ausgang sehr. Wir hatten ursprünglich eine andere Erwartungshaltung. Die Gespräche verliefen anfangs sehr positiv und der Dialog war vernünftig. Wir haben signalisiert, dass wir den Gutachter, der gemeinsam gefunden werden sollte, auch mittragen wollen und ergebnisoffen alle Fragen auf den Tisch kommen. Die Ergebnisse aus diesem Gutachten sollten für uns aber Gesprächsgrundlage sein und kein endgültiges Votum für oder gegen das Hallenwellenbad.

Frage: Sie haben aber auch deutlich gemacht, dass Sie einen Gutachter nur dann mittragen wollen, wenn er von Vornherein für den Erhalt des Bades ist. Das hat ja nicht mehr wirklich viel mit Ergebnisoffenheit zu tun.
Schmöckel: : Ich persönlich denke, dass der Begriff Gutachter mittlerweile Schaden genommen hat. Weil man nie genau weiß, welche Interessen dahinter stecken oder ob die Person vorher gebrieft worden ist. Es gibt ja schon genug Gutachten über das Bad in der Schublade. Das kritisieren wir ja unter anderem auch, dass die Ergebnisse nie öffentlich gemacht wurden. Die Ehrlichkeit und Transparenz fehlt.

„Wir haben eine Verantwortung den Bürgern gegenüber“

Frage:
Frage: Die WTG hat signalisiert, die Entscheidung mit zu tragen. Auch wenn es den Erhalt des Bades bedeuten würde. Ist die Erwartungshaltung, dass die BI ebenfalls einlenkt, sollte der Gutachter zu einer Schließung des Bades kommen, nicht gerechtfertigt?
Schmöckel: : Der Ort Hooksiel hat zwei Leuchtturmprojekte. Das Hallenwellenbad und das Gästehaus. Und das sehen wir immer im Zusammenhang. Sie müssen sehen, als Hooksiel in den 1950er Jahren den Tourismus entwickelt hat, haben die benachbarten Orte daran noch gar nicht gedacht. Das haben damals die Handwerkerschaft und die Gewerbetreibenden vorangetrieben. Dann hat man sich in die Gemeinde Wangerland eingebracht mit der Hoffnung, Kosten zu minimieren und diese Region zu vermarkten. Wir machen uns um die vielen Existenzen Sorgen, wenn man jetzt den Ort Hooksiel in diesen Bereichen zurückfährt.

Frage: Aber noch mal – Es wäre doch nur fair, wenn die Gegenseite ein für sie negatives Ergebnis trägt, dass Sie das auch tun.
Schmöckel: : Dafür haben wir uns schon viel zu weit aus dem Fenster gelehnt. Die Bürger erwarten jetzt in aller Konsequenz, dass wir unsere Politik sauber zu Ende bringen. Wir haben eine Verantwortung den Bürgern gegenüber. Immerhin folgen uns 6000 Follower auf Facebook. Wir haben über 300 Besucher bei Vollversammlungen. Das bestärkt uns in unseren Unternehmungen. Und überlegen Sie mal: Wir haben mit dem Café „Wellenblick“ jetzt eine sehr gute Gastronomie dort. Die wäre dann auch weg.

Frage: Sie sprechen immer davon, dass Sie von allen Seiten Unterstützung erfahren. Ein Gutachter hätte ja womöglich belegbare Zahlen durch eine Bürger- und Gästebefragung geliefert. Wenn Sie so überzeugt sind, hätte Ihnen das doch nur nützen können.
Schmöckel: : Der Betreiber des Cafés „Wellenblick“ hat selbst eine Befragung durchgeführt. Über 1000 Unterschriften hat er für den Erhalt des Bades gesammelt, das ist schon beeindruckend.
Frage:
Frage: Aber ist die Umfrage denn repräsentativ und objektiv wenn Sie Leute fragen, die sowieso schon ins Wellenbad gehen?
Schmöckel: : Das Wellenbad hat mit seinem Meerwasser ein Alleinstellungsmerkmal im Umkreis von 100 Kilometern. Deswegen kommen die Menschen hier her. Dieses Juwel müssen wir erhalten. Im Rahmen dieser Unterschriften haben wir zum Beispiel auch Spenden von Einzelpersonen in Höhe von 300 Euro und mehr erhalten. Das ist für unsere Bürgerinitiative schon eine Menge.
Frage: Dennoch – Ist das repräsentativ? Im Wangerland machen jährlich über 330 000 Gäste im Jahr Urlaub?
Schmöckel: : Was bedeutet denn repräsentativ? Am Ende waren wir doch gezwungen, den Klageweg zu gehen.

Bürgerbegehren braucht 800 Wählerstimmen

Frage:
Frage: Sie meinen das Bürgerbegehren zum Erhalt des Bades?
Schmöckel: : Genau. Wir waren überrascht und es war für uns schon eine bittere Pille, dass unser Bürgerbegehren abgelehnt wurde. Jetzt muss das Gericht entscheiden. Und wer klagt schon gerne gegen seine eigene Gemeinde?

Frage: Können Sie einmal erklären, wie so ein Bürgerbegehren überhaupt funktioniert?
Schmöckel: : Das Niedersächsische Kommunalgesetz gibt uns das Recht auf ein solches Bürgerbegehren. Und Bundespräsident Steinmeier hat es in einer Neujahrsrede auch betont, dass sich Bürger wesentlich mehr in die Politik einmischen und ihre Wünsche darstellen sollen. Das Bürgerbegehren muss bei der Gemeinde angemeldet werden und die Fragestellung muss so formuliert sein, dass die Bürger nur mit Ja oder Nein abstimmen können. Ist das Bürgerbegehren zugelassen, müssen zehn Prozent der Wahlberechtigten im Wangerland dem Bürgerbegehren zustimmen. Wir haben etwa 8000 Wahlberechtigte, also bräuchten wir rund 800 Stimmen. Wenn wir diese Stimmen haben, kommt es zum Bürgerentscheid. Und da sind dann 20 Prozent notwendig. Haben wir die, ist das Bürgerbegehren rechtsgültig. Dann darf der Rat auch nicht mehr anders entscheiden.

Frage: Über die Zukunft des Bades wird ja deshalb diskutiert, weil es für die WTG mit rund 600.000 Minus im Jahr unwirtschaftlich ist. Das sehen Sie aber nicht so.
Schmöckel: : Dafür muss man in die Geschichte zurückgehen. Das Wellenbad wurde damals von der Wirtschaft Wilhelmshavens und vom Land finanziert als Gegenleistung dafür, dass die Industrie nahe an Hooksiel rücken kann. Und um die Kosten abzudecken, wurde damals beschlossen, dass man den Kurbeitrag in Hooksiel um 50 Pfennig erhöht. Das ist der Betrag den man brauchte, um das Bad zu unterhalten. Und das ist immer noch Stand der Dinge. So steht es auch in den Statuten, dass die Kosten des Bades aus den Einnahmen und aus dem Kurmittelbeitrag abzudecken sind.

„Gästehaus war immer ein ungeliebtes Kind der WTG“

Frage: Nun haben Sie für den Erhalt des Gästehauses ebenfalls ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht. Warum war das notwendig. Immerhin gibt es seit 2013 einen gültigen Ratsbeschluss zum Verkauf des Hauses.
Schmöckel: : Der Ort Hooksiel wächst. Mit neuen Baugebieten und neuen Ferienwohnungen. Und Urlauber fragen heute hauptsächlich über das Internet an, was ihnen ihr Urlaubsort alles bietet und welche Möglichkeiten sie hier haben. Die Strände und die Radwege gehören da genauso zu wie das Wellenbad und eben auch das Gästehaus. Das Gästehaus besteht seit immerhin 30 Jahren. Und nach meiner Auffassung war es immer ein ungeliebtes Kind der WTG. Die Hauptveranstaltungen sind immer in Horumersiel erfolgt. Sie haben es in den 30 Jahren noch nicht mal geschafft, ein halbamtliches Hinweisschild aufzustellen. Man hat das Haus in der Vermarktung einfach vernachlässigt. Und dabei erwarten die Gäste einen Anlaufpunkt. Und nach wie vor ist das Gästehaus für uns ein Diamant, der nur mal wieder geschliffen werden muss.
Frage: Für Sie spielt da auch die Prädikatisierung Hooksiels als Nordseebad eine große Rolle.
Schmöckel: : Richtig. Wenn selbst das Wirtschaftsministerium sagt: Ein Park der Generationen reicht nicht, aber mit dem Gästehaus als größerem Anlaufpunkt mit einem eventuellen Kurpark könnte man sich anfreunden, dann kann man das ja nicht einfach wegdiskutieren.
Frage: : Der Runde Tisch ist ja deswegen gescheitert, weil Sie die Zustimmung zu einem Gutachter mit der Bedingung verknüpft haben, weitere Verkaufspläne, wie die des Gästehauses zu stoppen.
Schmöckel: : Genau. Denn für uns gehört das zusammen. Da hat mir im Gespräch leider ein bisschen das Fingerspitzengefühl gefehlt. Aber da wurde gleich gesagt, darüber reden wir nicht. Das ist hier nicht Thema.

Bürgerinitiative will Erhalt der „Highlights“

Frage:
Frage: Nun kann Herr Kanning natürlich nichts dafür, dass der Investor entschieden hat, bislang nichts über seine Pläne zu veröffentlichen.
Schmöckel: : Das ist richtig. Und ich kann nur jedem Investor raten, möglichst offensiv sein Konzept zu präsentieren und nicht ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern und dann ist es ein Tiger. Das kann nicht funktionieren. Immerhin muss er ja auch mit der Bevölkerung leben. Und darum sind wir es unseren Bürgern schuldig, dieses zweite Bürgerbegehren auf den Weg zu bringen. Denn mit Eingang des Bürgerbegehrens kann mit dem Investor erstmal nicht mehr verhandelt werden.
Frage: Sie bemängeln, dass sich in den vergangenen 30 Jahren im Gästehaus nichts getan oder entwickelt hat. Durch die gestoppten Verhandlungen mit einem Investor passiert ja jetzt wieder möglicherweise in den kommenden zwei Jahren nichts. Das kann doch eigentlich nicht in Ihrem Sinne sein.
Schmöckel: : Es tut uns dann leid, wenn es da fürs Erste nicht weiter geht. Aber wenn es erstmal verkauft ist, dann können wir gar keinen Einfluss mehr nehmen. Dann hätten wir sowieso verloren. Und im Grunde geht es ja um Investitionen. Der Betrieb wird ja aufrecht erhalten und das können wir dann auch zwei Jahre durchstehen selbst unter erschwerten Bedingungen. Wir hätten uns da in der Vergangenheit einfach mehr Investitionen von der WTG gewünscht, da es mittlerweile auch um die Sanierung des Gebäudes geht. Und wir wollen ja keine riesen Sachen. Aber diese beiden Highlights, Gästehaus und Wellenbad, dass die erhalten bleiben. Dass das Bad etwas ergänzt und modernisiert wird zum Beispiel. Und beim Gästehaus stellt sich doch die Frage: Was passiert mit der Bibliothek? Was passiert mit dem Kindergarten? Was passiert mit den Sozialräumen oder dem Saal?
Frage: Aber verschreckt so etwas nicht auch zukünftige Investoren?
Schmöckel: : Ich glaube nicht. Ich glaube, da gibt es genügend Interessenten. Und außerdem sehen wir auch mehr die WTG in der Pflicht, hier ein vernünftiges Veranstaltungsprogramm auf die Beine zu stellen.
Frage: Ich male mal ein Horrorszenario für Sie. Angenommen das Bürgerbegehren geht zwar durch, der Bürgerentscheid aber scheitert. Sowohl zum Gästehaus als auch zum Wellenbad. Was wäre dann?
Schmöckel: : Dann könnte Herr Kanning damit machen was er will. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass genau das eben nicht passiert. Allein in Hooksiel haben wir etwa 800 Wahlberechtigte. Und mittlerweile bekommen wir auch schon aus den benachbarten Dörfern Zuspruch für unser Vorhaben zum Wellenbad. Ob das beim Gästehaus auch so wäre, wissen wir nicht.
Am Donnerstag, 27. Februar, findet um 19 Uhr im Saal des Meerwasser-Hallenwellenbades eine Informationsveranstaltung zum zweiten Bürgerbegehren statt.

Sebastian UrbanczykFrieslandredaktion

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