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Lokal26.de Friesland Wangerland

Streit um Tourismus-Projekte: Der Spagat zwischen Sachlichkeit und Emotion

24.02.2020

Hooksiel Wenn es um die Zukunft der touristischen Einrichtungen im Wangerland geht, kochen die Gemüter bisweilen hoch. Der Geschäftsführer der Wangerland Touristik-GmbH, Armin Kanning, bemüht sich um Sachlichkeit. Ein Interview:

Frage:
Frage: Herr Kanning, vor einer Woche fand der Runde Tisch zum Thema Meerwasser-Hallenwellenbad statt. Das Thema schlägt ja sprichwörtlich hohe Wellen. Wie sind aus Ihrer Sicht die Gespräche verlaufen?
Armin Kanning: : Ich bin doch sehr enttäuscht und hatte mir da sehr viel von versprochen. Ich habe mir im Vorfeld sehr genau überlegt, wen ich einlade und habe darauf geachtet, dass wir ein ausgewogenes Personenverhältnis hatten. So waren die Fraktionsvertreter der Parteien als meine Gesellschafter vor Ort, Gitta Heitmann-Schmacker als allgemeine Vertreterin des Bürgermeisters und sechs Vertreter von der Gegenpartei, wenn man sie so überhaupt nennen will. Jeweils zwei vom Seebadeverein, vom Gewerbeverein und von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Bades. Somit hatten wir ein einigermaßen ausgeglichenes Verhältnis, das war mir sehr wichtig.

Frage: Was war Ziel dieses Gesprächs?
Kanning: : Ich wollte einen gemeinsamen Klärungsprozess anstoßen. Denn das Thema wird zum Teil sehr emotional diskutiert, was ich auch verstehen kann. Wir müssen das Thema Hallenwellenbad aber versuchen zu versachlichen. Der Klärungsprozess um einen Gutachter zu finden, hätte dazu beigetragen. Der sollte dann alle Fragen, die im Raum sind, klären.
Frage:
Frage: Zum Beispiel?
Kanning: : Zum Beispiel, ob wir wirklich beide Bäder in Horumersiel und Hooksiel brauchen oder ob nicht ein Neues in der Mitte reicht. Oder was würde es bedeuten, dem Wellenbad nur einen neuen Anstrich zu verpassen oder durch eine Rutsche etwas aufzuwerten. Es sollte um verschiedene Abstufungen gehen, die der Gutachter auch unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte untersucht einerseits, andererseits aber auch verbunden mit der Fragestellung: Was wollen die Gäste überhaupt?

Unabhängige Bürger- und Gästebefragung ist wichtig

Frage: Die Bürgerinitiative sowie der Pächter sind nach einer eigenen durchgeführten Umfrage und nach Feedback, das sie bekommen, der Überzeugung, das Bad ist gewollt.
Kanning: : Wir haben über 330.000 Gäste im Wangerland. Ich glaube, dass diese Überzeugung auch viel mit Bauchgefühl zu tun hat. Ich möchte niemanden anzweifeln, aber gefühlt 1000 Leute geben natürlich keine Stimmungslage wieder. Wenn ich unter meinen Leuten fragen würde, würde ich vermutlich ein ganz anderes Ergebnis bekommen. Darum ist es wichtig, dass wir eine unabhängige und repräsentative Bürger- und Gästebefragung durchführen. Die hätte es mit einem Gutachter geben können.

Frage: Die Bürgerinitiative argumentiert, man dürfe das Bad nicht nur für sich allein betrachten, sondern müsste es im Zusammenhang mit dem gesamten Tourismus sehen. Also welche Bedeutung es auch für Arbeitgeber hat, die vom Tourismus leben. Ist das für Sie nachvollziehbar?
Kanning: : Das ist absolut nachvollziehbar. Aber auch da sind wir im Bereich des Bauchgefühls. Das muss man direkt hinterfragen. Was wären die Auswirkungen einer Schließung? Und mit Bestimmtheit kann ich das nicht beantworten, und ich kann mir vorstellen, die BI auch nicht. Da brauchen wir professionelle Hilfe.
Frage: Die Chance auf diese Hilfe ist nach dem Aus des Runden Tisches erstmal vertan. Wie soll es jetzt weitergehen?
Kanning: : Es hilft uns nichts, wenn wir jetzt weitere drei oder vier Jahre ins Land ziehen lassen. Darum werde ich noch mal mit meinen Gesellschaftern sprechen. Ich fände es schade, wenn wir mit der BI keine Gespräche mehr führen würden. Denn eigentlich liegt die BI durch ihr Bürgerbegehren mit der Gemeinde im Streit. Wir als WTG stehen immer etwas dazwischen. Und wir haben ja auch noch viel mehr Aufgaben zu bewältigen.

Erhalt des Bads würde durch Personalmangel erschwert werden

Frage: Die da wären?
Kanning: : Die Technik des Bades. Diese ist zwar noch von guter Struktur, aber auch nicht mehr von Dauer. Da müssen wir uns nichts vormachen. Wir wissen aus anderen Bereichen, dass neue Technik mit alter nicht gerne verbaut wird. Und wir haben ein dringendes Personalproblem. Wir finden einfach keine Fachkräfte.
Frage:
Frage: Sie meinen Fachangestellte für den Bäderbetrieb.
Kanning: : Richtig. Denn es nützt uns gar nichts, wenn wir das Hallenwellenbad erhalten und vielleicht sogar modernisieren und wir es dann wegen Personalmangels trotzdem früher schließen müssen, wie es ja jetzt schon der Fall ist. Damit wäre der Gast auch nicht zufrieden. Das wird in der Diskussion oft vergessen. Was ich auch verstehen kann. Aber wir müssen eben mal alle Probleme auf den Tisch bringen. Das Engagement der BI und auch des Gewerbevereins ist toll und gut. Aber zusätzliche Aktionen im Bad bringen uns keinen großen Schritt weiter.
Frage: Das Bad ist doch im Eigentum der WTG. Warum können Sie es nicht einfach verkaufen?
Kanning: : Rein theoretisch könnten wir es. Aber es ist natürlich auch ein politisches Thema. Das wirft uns die BI ja durchaus auch zu Recht vor, dass der Rat dadurch auf uns einwirken kann, dass die Fraktionsvertreter meine Gesellschafter sind. Das ist de facto so. Und würde ich im Rat sitzen, würde ich mir die Entscheidung bestimmt auch nicht so leicht machen.

Es ist Aufgabe des Investors, über sein Vorhaben zu informieren

Frage: Kommen wir zum Thema Gästehaus. Seit 2013 gibt es vom Rat den Beschluss, das Gebäude zu verkaufen. Ein Investor steht anscheinend bereit. Nun ist zu hören, die Gesprächen stünden vor dem Abschluss, was die BI bewogen hat, ein zweites Bürgerbegehren für den Erhalt auf den Weg zu bringen.
Kanning: : Die Frage ist immer, was bedeutet kurz vor dem Abschluss? Wir sind in guten Gesprächen und Verhandlungen, die bislang noch nie so weit gekommen sind, wie in den Jahren zuvor. Insofern sind wir kurz davor. Aber das sehe ich noch nicht, das kann noch Monate dauern.
Frage:
Frage: Bislang ist über den Investor noch nichts bekannt. Auch das sorgt durchaus für Kritik. Wäre es für die Transparenz nicht besser, der Öffentlichkeit mitzuteilen, was dort geplant ist. Das würde eventuell ja auch Ängste nehmen?
Kanning: : Das könnte man machen, aber das ist nicht meine Aufgabe und auch nicht die Aufgabe der Gemeinde. Die WTG verkauft an einen Investor, der das Gelände weiter entwickeln möchte. Somit ist es auch seine Aufgabe, über sein Vorhaben zu informieren. Ich kann ihn zwar darauf hinweisen, dass es hier eine Gemütslage gibt, die man durch Offenlegung beruhigen könnte, aber das möchte das Unternehmen, bei dem es sich um eine Aktiengesellschaft handelt, einfach noch nicht.
Frage: : Wenn man sich den Bebauungsplan von 1990 ansieht und auch die Raumordnung für Hooksiel, so ist dort eindeutig festgelegt, dass dieses Areal der Ruhe und der Erholung vorbehalten ist. Können Sie die Kritiker zumindest soweit beruhigen, dass kein Projekt entsteht, das dem nicht entspricht?
Kanning: : Der Investor hat ein großes Interesse daran, dass der Ort daran partizipiert, also etwas davon hat. Er möchte dort keine Enklave schaffen, sondern den Standort weiter entwickeln. So wie es jetzt ist, reicht es nicht aus. Aber das muss alles im öffentlichen Interesse passieren.

Bürgerbegehren hätte verheerende Signalwirkung

Frage:
Frage: Aber dann wäre doch gerade eine frühzeitige Offenlegung der Planung wichtig.
Kanning: : Das liegt in der Entscheidung des Investors. Ich kenne dessen interne Abläufe nicht.

Frage: Nun gibt es gegen den Verkauf des Gästehauses ein Bürgerbegehren. Was bedeutet das für Ihre Verhandlungen mit dem Investor?
Kanning: : Wir müssten die Verhandlungen einstellen. Das hätte natürlich eine verheerende Signalwirkung nach außen. Es würde nämlich zeigen, dass wir nicht in der Lage sind, Verhandlungen zu führen, weil wir nicht wissen, was die Öffentlichkeit sagt. Und das ist auch nicht im Sinne der Demokratie. Dafür haben die Bürger ihre Vertreter im Rat gewählt.
Frage: Wie kann man diese gesamte Situation entschärfen? Da ist ja nun wirklich viel Emotion mit im Spiel.
Kanning: : Das ist mit Sicherheit so. Wir waren bezüglich des Hallenwellenbades und einem gemeinsamen Gutachter auch auf einem guten Weg, bis die Gästehaus-Karte ausgespielt wurde. Ich bin davon überzeugt, dass man auch darüber reden muss. Nur bitte getrennt von einander. Das ist von der BI nicht gewollt. Für das Gästehaus gibt es einen Ratsbeschluss, für das Bad nicht. Da ist noch alles offen. Und auch meine Gesellschafter haben signalisiert: Wir reden gerne mit Euch über das Hallenwellenbad. Aber dafür müsste die BI ein Stück zurückrudern.

Planungen zum Thalasso-Zentrum haben sich geändert

Frage: Stichwort Thalasso-Zentrum in Horumersiel. Wie ist da Stand der Dinge?
Kanning: : Wir sind da sehr guter Dinge, dass wir im Zeitplan bleiben. Bis 30. Juli 2022 müssen wir fertig sein, und das werden wir auch schaffen.
Frage: Ursprünglich sollte das Zentrum, das ja im alten Kurmittelhaus entstehen soll, 4,7 Millionen Euro kosten. Jetzt wird es doppelt so teuer. Woran liegt das?
Kanning: : Die ersten Planungen stammen aus 2016. Da hatten wir noch mit Appartements geplant. Das haben wir aber rausgenommen, da Unterkunftsanbieter befürchten, wir würden ihnen jetzt die Gäste wegnehmen. Stattdessen haben sie jetzt die Möglichkeit, Pakete zu schnüren, zum Beispiel ein Wohlfühlwochenende mit Wellness im Thalasso-Zentrum. Zudem haben wir neben dem Bewegungsbecken in der unteren Etage jetzt auch alle andere Räumlichkeiten mit geplant. Außerdem haben sich mittlerweile die Baukosten um bis zu 20 Prozent verteuert. Zusätzlich wird das Gebäude jetzt auch energetisch hergerichtet, mit neuem Dach, neuen Fenstern und einer Außendämmung.
Frage:
Frage: Kann so ein Projekt denn dann überhaupt noch wirtschaftlich sein, wenn sich die Baukosten verdoppeln?
Kanning: : Wenn es nicht wirtschaftlich wäre, würden weder die Gesellschafter, noch der Fördermittelgeber noch unser Finanzierer dieses Projekt bewilligen.

Hohe Nachfrage nach Kurangeboten


Frage: Mit dem Fördermittelgeber meinen Sie das Land.
Kanning: : Genau. Da haben wir zumindest schon mal ein positives Signal für unser Vorhaben erhalten.

Frage: Kritiker behaupten, das Kurmittelhaus habe damals auch den Gesundheitsaspekt beinhaltet, ist dann aber damit Pleite gegangen. Warum ist das jetzt mit einem neuen Thalasso-Zentrum anders?
Kanning: : Die Situation von damals zu heute hat sich drastisch verändert hat. Der zweite Gesundheitsmarkt ist gigantisch groß. Der Trend geht immer mehr dahin, dass unter anderem Unternehmen für ihre Mitarbeiter Gesundheitswochenenden und Kuren buchen wollen. Es ist eben nur nicht mehr über die Krankenkassen finanziert sondern jeder muss es selber bezahlen. Aber die Nachfrage ist da. Wir erfinden das Rad ja auch nicht neu. Wir sind ja nur Nachahmer von denen, bei denen es sehr gut läuft.

Sebastian UrbanczykFrieslandredaktion

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