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Lokal26.de Friesland Wangerland

Corona-Krise und Trump: Der Weg nach Hause wurde für Wangerländer Ehepaar zur Zitterpartie

27.03.2020

Wangerland /Puerto Rico Eigentlich sollte es nur die erneute Reise in die richtige Frühlingswärme sein, doch daraus wurde eher eine Art Abenteuerurlaub. Erst die Ungewissheit, ob wir überhaupt hinfliegen können und am Ende die Zitterpartie um die Heimkehr.

Schon viele Monate zuvor hatte ich mit meiner Frau den Trip nach Puerto Rico geplant, ein fernes aber eher unspektakuläres Ziel in der Karibik. Nun jedoch weitete sich seit Monaten die Coronavirus-Krise aus. Sie galt bis Ende Februar aber noch nicht als Pandemie und auch die Infiziertenzahlen in Deutschland waren noch überschaubar. Dennoch zitterten wir bis zum 29. Februar um unseren Flug, denn es war vermehrt von Einschränkungen des Flugbetriebs die Rede.

Entsprechend froh waren wir, als wir an dem Samstag in Frankfurt mit der Condor-Maschine zum Direktflug auf die zehn Flugstunden entfernte Insel abhoben. Unser Ziel war dort die Südküste, die landschaftlich schönere Seite der großen Insel, die noch mehr Sonnenstunden verheißt. Und wir erlebten die erste Enttäuschung, die auch mit einer Katastrophe zu tun hatte.

Historische Stadt Ponce war vom Erdbeben schwer getroffen worden

Die aber war lokal so begrenzt gewesen, dass es nur wenig aussagekräftige Nachrichten in europäischen Medien gegeben hatte: das Erdbeben im Januar vor der Küste im Bereich von Ponce. Diese schöne Jahrhunderte alte Stadt – etwa so groß wie Oldenburg – und ihre Umgebung hatten unseres Wissens nach nur leichtere Schäden abbekommen. Tatsächlich aber wurden Häuser und Straßen in der Region massiv in Mitleidenschaft gezogen.

Für uns persönlich war es besonders bitter, dass wegen der teils deutlich zu sehenden Schäden sämtliche Sehenswürdigkeiten bis auf das kleine aber sehr schnuckelige Feuerwehrmuseum „Parque de Bombas“ geschlossen waren. Darunter auch das berühmte Kunstmuseum mit über 4000 Werken international namhafter Künstler.

Auch ein Besuch des weiter im Inland gelegenen Städtchens Coamo, das für seine heißen Heilquellen – ein wahrhaft heilsames Badeerlebnis unter freiem Himmel – berühmt ist, war von einer enttäuschenden Erkenntnis begleitet. Wir hatten erwogen, unser Feriendomizil nach dort zu verlegen, doch die einzigen beiden Hotels dort waren geschlossen. Und auch hier war eine Katastrophe die Ursache, diesmal die weltweit bekannt gewordene durch den Hurricane „Maria“, der im September 2017 mit Stufe 4 von Nordosten her über die Insel gerast war.

Immer wieder begegneten sie den Folgen von Hurrican „Maria“

Mit dessen Folgen hatten wir dann auch weiterhin mehrfach zu tun, als wir nun nach einer Woche in die pulsierende Hauptstadt San Juan an der Nordküste umzogen. Schäden sahen wir hier keine und insbesondere die rund 500 Jahre alte Altstadt „Viejo San Juan“ (oder „Old San Juan“, seitdem Puerto Rico nach dem Amerikanisch-Spanischen Krieg von 1898 zum US-Außengebiet wurde) ist eine von Leben erfüllte Perle mit herrlichen Kolonialbauten, die zum Teil noch aus der Gründungszeit stammen.

Doch die Insel mit ihren fröhlich-freundlichen Menschen – die übrigens vorwiegend Spanisch sprechen und Englisch oft nur holpernd, obwohl beide Amtssprache sind – hat ja auch außerhalb der Metropole noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten zu bieten. Wie zum Beispiel die gigantischen Höhlen von Rio del Camuy oder der Regenwald-Nationalpark El Yunque.

Aber erneut begegneten wir den Folgen von Hurricane „Maria“: geschlossen wegen noch offener Reparaturarbeiten. Und das nach fast zweieinhalb Jahren! Was vermutlich weniger an der Saumseligkeit der Insulaner liegt, die schließlich in starkem Maße vom Tourismus leben. Aber ein gewisser Herr im Weißen Haus zögert bis heute die Auszahlung der zustehenden Hilfsmittel hinaus, stattdessen bezichtigte er die Gouverneurin, korrupt und unfähig zu sein.

US-Politik sorgt für Ungewissheit über den Rückflug

Dieser Herr sollte dann auch die restlichen Tage unseres Urlaubs unnötig spannend machen, wie wir auf dem Fernsehkanal CNN als quasi einziger seriöserer Informationsquelle verfolgen konnten. Nachdem der US-Präsident noch am 10. März alles verharmlost und dem Corona-Virus „keine Chance gegen uns“ gegeben hatte, da die USA besser und belastbarer dagegen aufgestellt seien als jede andere Nation, erfolgte am Donnerstag, dem 11. März, gewissermaßen ein Tritt auf die Notbremse.

Ohne Rücksprache mit internationalen Partnern und den Fluggesellschaften kündigte er für Freitag ab Mitternacht den Reisestopp für alle Passagiere aus der Zone des Schengen-Abkommens an, also für alle Bürger der EU.

Unser Flug aber war für Samstag, 14. März, um 16.40 Uhr terminiert. Während rundherum etliche Karibik-Inseln inzwischen deutschen Passagieren von Kreuzfahrtschiffen den Landgang verwehrten – wohlgemerkt ausschließlich den deutschen! - versuchten wir hektisch, Gewissheit über unseren Heimflug zu bekommen.

Flugzeug wurde über Umwege nach Puerto Rico geleitet

Internet und Hotelrezeption sagten Ja und so fuhren wir an diesem Samstag zum Airport. Die Anzeigetafeln zeigten Ankunft und vorgesehen Ankunftszeit von Flug DE 2103 an, aber es dauerte beunruhigend lange bis zum Boarding. Mit 95 Minuten Verspätung hoben wir endlich tatsächlich ab und erst auf Reiseflughöhe erklärte der Flugkapitän schließlich die besonderen Umstände.

Condor hatte am Morgen in Frankfurt wegen des Einreisestopps keine Starterlaubnis bekommen. Da hatte man kurzerhand eine Maschine „auf Umwegen“, nämlich über Mexiko, leer nach San Juan fliegen lassen. Wo es wegen dieser quasi illegalen Aktion erst einmal längere Verhandlungen gab, bevor man uns zum vorläufig letzten Flug DE 2102/2103 entfleuchen ließen.

Und in der Heimat? Wie zuvor in San Juan im (noch) virenfreien Puerto Rico war der Corona-Virus weder am Frankfurter noch am Bremer Flughafen in irgendeiner Form ein Thema. Nach Drogen wurde kurz gefragt und in Bremen nach Schmuggelware, ansonsten herrschte rundum gemütlicher Sonntagsfrieden.

Wolfgang A. NiemannFreie Mitarbeiterin

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