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Lokal26.de Nordsee Wangerooge

Ärger in Carolinensiel: Zum Umparken von Wangerooge extra ans Festland geflogen

09.04.2020

Wangerooge /Carolinensiel Kevin Keitner ist wütend: Weil sich Anwohner in Carolinensiel über sein geparktes Auto, das ein auswärtiges Kennzeichen hat, beschwert haben, ist er nun extra von Wangerooge ans Festland geflogen, um das Fahrzeug umzuparken. Andernfalls drohe ihm ein Bußgeld, soll man ihm mitgeteilt haben. Und das, obwohl er seinen ersten Wohnsitz auf Wangerooge hat.

Es ist erstaunlich, wie viele Einwohner sich derzeit an auswärtigen Kennzeichen stören. Gefragt, ob die Halter möglicherweise auch in der Region wohnen, wird meist gar nicht. Stattdessen wird auf die Touristen-Sperre an der Küste aufgrund der Coronakrise verwiesen. Vor allem im Wangerland hatte das schon für viel Ärger gesorgt. Auch die Stadt Jever wirkt dem nun entgegen und hat, wie das Wangerland zuvor auch schon, Bescheinigungen für diejenigen erstellt, die ihren ersten Wohnsitz in der Stadt gemeldet, aber ein fremdes Kennzeichen haben. Der Zettel soll dann, um für Klarheit zu sorgen, ins Auto hinter die Windschutzscheibe gelegt werden.

Kevin Keitner hat so einen Zettel nicht – den hat er bislang auch nie gebraucht. Jeweils für drei Monate im Jahr bekommt der 29-Jährige einen Firmenwagen, den er auch dieses Mal wieder in Carolinensiel abgestellt hat. „Allerdings nie in der Hauptsaison im Sommer“, betont Keitner. Doch kürzlich habe er einen Anruf von der Stadt Wittmund bekommen: Ihm drohe ein Bußgeld, sofern er sein Fahrzeug nicht umparke, sagt Keitner. Einwohner hatten sich über das am Seeburger Winkel geparkte Fahrzeug bei dem ehrenamtlichen Ortsvorsteher beschwert.

Firma meldet Kurzarbeit an

In einer E-Mail erläutert Keitner dem Ortsvorsteher die Situation. Er erklärt, dass er seinen ersten Wohnsitz auf der Insel hat. Und dass die Firma, von der er den Firmenwagen hat, nun Kurzarbeit angemeldet habe – deshalb sei er verfrüht auf die Insel zurückgekehrt. „Ich habe am örtlichen Supermarkt noch eingekauft und mein Fahrzeug dann in der Seitenstraße abgestellt, da ein Nachbar von der Insel mich mit zum Anleger genommen hat.“

In diesem Parkbereich gebe es kein Parkverbot. „Darauf habe ich beim Abstellen extra geachtet“, stellt Keitner auch dem Ortsvorsteher gegenüber klar. Nach einem Anruf der Stadt habe sich der Wangerooger zudem beim örtlichen Ordnungsamt und bei der Polizei rückversichert: „Auch die konnten mir keinerlei Begründung nennen, weshalb ich das Auto umparken soll.“

Hinzu komme: Um das Auto woanders hinzustellen, müsste er ja extra von der Insel ans Festland fahren bzw. fliegen – wodurch nicht nur Kosten entstünden, sondern auch ein Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren.

Der Ortsvorsteher antwortet Keitner, dass er den Fall an die Stadt Wittmund weitergeleitet habe. Die Zuständigkeit liege beim Landkreis, der Stadt und der Polizei – für ihn selbst sei der Fall erledigt.

Auch Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen hat dem Wangerooger eine E-Mail geschrieben. „Es bestand die Vermutung, dass der Halter sich in Carolinensiel aufhält und dort sein Fahrzeug geparkt habe“, heißt es seitens der Stadt. Keitner ist mitgeteilt worden, dass es „nicht nachbarschaftsfreundlich sei, wenn Bürger der Inselgemeinde Wangerooge in einer Carolinensieler Siedlung ein Fahrzeug über längere Zeit abstellen“. Dafür gebe es schließlich Inselparkplätze – die sind aber gebührenpflichtig.

Auto steht auf Inselparkplatz

Zudem heißt es, dass die Siedlungsstraße jetzt erst vom Erschließungsträger an die Stadt Wittmund übertragen wurde, mit der notwendigsten Beschilderung – „sodass förmlich das Parken dort nicht geahndet werden kann“. Derzeit würden die Verkehrsbehörde und die Stadt aber prüfen, ob dort weitergehende Parkbeschränkungen erforderlich seien. Heißt: Rechtlich gesehen dürfte das Fahrzeug dort stehen. Und dennoch wurde Keitner gebeten, das Fahrzeug umzuparken.

Auf Nachfrage sagt Wittmunds stellvertretender Bürgermeister Dietmar Müller, dass ein Bußgeld an dieser Stelle gar nicht rechtens sei. Nachdem klar war, dass er kein Tourist ist, sei der Wangerooger gebeten worden, das Fahrzeug umzustellen.

„Natürlich fallen auswärtige Kennzeichen derzeit besonders auf“, so Müller . Die Aufgabe der Stadt sei es dann, solche Fälle zu bewerten und aufzuklären. „Wir müssen irgendwo auch Regeln treffen. Für Insulaner gibt es nun mal den Inselparkplatz.“ Schwierig werde es, wenn auch andere Wangerooger nicht den extra für sie vorgesehenen Parkplatz nutzen und in den Siedlungen von Carolinensiel parken würden.

Kevin Keitner ist nun extra ans Festland gefahren, um sein Fahrzeug umzuparken. „Es hat mich alles in allem rund 50 Euro gekostet. Außerdem bin ich jetzt zwei Wochen in freiwilliger Quarantäne, um meine Mitinsulaner zu schützen.“ Immerhin habe er auf einer Strecke im Flugzeug mit sechs Personen dicht an dicht gesessen. Sein Auto steht jetzt auf dem Inselparkplatz – das kostet ihn zusätzlich 75 Euro im Monat.

Antje BrüggerhoffLokalredaktion

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