Medienhaus Brune|Mettcker
  • Anzeiger für Harlingerland
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Nordsee Wangerooge

Erinnerungen von Wangerooge: Aufregender Sommer im Hotel Fresena

24.12.2020

Wangerooge Jeder hatte irgendwann in seinem Leben den einen wunderbaren Sommer, an den er besonders gern zurückdenkt. Für Dagmar Klemm aus Jever ist es der Sommer 1956, als sie im Alter von 16 Jahren von April bis Oktober auf Wangerooge im Hotel Fresena als Zimmermädchen arbeitete. „Es gab viel Arbeit, aber es wurde eine unglaublich schöne Zeit“, erinnert sich die 80-Jährige. Im Hotel der Familie Haase wuchs sie nicht nur in das Team der Angestellten hinein, sondern durfte auch in die mondäne Welt des Insel- tourismus hineinschnuppern.

Ab 1950 war es auf der Insel mit dem Tourismus, der sich nach dem Kriegsende zunächst nur langsam erholt hatte, relativ schnell bergauf gegangen. Die Schiffe machten noch am Ostanleger fest, der später versandete. Von dort trafen die Gäste ein. Das Wirtschaftswunder machte es wieder möglich, Urlauber anzusprechen, die sich gern ein feines Hotel mit glanzvollen Gala-Abenden leisteten. Im Hotel Fresena, im Monopol und im Germania waren sie richtig. Stars gingen da ein und aus, populäre Schauspieler und Komiker sowie beliebte Sänger der Zeit: Wolfgang Sauer, Addi Münster oder Billy Mo. Tanzkapellen wie die „Vier Harmoniker“ und die „Peheiros“ garantierten gehobene Unterhaltung, und in feuchtfröhlichen Nächten ließ man es gepflegt krachen. Inselchronist und Zeitzeuge Hans-Jürgen Jürgens, mit dem sich Dagmar Klemm unlängst über das Hotel Fresena austauschte, erinnerte sich gut an die ausgelassenen Tischgesellschaften und deren Trinkspruch „Hoch die Tassen – in Afrika ist Muttertag!“, mit dem sie wohl ausdrücken wollten, dass es immer einen Anlass zum Feiern gibt.

In Hotels für kalte Speisen und Buffets verantwortlich

Im Hintergrund sorgte unter der Regie von Chefin Anni Haase eine ganze Schar von Zimmermädchen, Köchen und Servicepersonal dafür, dass alles ordentlich und elegant seinen Lauf nahm. Schlecht gekleidete Gäste waren ebenso undenkbar wie nachlässiges Personal. Anni Haase hatte alles im Griff. „Sie war eine liebe und verständnisvolle Frau“, erinnert sich Dagmar Klemm an die legendäre Gastronomin. „Ich war mit 16 Jahren das jüngste von fünf Zimmermädchen, das Küken, und alle haben mich verwöhnt“, fügt sie hinzu. Von einer Dame aus dem Rheinland, die mit ihren Enkeln für drei Wochen im Hotel gewesen sei, habe sie fünf Mark Trinkgeld bekommen, „da war ich verdattert“. Eine Sensation sei es gewesen, als es hieß, dass die Frau des Musikers Wolfgang Sauer einen echten Pettycoat im Zimmer habe. „Das war so neu, den haben wir uns heimlich angesehen“, gesteht Dagmar Klemm.

Das Bettenmachen und Putzen, das morgendliche Schrubben des Parketts – selbst mit netten Kolleginnen wäre es vielleicht doch irgendwann langweilig geworden. Aber im Hotel Fresena zu arbeiten, war ja viel mehr. Wenn auf den Zimmern nichts zu tun war, rief der Dienst in der Hotelküche, den Dagmar Klemm als lustig in Erinnerung hat. „Wir halfen beim Geschirrspülen und Abtrocknen und haben mit den Köchen und Küchenhilfen herumgealbert. Wer Lust hatte, konnte nachmittags der Kaltmamsell zur Hand gehen.“ Die Kaltmamsell war in Hotels für kalte Speisen und Buffets verantwortlich. Und auch in der Wäscherei gab es immer etwas zu tun. Eine weitere Aufgabe war die Garderobe, wenn Schlagerstars wie Mario Tuala ihren Auftritt hatten – den kennt kaum noch jemand, aber damals füllte er Konzertsäle.

Die Welt des Hotels Fresena gibt es nicht mehr, wie sich auch der Insel- und Bädertourismus allerorten gewandelt hat. Für Dagmar Klemm war der Sommer 1956 der Sommer ihres Lebens.

Christoph HinzLokalredaktion

Weitere Nachrichten:

Hotel Fresena