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Lokal26.de Nordsee Wangerooge

Handwerk an der Nordsee: So hält Inselbäcker Kruse seine Mitarbeiter

29.01.2020

Wangerooge Mike Kruse kann sich noch genau an seine eigene Ausbildungszeit erinnern: „Damals saßen wir mit 25 Auszubildenden in der Klasse – heute sind es meist nur noch fünf.“ Der Inselbäcker weiß, wie schwierig es für viele Betriebe ist, gute Fachkräfte zu finden. Und auf Wangerooge ist das noch mal eine ganz besondere Herausforderung.

Eigentlich kommt Kruse aus Sande, seine Ausbildung hat er bei einer Bäckerei in Cäciliengroden gemacht. Seit 2002 lebt er auf Wangerooge. Zunächst war er dort als Saisonarbeiter angestellt, 2007 hat er sich mit seiner Frau Andrea selbstständig gemacht und die Bäckerei ihrer Eltern übernommen.

Auf Wangerooge ist das aber so eine Sache, wenn man plötzlich selbst Mitarbeiter suchen muss: Dort ist nämlich nicht nur der Fachkräftemangel an sich zu spüren. „Das Leben und Arbeiten auf einer Insel ist einfach anders als am Festland. Das schreckt auch einige ab“, sagt Kruse. Darüber hinaus fällt die Arbeit in der kleinen Inselbäckerei umfangreicher aus. „In größeren Bäckereien ist die Arbeit spezifischer. Hier muss man alles machen: Backen, am Ofen stehen, Kuchen glasieren … Dafür muss man bereit sein.“

Andrea und Mike Kruse haben sich aber etwas einfallen lassen: Sie bieten ihren Mitarbeitern über der Bäckerei Personalwohnungen an. „Und die müssen so ausgestattet sein, dass man selbst auch gern dort wohnen würde“, findet Kruse. „Zudem bezahlen wir alle Überstunden.“ Vor allem im Sommer, wenn viele Touristen auf der Insel sind, wird auch mehr gearbeitet – und das müsse angerechnet werden.

Normalerweise hat die Bäckerei nach der Saison zwischen Januar und März geschlossen. Zum ersten Mal ist sie aber auch jetzt, Anfang des Jahres, geöffnet. Und das heißt: „Wir können zumindest zwei Mitarbeiter das ganze Jahr über beschäftigen – und nicht nur für eine Saison.“ Ein gutes Angebot für die Insel. Und das Fazit nach den ersten vier Wochen fällt ebenfalls positiv aus. „Wir müssen zwar erst sehen, wie sich das in den kommenden Wochen entwickelt. Aber wenn es weiterhin gut läuft, öffnen wir auch in Zukunft das ganze Jahr über“, sagt Kruse.

In der Saison sind vier Mitarbeiter in der Backstube im Einsatz, vorne im Laden noch mal sechs Verkäuferinnen. „Da die Arbeit für den Bäcker so vielseitig ist, achten wir meist darauf, dass gelernte Kräfte dabei sind. Im Verkauf stellen wir durchaus auch mal ungelernte Mitarbeiter ein.“ Sie werden dann allerdings nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern von Andrea Kruse angelernt – und mit viel Unterstützung an die Arbeit in der Inselbäckerei herangeführt. All das kommt offenbar gut an. Denn: Viele wollen gleich länger als eine Saison in der Bäckerei Kruse bleiben – so wie Natalia Szady, die nun schon sechs Jahre dabei ist. „Ein Bäcker kam auch mal aus dem Sauerland zu uns und wollte eigentlich nur für eine Saison auf der Insel arbeiten. Daraus wurden einige Jahre“, erinnert sich Kruse.

Ihm ist es wichtig, dass das Arbeitsklima stimmt. Alle müssen sich wohlfühlen. „So können wir gute Fachkräfte auch halten.“ Das eine oder andere Mal habe er von Angeboten aus Betrieben gehört, um Auszubildende gewinnen zu können – wie eine gesponserte Reise oder einen Führerschein. „Das sind natürlich nette Angebote. Aber ich finde: Jemand soll bei mir arbeiten, weil er wirklich Lust dazu hat – und nicht, weil er ein Angebot abstauben möchte.“

Deshalb sollten junge Menschen schon in der Schule an Berufe wie den des Bäckers herangeführt werden, meint Kruse. „Wenn genug informiert wird, kann man den Beruf schmackhaft machen. Damit müsste man aber schon früh anfangen.“ Damit sich bald wieder 25 und nicht nur fünf junge Menschen für eine Ausbildung in der Bäckerei entscheiden.

Antje BrüggerhoffLokalredaktion

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