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Lokal26.de Nordsee Wangerooge

Wangerooge entlang der Deichlinie nun optimal geschützt

02.12.2019

Wangerooge Am Ende war es ein kurzer Scherenschnitt durch rotes Band, der sechs Jahre Bauzeit zu einem erfolgreichen Abschluss brachte: Als der Niedersächsische Umweltminister Olaf Lies am Samstagmittag am Wangerooger Bahndeichschart den symbolischen letzten Akt vollzog, war von dem schweren Baugerät, das seit 2014 mit zum Bild der kleinen Insel gehörte, nichts mehr zu sehen.

Gemeinsam mit Professor Frank Thorenz, Leiter der für das Projekt zuständigen Betriebsstelle des Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Norden-Norderney, Landrat Sven Ambrosy, Inselbürgermeister Marcel Fangohr und weiteren geladenen Gästen hatte sich Lies ein Bild von den verstärkten Deichabschnitten gemacht. Auf einer Länge von 3,3 Kilometern waren Dorf- und Ostgrodendeich unter der Regie des NLWKN erhöht worden, um Sturmfluten auch in Zukunft erfolgreich abwehren zu können. Vervollständigt wurden die umfassenden Arbeiten in mehreren Bauabschnitten durch einen Neubau des Wangerooger Schöpfwerkes und des Deichschartes für die Inselbahn.

Sturmflutschutz für Wangerooge

„Mit Abschluss dieser umfassenden Küstenschutzmaßnahme hat der Sturmflutschutz für die Insel Wangerooge ein völlig neues Niveau erreicht“, betonte Lies. Dabei hatte der Umweltminister nicht allein den Schutz der Insel selbst im Sinn: Schließlich liege die dem Festland vorgelagerte Inselkette bei Sturmfluten in vorderster Front. „Die Inseln leisten insofern auch einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz der norddeutschen Festlandküste“, hob Lies hervor. Zugleich betonte der Minister die Notwendigkeit fortlaufender weiterer Investitionen: „Angesichts von Klimawandel und prognostiziertem Meeresspiegelanstieg ist klar: Küstenschutz wird eine Daueraufgabe bleiben – und wir werden auch nach Abschluss der aktuellen Arbeiten Strategien entwickeln müssen, wie wir die wichtige Küstenschutzfunktion der Insel für das Festland und auch den Küstenschutz auf den Inseln selbst langfristig sicherstellen können.“

Olaf Lies kündigte an, dass das Klimagesetz 2020 im Landtag verabschiedet werden soll. Somit sollen Klimaschutz und Klimafolgen in die Verfassung einbezogen werden. Um diese Aufgaben auch für die Zukunft wahrnehmen zu können, sei aber auch genügend Fachpersonal notwendig. Fachpersonal, das nicht nur projektbezogen, sondern langfristig für den Küstenschutz zur Verfügung steht, der in der Zukunft bedingt höchste Priorität haben muss. Die Investitionen, die allein in Niedersachsen in den kommenden 20 Jahren für Küstenschutz getätigt werden müssten, schätzen Experten auf 1,7 Milliarden Euro. Lies geht gar von bis zu zwei Milliarden Euro aus. „Hier ist dann auch der Bund gefordert, Niedersachsen allein wird diese Summen nicht stemmen können“, so Lies.

Professor Thorenz lobte die gute Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren: „Gemeinsam mit der Gemeinde, der Nationalparkverwaltung, den Verbänden und dem Landkreis Friesland ist es uns auf Wangerooge gelungen, einen Deichbau umzusetzen, der neben der Verbesserung des Küstenschutzes auch dem hohen Wert des Naturraums Wattenmeer Rechnung trägt.“

Deichbaustoffe: Transport vom Festland auf die Insel

Dabei hatten sich die Arbeiten auf der östlichsten der Ostfriesischen Inseln als logistisch herausfordernd dargestellt: Für den Transport der Deichbaustoffe vom Festland zur Insel war 2014, 2016 und 2018 unter anderem im Watt südlich von Wangerooge ein 1,5 Kilometer langer Sanddamm errichtet worden, der jeweils zweimal täglich durch die normale Flut überdeckt wurde. Nach Abschluss der Arbeiten musste dieser wieder zurückgebaut werden.

Im ersten von drei Bauabschnitten war bis Ende 2014 der östliche Teil des Ostgrodendeiches verstärkt und erhöht worden. Bis 2019 folgten zwei weitere Deichbauabschnitte sowie der Neubau des Schöpfwerkes und des Deichscharts für die Inselbahn und die Herstellung des Deichverteidigungsweges und des Weges auf der Deichkrone. Die insgesamt rund 3,3 Kilometer lange Deichstrecke hatte Fehlhöhen von bis zu 1,5 Metern und nur eine sehr schwache Kleiabdeckung.

Dankbar für die nun abgeschlossenen Arbeiten auf Wangerooge zeigten sich Frieslands Landrat Sven Ambrosy und Wangerooges Bürgermeister Marcel Fangohr. Ambrosy wünschte Umweltminister Olaf Lies viel Kraft bei den anstehenden Verhandlungen mit dem Bund. Bürgermeister Marcel Fangohr hob in seinem Grußwort hervor, dass der Tourismus auf Wangerooge historisch betrachtet erst durch den Küstenschutz möglich geworden und auch heute der Garant für dessen Bestand sei. Er wollte zwar die Feierstunde nicht trüben, musste jedoch auch festhalten, dass die Küstenschutzmaßnahme der Wasserstraßenverwaltung durch den Bund im Norden der Insel noch voraussichtlich drei bis vier Jahre andauern werde.

Alle Redner hoben hervor, dass beim Bau der abgeschlossenen Arbeiten der Naturschutz in dieser so hochsensiblen Umwelt optimal eingebunden war und die Inselbevölkerung nun zumindest was die Deichlinie anbelangt, optimal gesichert sei.

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