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Lokal26.de Nordsee Wangerooge

Wangerooge zwei Wochen ohne Arzt

21.11.2019

Wangerooge Der Insel Wangerooge stehen voraussichtlich zwei Wochen ohne medizinische Versorgung bevor. Das hat die Hausarztpraxis Wangerooge am Dienstagabend auf ihrer Facebookseite veröffentlicht. Inselarzt Dr. Frank Kortenhorn plant von Montag, 25. November, bis Montag, 9. Dezember, eine Auszeit. Eine Vertretung vor Ort gibt es nicht. Wer dennoch auf einen Arzt angewiesen ist, muss ans Festland.

Seit dem 1. Oktober führt Dr. Kortenhorn die Hausarztpraxis auf Wangerooge alleine und ist damit der einzige Hausarzt auf der Insel. Zum 30. September hatte sein Kollege, mit dem er bis dahin immer im wöchentlichen Wechsel gearbeitet hatte, aus Altersgründen aufgehört. Dr. Kortenhorn hatte bereits nach einem Nachfolger gesucht, jedoch keinen gefunden. Eine schnelle Lösung musste her. Um die hat sich die auch für Friesland zuständige Bezirksstelle Wilhelmshaven der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) gekümmert, die für die Besetzung des hausärztlichen Notdienstes verantwortlich ist.

Seitdem wurde die Praxis nach neun Tagen Dauerdienst von Dr. Frank Kortenhorn und seinem Team über ein verlängertes Wochenende für fünf Tage mit einem Vertretungsarzt sowie einer medizinischen Fachangestellten (MFA) vom Festland besetzt. Ein schwieriges Unterfangen, das bestätigte Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Wilhelmshaven, gestern auf

WOCHENBLATT
-Nachfrage. Zuletzt habe man unter anderem auf eine MFA aus Bremervörde zurückgreifen müssen, „weil wir hier vor Ort kaum mehr jemanden gefunden haben“, erklärte Scherbeitz.

Doch die stünde für die Abwesenheit von Dr. Frank Kortenhorn nicht zur Verfügung. Eine andere Vertretung konnte die KVN nicht finden. Die Konsequenz: Die Praxis bleibt geschlossen. „Im Grunde hat ein Arzt in solchen Fällen nur zwei Möglichkeiten“, erklärte Scherbeitz. „Entweder, er lässt sich durch einen anderen Arzt in seiner Praxis vertreten, oder er deckt, wenn das organisatorisch nicht möglich ist, die medizinische Versorgung mit Ärzten in der Nähe beziehungsweise mit der nächsterreichbaren Praxis ab.“

Das heißt: Da es keinen zweiten Arzt auf Wangerooge gibt oder eine Vertretung übernehmen kann, bleibt die Praxis zu. Die Patienten werden über einen Aushang über die Vertretungspraxen informiert, die sich im Fall von Wangerooge allerdings am Festland befinden – die nächsterreichbaren Praxen eben. Dr. Frank Kortenhorn verweist seine Patienten vom 25. November bis zum 9. Dezember vertretungsweise an Dr. Stefan Steudtner und Dr. Michael Benjes – beides Ärzte in Hohenkirchen. Auch rät die Hausarztpraxis den Patienten, die auf Medikamente vom Hausarzt angewiesen sind, „sich möglichst bis zum Wochenende mit ausreichend Medikamenten für diesen Zeitraum zu versorgen“. Denn von heute, 21. November, bis Sonntag, 24. November, werde voraussichtlich eine Vertretungsärztin samt MFA den kassenärztlichen Dienst sicherstellen.

„Es ist problematisch, dass wir nur einen Arzt auf der Insel haben“, weiß Helmut Scherbeitz, der Verständnis dafür hat, das sich Dr. Frank Kortenhorn eine zweiwöchige Auszeit nimmt. „Ein Arzt kann nicht sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr arbeiten.“ Bisher habe es mit der Vertretung gut geklappt, doch: „Eine Vertretung klappt immer nur so lange, wie man jemanden findet, der sie macht“, sagte Scherbeitz. „Wir haben es die ganze Zeit versucht, zu lösen, und bisher immer eine Möglichkeit gefunden. Doch diese Möglichkeit ist jetzt erschöpft.“

Ausgenommen von der Schließung der Arztpraxis ist der Rettungsdienst auf der Insel, denn für die notärztliche Versorgung ist der Landkreis Friesland zuständig. Und „solange die Hausarztpraxis nicht besetzt ist, steht für die Notfallrettung des Rettungsdienstes, auch rund um die Uhr, ein Notarzt (Dr. Hoppe) auf der Insel zur Verfügung“, teilte der Landkreis auf Nachfrage mit.

Die KVN werde aber „auch weiterhin versuchen, wenn möglich, Ärzte und medizinische Fachangestellte für eine Vertretung zu finden“, sagte Scherbeitz. Doch es sei „nicht ausgeschlossen, dass es auch in Zukunft immer mal wieder“ dazu kommt, dass die Praxis unbesetzt ist. „Die einzige mittelfristige Lösung ist ein zweiter Arzt, den wir dringend brauchen“, betonte Scherbeitz.

Es habe zwar einige Bewerber auf die vakante Stelle gegeben, die es sich am Ende aber doch anders überlegt hätten. „Inselarzt zu sein, ist eben was anderes, als Arzt auf dem Festland zu sein.“ Denn auf der Insel müsse sich der Hausarzt nicht nur alleine um die medizinische Versorgung kümmern, sondern auch um den hausärztlichen Notdienst. Während sich darin am Festland mehrere Ärzte in einem Verbund abwechseln, bleibt es auf der Insel an einem Arzt hängen, der in ständiger Dienstbereitschaft ist.

Die Inselgemeinde stellte gestern klar: „Dieser Zustand ist für die Bevölkerung nicht tragbar.“ Eine Vertretungsärztin stünde laut Gemeinde zur Verfügung, „doch scheitert dies an der Verfügbarkeit einer medizinischen Fachangestellten“. „Wir sind in Verhandlung mit Norderney und Borkum“, sagte Bürgermeister Marcel Fangohr auf Nachfrage. Dort gebe es mehr Praxen als auf Wangerooge und er hofft, dass die in der Wintersaison eine MFA abstellen können. Bis Redaktionsschluss hatte der Bürgermeister noch keine positive Rückmeldung. Jedoch bestehe „dringender Handlungsbedarf“, darum fordert die Gemeindeverwaltung die KVN auf, „uns bei einer Lösung für die kommenden zwei Wochen zu unterstützen“. Gleichwohl „haben wir bereits alle möglichen Kontakte genutzt und werden auch weiterhin nach medizinischem Personal und Vertretungsärzten suchen, um möglichst eine lückenlose Versorgung herzustellen“, sagte Fangohr und fügte hinzu: „Wir hoffen, dass wir noch bis zum Wochenende eine geeignete Lösung finden und bitten alle niedergelassenen Ärzte in der Umgebung, uns zu unterstützen.“

Ein Vertretungsarzt am Festland könne nicht die Lösung sein, denn: „Insulanern ist es nicht möglich, für jedes Rezept und jede Erkrankung einen Arztbesuch am Festland zu organisieren. Insbesondere für chronisch-kranke Patienten ist das keine Option. Die besondere Lage der Insel sollte berücksichtigt werden.“ Darum ruft Fangohr die Wangerooger, „die aufgrund einer ärztlichen Unterversorgung der Insel beunruhigt sind“ dazu auf, sich direkt mit den Verantwortlichen bei der KVN in Verbindung zu setzen, denn: „Wir müssen den Druck erhöhen und das geht nur gemeinsam.“

Dem Bürgermeister geht es vor allem um eine langfristige und zukunftsfähige Lösung, um auch künftig bei Abwesenheit von Dr. Kortenhorn gerüstet zu sein. Infrage kämen verschiedene Modelle, doch favorisiert wird ein zweiter Arzt, der fest auf der Insel bleibt. „Entweder mit bei Dr. Kortenhorn in der Praxis oder aber in einer eigenen Praxis“, erklärte Fang-ohr. Letztere würde die Gemeinde sogar vollausgestattet zur Verfügung stellen. Derzeit werde geprüft, ob die alte Grundschule dafür infrage käme und den nötigen Vorschriften entspreche, berichtete der Bürgermeister. Bereits jetzt bezuschussen sowohl Gemeinde als auch KVN die Übernachtungskosten der Vertretungsärztin und ihrer MFA.


  hausarztpraxis-wangerooge.de 

Anna GraalfsLokalredaktion

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