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Kommentar: SV Werder Bremen steht zu Kohfeldt und beweist damit Rückgrat

27.04.2021

Bremen Mit Stürmen aller Art kennt sich der Norddeutsche aus. Aber das, was seit Wochen in den digitalen Foren des SV Werder Bremen und um ihn herum los ist, kann durchaus aus veritabler Shitstorm bezeichnet werden, der über die Köpfe der sportlich Verantwortlichen des Bundesligisten hinwegfegt. Aufsichtsratsboss Marco Bode und Geschäftsführer Sport Frank Baumann werden dort deutliche, mitunter unflätige Worte entgegengeworfen. Niemand sollte sich so etwas durchlesen müssen – und die beiden Funktionäre haben das anscheinend auch nicht getan.

Spätestens nach dem desolaten 1:3 der Hanseaten beim 1. FC Union Berlin begannen die Mutmaßungen, Cheftrainer Florian Kohfeldt könnte Köpenick nicht mehr als Coach des negativtrendigen Clubs verlassen.

Zahlreiche Medien stimmten in den Kanon ein und forderten offen die Entlassung des 38-Jährigen, der noch in der Hauptstadt betont hatte, es gehe nur um Werder Bremen und dass er nicht weglaufen, sondern kämpfen werde. Wer die Arbeit des Fußball-Lehrers während dessen mittlerweile vier-jährigen Amtszeit verfolgt hat, weiß: Das ist kein leeres Versprechen.

Während im Oberhaus Übungsleiter zurzeit in großer Zahl von A nach B wechseln, hat sich Kohfeldt immer zu Werder bekannt – und das aufrichtig

In der vergangenen Saison schaffte er mit einer Mannschaft, die personell gar besser besetzt war als die gegenwärtige, den Klassenerhalt. Der Verein war am vorletzten Spieltag so gut wie abgestiegen und konnte rein gar nichts mehr aus eigener Kraft regeln. Das ist jetzt komplett anders – auch wenn der aktuelle Trend mehr Anlass zur Sorge als zur Hoffnung bietet.

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Sieben Niederlagen in Serie wären für jeden anderen Club in den ersten drei Profi-Ligen Deutschlands Anlass, den Coach zu schassen – außer in Freiburg vielleicht. Dieser Verein ist anders und Werder ist das auch.

Es wäre für Frank Baumann aufgrund des öffentlichen Drucks leichter gewesen, Florian Kohfeldt freizustellen. Er hat dem widerstanden und sich nicht von der öffentlichen Debatte treiben lassen. Dieses Verhalten zeigt Rückgrat und verdient Respekt. Während sich das sogenannte Trainer-Karussell an diesem Tag wieder heftig gedreht hat, handelt der SV Werder Bremen nicht impulsiv, sondern nach einer abwägenden Analyse. Anders als an allen anderen Standorten, außer in Freiburg, drang davon auch vor der Veröffentlichung durch den Verein nichts nach außen. Während im Oberhaus Übungsleiter zurzeit in großer Zahl von A nach B wechseln, hat sich Kohfeldt immer zu Werder bekannt – und das aufrichtig.

Bei aller berichtigten sportlichen Sorge um die Grün-Weißen ist diese Entscheidung wohltuend anders, weil die vermeintlichen Gesetzen dieses Geschäfts nicht gegolten haben.

Carsten ReimerOnlinereredaktion

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