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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Wittmund Wiesmoor

„Anwalt“ aus Wiesmoor fälschte Papiere

14.01.2020

Wiesmoor /Aurich Ein 33-jähriger Wiesmoorer mimte im vergangenen Jahr einen Rechtsanwalt – obwohl er sein Jurastudium schon vor zwölf Jahren abgebrochen hat. Das Amtsgericht Aurich verurteilte ihn deswegen wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Missbrauchs von Titeln zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 50 Euro.

Der Angeklagte hatte in Kiel Jura studiert, aber nach sieben Semestern das Handtuch geworfen. „Ich konnte meinen Eltern das nicht sagen, ich wollte sie nicht verletzten“, beteuerte der 33-Jährige. Weil ihm keine Ausreden mehr einfielen, als die Eltern immer wieder nach dem Examenszeugnis fragte, „bastelte“ er sich selbst eins mithilfe des Internets, so erzählte er.

Der Mann zog schließlich nach Wiesmoor. Eine Freundin der Lebensgefährtin pries ihn als Juristen bei einer Wiesmoorer Anwaltskanzlei an. „Ich habe niemandem etwas erzählt, nicht einmal meiner Lebensgefährtin“, sagte der 33-Jährige. Er hatte sein Jurastudium geschmissen, war dann aber ohne Abschluss für eine Kanzlei in Wiesmoor aktiv: Der 33-Jährige wurde zum Gespräch eingeladen und im Februar 2019 als Anwalt mit einem Bruttogehalt von 2500 Euro eingestellt. In Vertretung seines Chefs trat er als Anwalt vor dem Arbeitsgericht Emden und beim Amtsgericht Norden auf. Nur mit den für die Personalakte benötigten Unterlagen rückte er nicht gleich raus. Schließlich reichte er eine Kopie des von ihm selbst gefertigten Examenszeugnisses aus, in dem er sich selbst eine außergewöhnlich gute Note gegeben hatte. Auch die angeblich anwaltliche Zulassung der Anwaltskammer Berlin/Brandenburg fälschte er.

Sein Chef wurde aber misstrauisch, der Betrug flog auf. Eine Nachfrage bei der Anwaltskammer ergab, dass er dort nicht bekannt war. Misstrauisch war der Kanzleiinhaber, der den Angeklagten immer noch „sehr sympathisch“ findet, auch angesichts des Lebenslaufs. Darin hatte der Wiesmoorer behauptet, sein Referendariat beim Bundesnachrichtendienst absolviert zu haben. Die Sache flog ganz auf, als der Kanzleiinhaber mit dem Vater telefonierte. Der war es auch, der den Schaden, der der Kanzlei in Höhe von mehr als 8000 Euro entstanden ist, beglich. Die Richterin am Amtsgericht Aurich: „Wer so viel Kraft für Lügen aufbringt, hätte die Kraft besser in das Studium gesteckt.““->

Die Strafrichterin wies in ihrer Urteilsbegründung darauf hin, dass Anwälte als Organe der Rechtspflege eine besondere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben. Der Angeklagt will sein Jura-Studium nun doch noch abschließen. Die Richterin: „Sie müssen überlegen, ob das der richtige Weg ist, das Studium noch einmal aufzunehmen.“->

Martina RickenFreie Mitarbeiterin

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