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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Wittmund Wiesmoor

Mit Cornea-Help starteten 100 Menschen in ein neues Leben

15.01.2020

Wiesmoor Die Schätzungen waren vorsichtig. „Wenn wir im Jahr einen Patienten operieren, sind wir gut“, dachte sich Klaus Renken. Einem Menschen mehr Sehkraft und damit Lebensqualität zu schenken: Das wäre was, so die Überlegung. Das war im Jahr 2009. Renkens Erwartungen wurden weit übertroffen. Mit seinem Verein Cornea-Help hat der Wiesmoorer in Afrika bislang 104 Hornhaut-Transplantationen finanziert. „Wir sind mächtig stolz“, sagt der 76-Jährige.

Renken hat 40 Jahre in Afrika gearbeitet. Der Techniker war für Thyssen-Krupp in Liberia. Er war einer von mehr als 1000 Mitarbeitern rund um eine Eisenerzmine. Acht Millionen Tonnen Eisenerz wurden dort zutage befördert, erst nach Rotterdam und dann weiter nach Deutschland verschifft. Später arbeitete der gebürtige Wiesmoorer bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit. Guinea, Sierra Leone, Kenia, Südsudan: Renken hat viel von West- und Ostafrika gesehen. Er lernte Land und Leute kennen. Es sind Erfahrungen, von denen er als Vorstandsvorsitzender von Cornea-Help zehrt.

Während seiner Zeit in Afrika hatte Renken so etwas, was man Schlüsselerlebnis nennt. Ein Mitarbeiter in Liberia hatte Probleme mit den Augen, konnte nicht richtig sehen. „Aus Angst, entlassen zu werden, hat er das aber nicht zugegeben“, erinnert sich Renken. Der Deutsche wollte nicht tatenlos zusehen. Er vermittelte den Kollegen an einen Arzt. Doch in Afrika, so die Aussage, könnte man dem Mitarbeiter nicht helfen. Es fehlte die Infrastruktur und die Ärzte mit den nötigen Kenntnissen. „Ich habe lange überlegt“, sagt Renken. Von der deutschen Blindenhilfe erhielt et er den Tipp, es in Indien zu versuchen. Zusammen sind Renken und der Mitarbeiter nach Indien geflogen. Das nötige Geld für die Operation stellte der Lions Club Wiesmoor zur Verfügung. „Auf dem Rückflug ist mir den die Idee gekommen, einen Verein zu gründen.“ Das war im Jahr 2008, ein Jahr später war Cornea-Help – nach eigenen Angaben der einzige Verein weltweit, der sich für Hornhauttransplantationen einsetzt – offiziell.

Seitdem ist viel passiert. Klaus Renken erzählt von großer Unterstützung, von vielen Spendern und 118 Mitgliedern. „Wir bekommen aus Ostfriesland viel Hilfe“, sagt er stolz. Menschen aus der Region ermöglichen Menschen in Afrika mehr Lebensqualität, manchmal sogar ein komplett anderes Leben. „Wenn man in Afrika blind ist, wird man schnell ins Abseits gestoßen“, erklärt der Techniker. Diese Menschen wieder mitten ins Leben zu holen, sei etwas Wunderbares.

Einladung zur Hochzeit

Renken erinnert sich an die Geschichte eines Patienten. Nach der Operation kann er wieder sehen, ein normales Leben führen. Im August war Renken auf der Hochzeit des Mannes. Dieser war dankbar für die Unterstützung und plante seine Feier so, dass der Wiesmoorer auf jeden Fall dabei sein konnte. „Dann sieht man wieder, wie ein Mensch sein Leben verändert hat. Das baut einen auf und ermutigt uns, weiterzumachen und noch mehr Menschen zu helfen.“

Klaus Renken war bei mehr als 30 Operationen dabei. Ein Arzt in Kenia scherzte einst, der Wiesmoorer könnte sein Assistent werden. Aber so einfach ist es nicht. Die Hornhaut-Transplantationen bedeuten Millimeterarbeit. Die gespendeten Augen kommen aus den USA. Cornea-Help arbeitet mit der amerikanischen Augenbank zusammen. In einem Kühlpack wird die Hornhaut nach Afrika geflogen. In der Klinik wartet bereits der Augenpatient. Die Hornhaut wird vor Ort passgenau ausgestanzt, eingesetzt und vernäht. 16 Stiche sind notwendig. Cornea-Help kümmert sich um die Finanzierung. Die Hilfsorganisation zahlt an die Augenbank und übernimmt die Kosten im Krankenhaus. 2000 US-Dollar (umgerechnet 1798 Euro) werden pro Operation fällig. „Bei uns fließt darüber hinaus kein Geld“, betont Klaus Renken. Das sei das Gute. So würde sichergestellt, dass die Spenden dort ankommen, wo sie benötigt werden. Kein Geld versickere.

Täglich Nachrichten

Von dem Erfolg seines Einsatzes kann sich der Wiesmoorer fast täglich überzeugen. Er bekommt Nachrichten über WhatsApp und per E-Mail. Die Patienten sind nach der OP dankbar. „Sie fragen immer, wann ich das nächste Mal in Afrika bin“, berichtet der 76-Jährige. Auf dieser Frage kann er jetzt ganz konkret antworten. In zwei Monaten geht es nach Kenia und Ruanda. An diesem Wochenende steht für ihn und seine Frau Sigrid eine andere Reise an. Sie geht zwar nur bis nach Hannover, ist aber immens wichtig. Im Schloss Herrenhausen lädt die Europäische Augenbank Ärzte und Wissenschaftler zur Jahrestagung ein. Die Renkens werden Samstag dabei sein. Auch John Nkurikiye aus Ruanda wird berichten. Der Mediziner arbeitet mit Cornea-Help zusammen. Alle drei hoffen auf neue Kontakte und Unterstützer – damit die Hilfe weitergeht.


     www.cornea-help.de 

Anke LaumannLokalredaktion

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