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Lokal26.de Ostfriesland Landkreis Wittmund Wiesmoor

Auf dem Tierschutzhof können Schwein und Ziege sorglos leben

16.01.2020

Wiesmoor Minischwein Rosalie wühlt auf der großen Wiese vor dem Haus im Matsch herum. Mit Artgenosse und Kumpel Anton hat sie viel Platz, um sich draußen auf dem Feld frei zu bewegen. Weit hinten ist vor den braunen und grünen Büschen etwas Hellbraunes zu erahnen: Das könnte Gefieder sein. Kaum entdeckt, schon sind die Hühner wieder verschwunden. Währenddessen schnattern die Enten laut und wuseln umher, ehe sie den gepflasterten Weg verlassen und ins Wasser hüpfen.

Der Weg zum Haus und Hof ist nun frei zugänglich. Aber dann macht sich mit lautem Gebell ein Hund bemerkbar. Langsam, aber mit großen Schritten, pirscht er heran. „Mali, komm her“, ruft eine Frauenstimme. Dann hält die große, stattliche Hündin Mali mit dem dunkelbraunen Fell inne. Auch wenn ihr Bellen abschrecken kann: Ihre Besitzerin Jenny Conrad kennt Mali gut genug. „Sie ist ängstlich und verhält sich wie ein Welpe“, sagt Conrad, während sie den zweijährigen Doggen-Mischling streichelt.

Kinder lernen mit Tieren

Aufmerksamkeit, Zuneigung und Streicheleinheiten: Das gefällt vielen der Vierbeiner auf dem Hof „Kleine Streuner“ von Jenny Conrad in Wiesmoor. Die Tiere wurden gerettet: vor der Schlachtung, auf Anfrage des Veterinäramtes oder weil ihre ehemaligen Besitzer sie nicht mehr behalten konnten oder wollten.

2008 kam die Tierfreundin von Nordrhein-Westfalen nach Ostfriesland, Ende 2010 übernahm sie den Hof an der Luisenwieke II. Die 36-Jährige beherbergt nahe des Moores rund 160 Tiere verschiedener Arten. Kühe, Schweine, Ziegen, Schafe, Pferde, Ponys, Gänse, Enten, Hühner, Katzen und Hunde haben bei ihr und ihrem Lebensgefährten ein neues Zuhause gefunden, in dem sie sorglos und angstfrei leben dürfen.

Alex und Kuddel sind zwei der Neuzugänge. Die beiden Kaninchen verstehen sich gut und wohnen seit kurzem zusammen. Inzwischen sind sie kastriert. Alex lebte als Hauskaninchen ohne Artgenossen in einem Käfig. „Kuddel war ein Schlachtkaninchen“, erzählt Jenny Conrad. Sie schenkte ihm ein neues Leben. So hat jedes Tier seine eigene Geschichte – Kuh Hanna, als Kalb vor dem Schlachthof bewahrt, die wilde Katzenfamilie mit den kleinen Kätzchen und die Hundedamen Kimba und Vicky aus Rumänien. Wenn Jenny Conrad erzählt, kommen die Emotionen. „Wenn sich jeder fragt ,Möchte ich dem Tier bis ans Lebensende ein Freund sein?’, ist das ein erster Schritt“, wünscht sie sich. Jedes Tier brauche einen sauberen Platz und eine artgerechte Haltung. Jenny Conrad  kann mit „falsch verstandener Tierliebe“ wenig anfangen. Bereits Kindern möchte sie zeigen, dass Tiere kein Spielzeug, sondern Lebewesen mit Gefühlen sind. Es gehe um Empathie und Verantwortungsbewusstsein. „Ich möchte Kindern zeigen, wie sie respektvoll mit Tieren umgehen können“, sagt sie. Als qualifizierte Tagesmutter nimmt sie Kinder zur Betreuung auf. Wer Interesse hat, darf sich gerne bei ihr melden. Zuvor hat sie als Lkw-Fahrerin gearbeitet. Den Beruf kann sie jedoch aufgrund von Rückenproblemen nicht mehr ausüben.

Das nächste große Projekt ist der Aus- und Umbau des Stalls. „Wir brauchen einen größeren und mehr Platz“, sagt die Tierschützerin. Sie ist dankbar für jede helfende Hand und Baumaterial. Conrad freut sich sehr über die Helfer, die sie bereits beim Bau unterstützt haben. Denn schon seit längerem macht ihnen das nasse Wetter zu schaffen: Die Erde ist matschig, alles versinkt im Schlamm. Sobald es trockener ist, soll der Bau weitergehen. Conrad und ihr Lebensgefährte finanzieren den Hof aus Privatmitteln und Spenden. Um das alles zu stemmen, ist Unterstützung immer willkommen. Auch Patenschaften für die Tiere dürfen übernommen werden. Einige gibt es bereits. Ob Geld-, Sach- oder Futterspenden: „Jeder darf soviel geben, wie er kann und möchte“, sagt sie. Auch Gruppen und Schulklassen dürfen den Hof besuchen.

Paten und Hühnerretter

Eine süße und flauschige Überraschung gab es zwischen Weihnachten und Neujahr: Warzenente Gina bekam Nachwuchs. Die Küken toben inzwischen putzmunter mit ihrer Mama herum. Im Offenstall macht es sich Schaf Elli gemütlich. Sie und die anderen dürfen raus und rein, wann sie möchten. „Für mehr Tiere haben wir im Moment Aufnahmestopp“, sagt Jenny Conrad, deren Engagement weitergeht: Sie ist Mitglied der Gruppe „Ostfriesland gegen Tierleid“ und setzt sich im Verein „Stark für Tiere“ ein. „Anfang Januar haben wir 520 Legehennen aus einem Stall geholt“, erzählt sie.

Die Hennen, knapp ein Jahr alt, würden in dem Alter bereits aussortiert und zum Schlachter gebracht werden, weil sie nicht mehr genügend Eier legen. Dieses Schicksal haben die Tierfreunde den Hennen erspart und sie an Menschen vermittelt, bei denen die Hühner ein neues Zuhause gefunden haben.

Die nächste Hühnerrettung steht im Mai an. Dann macht sich Jenny Conrad mit anderen Tierschützern auf nach Nordrhein-Westfalen, um Elterntiere abzuholen. Mehr als 2000 Hennen und 200 Hähne suchen dann ein neues Zuhause. Wer Hühner aufnehmen möchte, meldet sich unter team-friesland@stark-fuer-tiere.de. Jenny Conrad und der Tierschutzhof „Kleine Streuner“ sind auf Facebook und Instagram zu finden.

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