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Intensivstation im Klinikum: Die„künstliche Lunge“ kann Leben retten

27.03.2020

Wilhelmshaven Wilhelmshaven ist in der intensivmedizinischen Versorgung gut aufgestellt. Auch und gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise. „Eine Covid 19-Erkrankung ist im Kern eine virale Lungenentzündung, die wir auch schon vor Covid 19-Zeiten jeden Winter in großer Anzahl behandelt haben“, sagt Prof. Dr. Kai Goldmann, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Notfallmedizin und Operative Intensivmedizin, Zentrum für Notfallmedizin und Schmerztherapie, am Klinikum Wilhelmshaven. Besonders auf die Behandlung von sehr schweren Lungenerkrankungen sei die Klinik sehr gut vorbereitet.

Ein Alleinstellungsmerkmal für die gesamte Region habe das Klinikum mit seinen zwei ECMO-Behandlungsplätzen. ECMO steht für „extrakorporale Membranoxygenierung“, ein High-Tech-Verfahren, das landläufig auch „künstliche Lunge“ genannt wird. Covid 19-Patienten, die an schwerem Lungenversagen leiden, können mit den Gerätschaften so lange versorgt werden, bis sich ihr durch das Virus geschädigte Lungengewebe erholt hat und sie wieder selber atmen oder zumindest konventionell beatmet werden können. „Wir erkaufen damit dem Patienten die notwendige Zeit, die es zur Ausheilung bedarf“.

Behandlungsplätze ermöglichen maximal-invasive Behandlung

Die „künstlichen Lungen“ gibt es seit 2017 am Klinikum. Seinerzeit habe man die ECMO-Behandlungsplätze bewusst nach Wilhelmshaven geholt, um in diesem Bereich eine maximal-invasive Behandlung vor Ort zu ermöglichen. Goldmann: „Früher mussten so schwer lungenkranke Patienten an Universitätskliniken verlegt werden.“

In den vergangenen Jahren hätten Ärzte und Intensivpflegekräfte viel Erfahrung mit der ECMO gesammelt, denn auch eine schwere Grippe (Influenza A/B) könne zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen führen. Diese Expertise soll jetzt im Kampf gegen Corona helfen – und zwar landesweit. „Neben weiteren Beatmungsgeräten haben wir bei der bundesweiten Abfrage der benötigten Beatmungsgeräte auch um die Zuteilung von zwei weiteren ECMO-Geräten gebeten“, schildert Goldmann. „Die Plätze sind bei der landesweit für die Verlegung von Intensivpatienten zuständigen Regionsleitstelle Hannover gelistet – bei Bedarf könnten wir neben Patienten aus unserer Region auch Betroffene aus schwer betroffenen Regionen, wie zum Beispiel Hannover, behandeln.“

Potenziell verfügt Wilhelmshaven über bis zu 36 Beatmungsplätze

Bei der regionalen Patientenversorgung arbeite man seit langer Zeit schon eng mit den Nachbarkrankenhäusern in Sanderbusch und Wittmund zusammen. Derzeit gibt es im Klinikum 24 Intensivbetten. Zwölf weitere wären kurzfristig verfügbar. Insgesamt verfüge man somit potenziell über bis zu 36 Beatmungsplätze, darunter zwei, künftig vier mit „künstlicher Lunge“.

Bei schweren Lungenentzündungen mit größeren Gewebeschäden ist der Gasaustausch (Sauerstoff rein, Kohlendioxid raus) in der Lunge beeinträchtigt. Bei der herkömmlichen künstlichen Beatmung wird Sauerstoff mit einem Beatmungsgerät mit Überdruck in die Lunge gepresst, was aber, so Goldmann, zu Schäden führen kann. Mit Hilfe der ECMO hingegen wird das sauerstoffarme Blut aus dem Körper in die Maschine geleitet, in der es mit Sauerstoff angereicht und dann in die Arterien zurückgeleitet wird – ohne Anstrengung für den Patienten.

Aktuell, so berichtet Goldmann, versorge man lediglich zwei leichte Covid 19-Fälle. Aber das kann sich je nach Verlauf der Erkrankungszahlen schnell ändern. „Wir sind jedenfalls bestens vorbereitet“, beteuert der Chefarzt. „Ärzte und Pflegekräfte sind kompetent und hoch motiviert. Und wir hatten Glück. Erst Anfang des Jahres hat das Gesundheitsamt alle Verfahrensabläufe bei uns überprüft. Das war eine gute Generalprobe. Dazu gehörten auch Testläufe mit der Feuerwehr für die separierte Anlieferung von Patienten.“

Gerd AbeldtChefredakteur

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