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Lokal26.de Wilhelmshaven

Erste Camper in Wilhelmshaven: Keine Brötchen, aber endlich wieder die große Freiheit

30.05.2020

Es war 0.01 Uhr am 11. Mai, als ein Wohnmobil aus dem Schwarzwald auf den Wohnmobilstellplatz auf der Schleuseninsel rollte. Darin saßen Petra und Alfred Preissner aus Rheinfeld im Kreis Lörrach. Sie kommen schon lange regelmäßig nach Wilhelmshaven und hatten ihren Stellplatz eigentlich schon für März gebucht. Dieser Plan wurde dann durch die Corona-Pandemie durchkreuzt.

Das Paar hielt Kontakt zu Rainer Sauerborn, ebenfalls Camper und auf dem Stellplatz als Vertreter des Pächters Werner Hannecken bekannt. „Als wir gehört haben, dass wir wieder kommen dürfen, mussten wir nur noch einsteigen und losfahren“, sagt Petra Preissner. Fertig gepackt war alles schon längst.

Auch Rainer Sauerborn aus Peine hatte sich die Campingsaison in diesem Jahr anders vorgestellt. Er verbringt mehrere Monate im Jahr auf der Schleuseninsel. Auch Anfang März war er bereits da, als es nach wenigen Tagen schon wieder unfreiwilligerweise hieß: Packen und zurück nach Hause fahren.

Inzwischen ist die Schleuseninsel wieder ausgebucht. Einen Platz bekommt nur, wer vorher reserviert hat. Und selbst dann kann es schwierig werden. Denn dort, wo der Platz sonst für 40 Wohnmobile reicht, dürfen jetzt nur 18 Wagen stehen. Der Grund: der Infektionsschutz in der Corona-Krise.

Durch die breiten Stellplätze wäre der Abstand eigentlich gesichert

Rainer Sauerborn und auch andere Camper auf dem Platz halten das für übertrieben. Immerhin seien die Stellplätze sechs Meter breit, wenn jeder ganz am Rand parken und nur auf einer Seite seines Gefährts Tische und Stühle aufstellen würde, sei der Mindestabstand mehr als gewahrt. „Und da ist ja auch noch das Mobil dazwischen“, sagt Sauerborn. Doch es nützt nichts. Die Vorschriften sind einzuhalten.

Unter diesen Umständen sei es jedoch kein Wunder, dass viele schwarz campen würden, meint Sauerborn. „Sonst sind ja jetzt schon Tausende unterwegs ins Ausland. Wo sollen die denn alle hin?“, gibt er zu bedenken.

Am Himmelfahrtswochenende konnte man das auch im Wangerland sowie in Wilhelmshaven beobachten. Am Strand von Schillig und Hooksiel und auf dem Fliegerdeich parkten viel mehr Wohnmobile als zurzeit erlaubt. Ähnliches steht für das jetzige Pfingstwochenende zu befürchten.

Um den Infektionsschutz zu wahren, ist auf der Schleuseninsel auch die Entsorgungsstation für „Fremdcamper“ nicht geöffnet. Ein großes Schild weist schon an der Zufahrt von der Schleusenstraße aus darauf hin. Auf dem Stellplatz dürfen außerdem nur Mobile stehen, die vollkommen autark sind – so sieht es die Landesverordnung vor. Genutzt werden muss die bordeigene Toilette sowie die Dusche im Wohnmobil. Sanitärhäuser sind geschlossen.

Auf dem Stellplatz ist von der Pandemie fast nichts zu spüren

Und auch der sonst von den Gästen sehr geschätzte Brötchen- und Getränkeservice auf der Schleuseninsel fällt aus. „Wer morgens seine Brötchen möchte, muss sich jetzt eben aufs Rad setzen und sich selbst welche holen“, sagt Sauerborn. Wenn neue Camper kommen, wickelt er die Anmeldung draußen ab, nicht wie sonst in einem zu diesem Zweck aufgestellten Gartenhäuschen.

Das sei dann aber auch schon der größte Unterschied zu normalen Zeiten. Auf dem Wohnmobilstellplatz ist – abgesehen davon, dass weniger Menschen da sind – von der Corona-Pandemie ansonsten nichts zu spüren. Es ist ruhig – außer wenn Camper und Stammgast Peter Fey gerade mit dem Freischneider über den Platz geht und für saubere Beete sorgt, so wie jetzt. Oder wenn Hündin „Aila“ deutlich machen will, wer hier das Sagen hat. „Aila ist hier der Platzwart“, sagt ihr Herrchen Sauerborn und lacht.

Petra und Alfred Preissner lassen sich gerade einen Kaffee schmecken und sitzen entspannt vor ihrem Wohnmobil. Wie lange sie bleiben, wissen sie noch nicht. Sehr bald werden sie aber nicht wieder in Richtung Scharzwald aufbrechen. „Wir waren schon sehr oft hier und haben hier inzwischen Freunde gefunden. Die gute Luft, die schöne Landschaft – das gefällt uns einfach“, erklären sie. Nach den Wochen des gesellschaftlichen Lockdowns aufgrund der Corona-Krise wissen sie es umso mehr zu schätzen, dass sie sich hier wieder nahezu frei bewegen können. „Die Geselligkeit ist etwas eingeschränkt“, fällt Petra Preissner dann doch noch etwas ein, was anders ist als sonst. Abends zusammenzusitzen sei aber dennoch möglich – mit Abstand und draußen.

In den vergangenen Wochenen mussten sie sehr eingeschränkt leben

Ein Stückchen weiter auf dem Platz haben Rudolf und Annemarie Grahlert ihr Gefährt geparkt. „Wir genießen die große Freiheit“, sagt die Camperin aus Hoffenheim und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Zwar gab es auch bei ihnen in Baden-Würtemberg keine echte Ausgangssperre. Aber die vergangenen Wochen habe eben jeder stark eingeschränkt leben müssen. Da fühle es sich einfach gut an, jetzt zumindest im Wohnmobil wieder innerhalb Deutschlands reisen zu dürfen. Ihr Mann Rudolf ist Reisebusfahrer. „Wann ich wieder arbeiten kann, weiß ich nicht“, erzählt er. Denn Busreisen wird es wohl so schnell erst einmal nicht geben. Die Grahlerts nutzen also die unverhofft freie Zeit, um selbst Urlaub zu machen. „Wir fahren hier viel Fahrrad, genießen die Natur, das Wasser – das ist ein befreiendes Gefühl“, sagen die Eheleute.

So haben es wohl auch die Wohnmobilisten empfunden, die diese Woche auf dem Fliegerdeich Halt gemacht hatten. Dort ging es in den vergangenen Tagen sehr entspannt zu, viele Plätze waren frei. Damit hatten Rolf und Heidi Jäkel aus dem Sauerland nicht unbedingt gerechnet. Sie waren auf gut Glück hergekommen und dann umso begeisterter, den Platz mit der grandiosen Aussicht auf das Wattenmeer ergattern zu können.

Camper erzählten gerne vom schönen Platz in Wilhelmshaven

Mit ihrem Nachbarn auf Zeit Jörg Brügging genossen sie den Blick in die Weite bei schönstem Wetter. Lange bleiben wollte das Paar jedoch nicht. „Bis Pfingsten müssen wir zu Hause sein“, sagte Rolf Jäkel. Seine Frau und er wollten dem Ansturm anderer Wohnmobilisten entgehen, die am langen Wochenende wieder erwartet werden. „Auf dem Wohnmobilstellplatz merkt man nichts von Corona, aber man muss sich klar darüber sein, dass es noch da ist“, sagte der Sauerländer. Er sei seit Kurzem in Altersteilzeit und nun nicht mehr auf die Wochenenden für Campingtouren angewiesen.

Auf dem Wohnmobilstellplatz am Nautimo haben sich die verfügbaren Plätze in den letzten Wochen ebenfalls schnell gefüllt. Dort stand dieser Tage auch ein Ehepaar aus Hof, das namentlich nicht genannt werden möchte. Von ihrer Begeisterung für das Reisen mit dem Wohnmobil und auch für den schönen Platz in Wilhelmshaven haben die beiden aber gerne erzählt. Ihre Kinder leben an verschiedenen Orten in Deutschland, eines in Wilhelmshaven. „Wir konnten sie nun aufgrund der Corona-Pandemie sehr lange nicht sehen und das tut schon weh“, sagte der Mann aus Bayern. Auf einer Rundreise werden die Kinder nun nacheinander besucht. „Wenn man in sein Wohnmobil steigt und losfährt, beginnt sofort der Urlaub“, schwärmte der Camper. Anders als sonst gehe es auf dieser Reise aber schon zu. „Die Leute halten eben Abstand voneinander“, sagte der Bayer. Das sonst selbstverständliche „Wir-helfen-dem Nachbarn-beim-Wohnwagenschieben“ gehe jetzt ein Stück weit verloren. Aber dennoch: „Die Leute sind entspannt.“

Duschen im Nautimo sind noch geschlossen

Diesen Eindruck vermitteln auch Björn und Stephanie Mohrbeck aus Schleswig-Holstein. Mit ihrem nagelneuen Campingbus sind die gebürtigen Wilhelmshavener zum Heimaturlaub aufgebrochen, sobald sie wieder durften. „Unsere Eltern leben hier und die haben wir nun schon seit Weihnachten nicht mehr gesehen“, sagte Stephanie Mohrbeck. Selbst in ihrem vergleichsweise kleinen Gefährt haben die beiden Urlauber alles, was sie brauchen. Auch eine Chemietoilette. „Sonst hätten wir auch gar nicht anreisen dürfen. Man muss ja autark sein“, erklärte ihr Mann. Zum Duschen nutzten sie aber dann doch lieber das Bad der Eltern. Zur Not täte es aber auch warmes Wasser aus dem Wasserkocher.

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Denn die Duschen im Nautimo, die die Wohnmobilisten zu normalen Zeiten nutzen können, sind genau wie das Bad und die dortige Gastronomie noch geschlossen. Sehr zum Bedauern von Elke und Heiko Harms aus Delmenhorst. Auch sie kommen ursprünglich aus Wilhelmshaven und haben noch Verwandte in der Stadt. Der Platz am Nautimo gehört zu ihren liebsten Zielen. „Im Moment vermisse ich besonders das Walnusseis aus dem Schwimmbadcafé“, sagt Elke Harms und lacht. Ansonsten sei alles relativ normal.

In anderen Jahren ist sie mit ihrem Mann mit dem Wohnmobil auch gerne in Spanien oder Schweden unterwegs. Das fällt dieses Jahr aus. Umso mehr freut sich das Paar über das kleine Stück zurückgewonnener Normalität. „Dadurch, dass man wieder reisen darf, haben wir ein Stück Freiheit zurückbekommen“, sagt auch Elke Harms.

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