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Lokal26.de Wilhelmshaven

Abitur-Vorbereitungen: „Unter diesen Umständen zu riskant“

01.04.2020

Wilhelmshaven Die Corona-Krise macht auch vor dem Schulbetrieb nicht Halt. Schulen wurden geschlossen, wann und ob das Abitur geschrieben wird, steht noch nicht fest. Zunächst sind die Prüfungen um einen Monat verschoben. Ende Mai würde es, Stand jetzt, losgehen. Doch wie ist es eigentlich, sich als angehender Abiturient auf das Abitur vorzubereiten – wenn nicht klar ist, ob und wie es stattfindet? Die Redaktion hat sich umgehört.

Die Lage ist derzeit angespannt

Jan Phillip Köhler ist Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Wilhelmshaven. Die aktuellen Entwicklungen nimmt er mit Sorge zur Kenntnis. „Die Lage hat sich in den vergangenen Wochen immer weiter zugespitzt. Mittlerweile sorge ich mich davor, was passiert, wenn das Abitur tatsächlich geschrieben wird.“ Denn der 19-Jährige ist strikt dagegen. „Ich finde es inkonsequent, die Abiturprüfungen durchzuziehen.“

Ihm ist unverständlich, wie Leute auf der Straße eineinhalb Meter Abstand einhalten und gleichzeitig Schüler dicht gedrängt in einem Klassenraum sitzen und Prüfungen schreiben sollen. „Ich habe keine Angst um mich, sondern zum Beispiel um meine Eltern, die ich anstecken könnte.“ Deswegen befürwortet der Schüler die Möglichkeit, die Abiturprüfungen ausfallen zu lassen und einen Durchschnitt zu berechnen.

Lehrer sind unterschiedlich mit dem Unterrichtsausfall umgegangen

Die Vorbereitungszeit auf eventuelle Prüfungen seien auch eigenartig: „Einerseits ist es ein bisschen entspannter, weil ich mehr Zeit habe.“ Zurzeit sind Osterferien, davor ist einige Wochen außerplanmäßig der Unterricht ausgefallen. Wie die Lehrer mit der Situation umgegangenen sind, sei unterschiedlich gewesen. „Einige haben uns persönlich angerufen, andere Lehrer haben sich nicht so viel gekümmert.“ Schlecht vorbereitet fühlt er sich auf das Abitur aber trotzdem nicht. Denn in den Prüfungen würde der Stoff der vergangenen zwei Jahre abgefragt werden, da machten zwei Wochen ausgefallener Unterricht nicht so besonders viel aus. Dass die Lage sich global derart zuspitzen würde, habe der Schüler zu Beginn nicht kommen sehen. Und: Er findet, man sollte die Ansteckungsgefahr bei den Prüfungen nicht unterschätzen: „Unter den Umständen empfinde ich es als zu riskant, das Abitur schreiben zu lassen.“

Schüler fühlen sich nicht alleingelassen

Ähnlich sieht es auch Isabelle Speulda. Die 19-jährige IGS-Schülerin hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten trotz allem regulär auf das Abitur vorbereitet. „Natürlich wäre es einfacher, sich schulintern auf die Prüfungen vorbereiten zu können“, sagt sie. „Aber die Lehrer bemühen sich, das Beste aus der Situation zu machen.

Ich fühle mich nicht alleine gelassen.“ Die Schülerin verfolgt interessiert, was in den Nachrichten los ist, wie die Politik zu den Abiturprüfungen steht. Und: „Ich würde es kritisch sehen, wenn das Abitur geschrieben würde“, sagt sie. „Ich denke nicht, dass sich die Situation in ein paar Wochen drastisch verbessern wird.“ Deshalb befürwortet sie auch die Lösung, die Abinote aus den Durchschnittsnoten zu berechnen, Schülern zur Aufbesserung ihrer Noten mündliche Prüfungen anzubieten.

Dass neben den Abiturprüfungen auch andere Dinge wie der Abiball oder die Mottowoche ausfallen können, nimmt die Schülerin gelassen. „Klar: Beim Abiball wäre ich schon etwas traurig. Immerhin erlebt man das nur einmal im Leben. Aber was die Mottowoche angeht, könnte ich das gut verschmerzen. In jedem Fall: Gesundheit geht vor.“

Komisch waren die letzten Wochen für Anna-Lena Grau, „Alles fühlt sich so unentschlossen an und das ist es ja auch“, sagt die 19-jährige IGS-Schülerin.

„Vor einem Monat saß ich noch in der Schule und habe darüber nachgedacht, dass bald der letzte Schultag sein wird, dass ich mich dann auf mein Abi vorbereite und Prüfungen schreibe.“ Am meisten habe sie sich auf den Abiball gefreut. „Eigentlich habe ich nicht gedacht, dass der feste Plan sich ändern würde, doch das hat er.“

Jetzt versucht sie, das Beste aus der Situation zu machen und ihr Lernprogramm durchzuziehen, als wäre nichts. „Aber das ist nicht so einfach, denn man hat trotzdem im Hinterkopf, dass die Prüfungen vielleicht gar nicht stattfinden.“ Mit Freunden zusammenzulernen, wie die Schülerin es sich ausgemalt hatte, ist nun nicht mehr denkbar. Sich über Whatsapp auszutauschen, sei nicht vergleichbar.

Die Motivation zum Lernen ist groß

Und: „Das Problem ist auch, dass ich die Motivation zum Lernen langsam nicht mehr finde, da ich gar nicht die Möglichkeit habe, einen Ausgleich zu finden, in meinem Fall durch Handball.“ Von ihren Lehrern fühlt sie sich nicht wirklich ausreichend betreut: „Meine Lehrer haben gesagt, ich könne sie bei Fragen kontaktieren, eine Antwort dauert aber ein bis zwei Tage. Dabei hätte ich in diesem Moment eine Antwort bekommen müssen, um mit dem Lernen voranzukommen.“ Gleichwohl: „Ich weiß, dass es für viele Lehrer gerade umso anstrengender ist und das soll auch kein Vorwurf sein, da sie für die Situation nichts können. Aber für Schüler ist das trotzdem eine Beeinträchtigung.“

Immerhin versuche ihr Tutor, sie gut vorzubereiten und auch Materialien würden hinreichend zur Verfügung gestellt. Einen echten Unterricht ersetze das aber trotzdem nicht. „Uns fehlt die Sicherheit, die uns der geplante Ablauf gegeben hätte.“

Insgesamt kommt die 19-Jährige deshalb zu folgendem Schluss: „Ich finde, dass wir ziemlich viele Nachteile haben, die uns sehr verunsichern.“ Wenn das Abitur geschrieben würde, würde das außerdem viele Risiken mit sich bringen. „Ich finde, dass ein Durchschnittsabitur die richtige Entscheidung wäre.“

Der Alltag war vor Corona noch genau durchgeplant

In einem mächtigen Motivationsloch hängt auch Rafi Suleiman (IGS), der (eigentlich) auf Prüfungen in den Fächern Sport, Physik, Mathematik, Englisch und Politik schauen müsste.

„Der Alltag war vor Corona durch Schule, Lernen und Sport genau durchgeplant. Mittlerweile hänge ich durch – auch weil mein Alltag durchhängt. Und inhaltlich hängt vieles in der Luft, weil Themen noch nicht ganz fertig waren oder Workshops ausgefallen sind.“

Zu ungefähr einem Drittel fließt das Abiturergebnis in die Abschlussnote ein. Für einige Schüler würde das noch Chancen bieten, sich zu verbessern, einige dürften mit dem Status quo gut leben können. Der Eindruck von Rafi Suleiman: „Die Mehrzahl der Schüler bei uns an der IGS ist für eine Absage der Abiprüfungen.“

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