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Lokal26.de Wilhelmshaven

Angeklagter rastet vor Gericht aus: Schlag auf Schlag zur Wahrheitssuche

14.02.2020

Wilhelmshaven Wie dröselt man den Ablauf einer Schlägerei im zeitlichen Abstand von rund eineinhalb Jahren auf?

Polizisten beleidigt

Auf Wahrheitssuche begibt sich das Schöffengericht am Amtsgericht in seiner Verhandlung über die Anklage gegen zwei Brüder, 37 und 26 Jahre alt, die in Schlägereien verwickelt gewesen sein sollen. Der Ältere habe überdies Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte geleistet und sie beleidigt, klagt der Staatsanwalt an.

Es geht um Vorfälle aus 2018. Am 3. August gab es eine Massenschlägerei auf der Börsenstraße, bei der sich der ältere Angeklagte mit Polizisten anlegte, woraufhin er in Gewahrsam genommen und später in Arrest gesteckt wurde. Bei seiner Festnahme soll er erheblichen Widerstand geleistet und auf der Fahrt die Polizisten aufs Übelste beschimpft und beleidigt haben. Er umgekehrt beschwerte sich vor dem Gericht über die seiner Ansicht nach rassistische Haltung der Beamten.

Dass er allerdings leicht zum Aufbrausen neigt, machte er in der Verhandlung deutlich; er schimpfte minutenlang, weil der Vorsitzende Richter ihm das Dazwischengerede bei der Zeugenvernehmung verbat und er letztlich ein Ordnungsgeld von 300 Euro aufgebrummt bekam.

Aug und zahn

Der zweite angeklagte Vorfall ereignete sich am 7. August 2018 vor dem Jobcenter an der Schillerstraße – beide Brüder sollen einen Bekannten zusammengeschlagen haben. Sie verletzten ihn erheblich an den Augen, außerdem erlitt er Schäden am Gebiss; eine Zahnüberkronung musste erneuert werden.

Der letzte Vorfall, bei dem wiederum der ältere der beiden Brüder im Fokus steht, passierte Mitte Dezember 2018 in Bant. Hier soll der Angeklagte einen Nachbarn zusammengeschlagen und mit Reizgas übel traktiert haben. Bei beiden Schlägereien hatte der ältere Angeklagte seinen mittelgroßen Hund dabei, nach Aussage eines Zeugen eine Art Kampfhund.

Im Schwitzkasten

Der Prozess ist auf drei Tage terminiert, am ersten Verhandlungstag ging es um die letztgenannten Schlägereien. Die Geschädigten wurden als Zeugen vernommen.

Der erste Geschädigte berichtete, dass er auf dem Nachhauseweg in Begleitung eines Bekannten von dem älteren Angeklagten schon in der Innenstadt beleidigt worden sei. In Höhe des Arbeitsamtes hielt dann ein Auto neben ihm, aus dem drei Männer stiegen, u.a. die beiden Angeklagten. Sie bauten sich um ihn herum auf und schlugen ihn zusammen; den ersten Schlag setzte nach seiner Erinnerung der jüngere der beiden Brüder, doch der ältere nahm ihn in den Schwitzkasten und schlug weiter.

Tränengas versprüht

Ein Zeuge beobachtete den Vorfall aus seinem Bürofenster und bestätigte, dass mehrere Personen dabei gewesen seien, als einer aus der Gruppe den Geschädigten angegriffen habe. Der Bekannte des Geschädigten bekam, wie dieser als weiterer Zeuge schilderte, selbst einen Schlag ab. Ihm wurde schwindlig – er erinnerte sich an nichts mehr präzise.

Ganz besonders übel traf es den Geschädigten des Dezember-Vorfalls, der auf seinem Nachhauseweg durch Schläge und mutmaßlich auch Tritte, außerdem durch Hundebisse und zuletzt durch das direkt ins Gesicht gesprühte Tränengas so erheblich verletzt wurde, dass die von Zeugen gerufene Polizei einen Rettungswagen kommen ließ. Der Geschädigte behauptete, dass er in zeitlichem Abstand zweimal vom Angeklagten angegriffen worden sei.

Der Angeklagte wiederum tischte dem Gericht eine vollkommen andere Version – die seiner Unschuld – auf. In die Urteilsfindung geht aber auch die Aussage des Arbeitskollegen des Geschädigten ein, der jenen auf dem Nachhauseweg begleitet hatte. Der Kollege konnte sich zwar nicht mehr erinnern, warum wer mit der Auseinandersetzung begonnen hatte, aber dass der Angeklagte den schließlich Unterlegenen und am Boden Liegenden malträtierte.

Zeugen in Gefahr

Weil für ihn selbst Gefahr drohte, sei er fortgegangen und konnte zum Rest nichts mehr aussagen. Durch Zeugenaussagen von Anwohnern konnte die Polizei den Angeklagten ausfindig machen. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Hartmut SiefkenLokalredaktion

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