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Lokal26.de Wilhelmshaven

Christian Seiler: Von der Weltreise als Model zum Studium in Wilhelmshaven

22.02.2020

Wilhelmshaven Es gleicht auf den ersten Blick der Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär, doch ganz so weit möchte Christian Seiler dann doch nicht gehen. Der 24-Jährige hat durch Zufall einen großen Karriereschritt gemacht, der ihn in seiner Persönlichkeit enorm nach vorne gebracht hat. Der gebürtige Hamburger ist Model und war bereits weltweit unterwegs. Derzeit arbeitet er aber an seiner Bachelorarbeit im Zuge seines Studiums Tourismuswirtschaft an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven.

Doch wie war das jetzt mit dem Modeln? Als Abiturient schlenderte er mit einem Freund auf der Hamburger Mönckebergstraße, als er angesprochen wurde. „Plötzlich stand ein Mann vor uns und meinte, ich hätte ein interessantes Gesicht – und gab mir eine Adresse mit auf den Weg, um mich bei einem Vermittler für Model-Agenturen zu melden“, blickt Seiler zurück. Anfangs habe er als 17-Jähriger stark daran gezweifelt, dass es seriös sei. „Ich war der Meinung, dass das für den Müll wäre, aber mein Kumpel hat mich ermutigt, ich solle doch wenigstens mal anrufen.“

Er wollte sein Abitur nicht aufs spiel setzen

Gesagt, getan: Es folgten Testshootings und schließlich zeigte die Hamburger Agentur PMA Models Interesse an ihm. Doch für regelmäßige Aufträge war es dann doch zu früh, Seiler wollte sein Abitur nicht aufs Spiel setzen. „Den einzigen Job während der Schulzeit habe ich in Mannheim gemacht. Dort stand ich für einen Herrenausstatter im Schaufenster. Das war schon eine coole Erfahrung, als die Leute alle vor einem stehen blieben“, erzählt der 24-Jährige. Eine Anfrage von Calvin Klein sagte er wegen des Abi-Stresses jedoch ab.

Dass er als Model eines Tages Karriere macht, kam für ihn allerdings nie in Frage. „Dafür bin ich zu selbstkritisch und realistisch. Mit 1,83 Metern bin ich für die Branche eigentlich auch zu klein“, sagt der Hamburger. Für ihn stand bereits kurz nach dem Abitur fest, dass er in den Tourismusbereich gehen möchte – wenngleich es als Model leicht gutes Geld zu verdienen gäbe.

Doch bevor seine Entscheidung auf ein Studium an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven fiel, ging er mit einem Freund nach Australien. „Mein Ziel war es, dort ‚Work & Travel’ zu machen. Als ich meiner Agentur davon erzählte, vermittelten sie meinen Kontakt direkt an eine in Sydney ansässige Partneragentur. So wurde ich unter anderem das Gesicht eines Haarpflegeproduktes. Und das Kuriose ist: Wer seinen ersten großen Job gemacht hat, bekommt ständig Anfragen“, weiß er aus Erfahrung.

In New York standen bis zu zehn Castings am Tag auf dem Plan

Dadurch, dass er täglich zwei Castings hatte, fehlte ihm jedoch die Zeit, Australien wirklich kennenzulernen. Lediglich eine Woche habe er sich eine Auszeit gegönnt, um wenigstens etwas zu erleben. Denn aus den ursprünglich geplanten sieben Monaten wurden letztlich nur vier. „Ich ging vorzeitig für einen Monat zurück nach Hamburg, da eine Agentur aus New York angeklopft hatte und mich für zwei Monate nach Amerika holen wollte.“

So besuchte er zunächst seine Familie in Hamburg, die seine Auftritte als Model unterschiedlich sah. „Meine Mama und meine Oma waren begeistert, mein Vater machte sich Sorgen um mein bereits geplantes Studium“, sagt Christian Seiler. Unter der Voraussetzung, dass er zur Vorbereitungszeit an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven auch zurückkehrt, überzeugte er seinen Papa. In diese Zeit in New York fiel auch die renommierte Fashion-Week. Bis zu zehn Castings am Tag standen auf dem Plan – allerdings fiel kein Job für den Laufsteg ab. „Das habe ich aber auch nicht erwartet, da ich – wie gesagt – zu klein bin“, nimmt er es gelassen.

Schließlich hätte es noch eine Kampagne für den Rapper Kanye West werden können – doch die Jadestadt rief. So beendete er seinen Aufenthalt in Amerika, um sich an seine neue Heimat Wilhelmshaven zu gewöhnen. Anfangs sei er skeptisch gewesen, dass er sich hier wohlfühlen könne. Doch das habe sich schnell gelegt: „Man kommt mit einem weinenden Auge hier her und man fährt auch mit einem weinenden Auge wieder weg“, so der 24-Jährige. Vor allem habe er zahlreiche Freunde gefunden, mit denen er gerne in der Stadt unterwegs ist.

„Im Sommer ist der Südstrand natürlich ein Muss“

Die Angebote seien, im Gegensatz zu vielen anderen Aussagen, toll. „Wenn du kein Einzelgänger bist, lässt es sich hier gut leben. Vor allem als Student ist es sehr überschaubar – man kommt schnell überall hin.“ Vor allem das Café Freiblock (Seiler: „Von Studenten für Studenten.“) sei immer eine gute Adresse, aber auch das Kling-Klang, die Studenten-Partys des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) oder „Mittwochs am Pumpwerk“ hätten Charme. „Und im Sommer ist der Südstrand natürlich ein Muss.“

Künftig wird er der Jadestadt allerdings wieder häufiger den Rücken kehren. Nach seiner Bachelorarbeit will er zwar den Master dranhängen, allerdings berufsbegleitend. „Ich werde hier studieren und in einem Hotel in Hamburg arbeiten.“

Und das Modeln? Das möchte er auch nicht ganz aus den Augen verlieren: „Ich halte noch Kontakt zu meinem Vermittler in Hamburg und meine Modelkarte ist auch schon gut befüllt – eines Tages möchte ich gerne noch mal Fuß fassen. Doch jetzt konzentriere ich mich erst einmal auf mein Studium.“

Seine berufliche Zukunft sieht er nämlich weiterhin in der Tourismusbranche. Während des Masters wird er im Bereich Rezeption arbeiten. „Ich habe mir einen Karriereplan gemacht. In vier Jahren würde ich gerne eine Stufe höher steigen und Leiter des Empfangsbereiches – des sogenannten Front Office – werden. Cool wäre es, wenn ich eines Tages dann auch selbst Direktor eines Hotels sein könnte – aber das ist ein steiniger Weg und es benötigt Vitamin B.“

Michael HackerLokalredaktion

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