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Lokal26.de Wilhelmshaven

Corona: Als die Stimmung im Hotel kippte

08.04.2020

Wilhelmshaven Ohne die sonst übliche Umarmung und mit den Worten „Bleibt alle gesund. Wir sehen uns in 14 Tagen wieder“ verabschiedete sich Yogalehrerin Sigrid Deil am 4. März noch von ihren Kurs-Teilnehmern.

Am 9. März flogen sie und ihr Mann Thomas in den Oman. „Es war unsere erste Pauschalreise“, so Sigrid Deil. „Sonst organisieren wir unsere Urlaube immer individuell.“ Weder vom Auswärtigen Amt noch vom Reiseveranstalter habe es zu der Zeit Reisewarnungen gegeben. Lediglich die Information, dass Personen, die 14 Tage vorher in Italien waren, nicht in den Oman einreisen dürften. Das waren sie nicht und so packte das Wilhelmshavener Ehepaar seine Koffer und machte sich voller Urlaubsvorfreude auf den Weg. Im Oman verlebten sie eine traumhafte Woche in einem wunderschönen Hotel mit einem herrlichen Strand.

„Doch dann ging plötzlich alles rasend schnell“, so Sigrid Deil. Zuerst sei das Hotel-Restaurant geschlossen worden. Das Essen wurde den Hotelgästen auf dem Zimmer serviert. Dann wurde der Pool abgesperrt und es gab ein Versammlungsverbot für Gruppen von mehr als zehn Personen. „Die Geselligkeit unter den Urlaubern war dahin“, so Sigrid Deil. Dann wurde ein Großteil des Personals abgezogen und die übrigen Mitarbeiter liefen mit Mundschutzmaske und Handschuhen durch das Hotel.

Irgendwann fiel auf, dass nur noch Deutsche im Hotel waren

„Das Personal war trotz allem sehr bemüht um uns und sehr freundlich“, betont sie. Alle Ausflüge ins Landesinnere wurden abgesagt, es gab keine Mietwagen mehr. „Der Strand war menschenleer. Aber da er zum Hotel gehörte, durften wir ihn wenigstens weiterhin benutzen.“ Am 19. März sollte ihr Flieger über Salalah und Dubai in die Heimat zurück gehen. Einen Tag vorher verkündete ihr Reiseleiter, dass die Fluggesellschaft Emirates alle Flüge gecancelt habe. Eine Alternative konnte er den Urlaubern nicht benennen. Der Reiseleiter sei mit der Situation ziemlich überfordert gewesen, so Deil. Dann hätte es doch einen Ausweichtermin gegeben. Aber auch dieser Flug wurde kurz darauf wieder gecancelt.

„Wir haben natürlich immer auch die Nachrichten aus Deutschland verfolgt“, so Sigrid Deil. „Wir waren unruhig und beschlossen, uns selbst um einen Rückflug zu kümmern.“ Von da an sei die Stimmung im Hotel so richtig gekippt. „Irgendwann ist mir aufgefallen, dass nur noch Deutsche im Hotel waren. Wir hatten ja rote Armbändchen. Alle Urlauber aus den Ostblockländern -- diese hatten graue Bändchen – waren bereits nach Hause geflogen worden.“ Aber auch eine Spaltung unter den Deutschen sei zu spüren gewesen.

Die Lager teilten sich in jene, die sich selbst um einen Rückflug bemühten und jene, die stur auf die Maßnahmen des Reiseveranstalters warteten. „Ein Ehepaar aus dem Hotel erzählte uns, dass sie zum Flughafen gefahren waren und dort noch Flugtickets für Oman Air bekommen hätten. Also organisierten wir uns ein Taxi und fuhren ebenfalls zum Flughafen.“ Dem Taxifahrer, einem jungen, sehr höflichen Omani erzählten sie ihr Dilemma. „Der hat uns gleich seine Visitenkarte gegeben und angeboten, uns in seiner Familie aufzunehmen, falls wir keine Flugtickets kriegen sollten“, berichtet Sigrid Deil. „Wir waren total gerührt von soviel Herzlichkeit.“

Das eigene Hotel sollte geschlossen werden

Schließlich gelang es den Deils, für einen der letzten drei Oman-Air-Flüge nach Muscat – alle anderen waren schon gestrichen worden – Tickets zu bekommen. Inzwischen waren die Hotelgäste aufgefordert worden, in ein anderes Hotel umzuziehen, dort sollten die gestrandeten Urlauber gesammelt werden. Ihr eigenes Hotel sollte geschlossen werden. „Wir durften aber den letzten Tag in unserem Hotel bleiben, da wir für den nächsten Tag ja unsere Flugtickets hatten.“

Drei Tage später als geplant, am Sonntag, 22. März, nach einem letzten Bad im persischen Golf, brachte sie der junge Taxifahrer zum Flughafen und sie bestiegen den Flieger von Oman Air, der sie nach Muscat im Norden des Oman brachte. Von dort, dem Drehkreuz von Oman Air, flogen Sigrid und Thomas Deil direkt nach Frankfurt.

„Das hat alles gut geklappt. Aber wir waren überrascht, dass es am Flughafen Frankfurt keinerlei Gesundheitskontrollen gab. Es waren Massen von Menschen unterwegs und am Gepäckband standen die Menschen dicht gedrängt, weil das Gepäck von zwei oder sogar drei Flügen auf nur ein Kofferband geladen wurden.“

Im menschenleeren ICE von Frankfurt nach Düsseldorf

In einem menschenleeren ICE ging es dann von Frankfurt nach Düsseldorf, wo ja das Auto der Deils stand, und von dort endlich nach Wilhelmshaven. Montagmittag sind Sigrid und Thomas Deil dann wohlbehalten zu Hause angekommen. Dass sie sich selbst um ihre Flugtickets gekümmert haben, war genau die richtige Entscheidung und ihre Ankunft zu Hause gerade noch rechtzeitig – denn am späten Montagabend riss sie das Telefon aus ihrer Jetlag-Müdigkeit. Sigrid Deils Vater war ins Krankenhaus eingeliefert worden, nicht wegen Corona, das sei hier erwähnt.

Zu Hause in Oldenburg saß ihre pflegebedürftige und auf den Rollstuhl angewiesene Mutter allein. Zum Luftholen blieb Sigrid Deil nun keine Zeit. Ausgerüstet mit Mundschutz und Gummihandschuhen kümmerte sie sich um ihre betagten Eltern. Es gelang ihr trotz Corona für sie einen Platz im Pflegeheim zu bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte. Ihren Urlaub im Oman jedenfalls werden die Deils wohl so schnell nicht vergessen.

Walburg DittrichSonderthemen

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