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Lokal26.de Wilhelmshaven

Corona-Krise: Abstriche werden nur bei klaren Verdachtsfällen gemacht

04.04.2020

Wilhelmshaven Etwa zehn Abstriche pro Tag, das ist der Durchschnitt am Testzentrum in Wilhelmshaven. Seit über drei Wochen betreiben die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) und das Gesundheitsamt diese zentrale Anlaufstelle für mutmaßliche Corona-Patienten, die hat dabei rund 250 Abstriche genommen. Zu wenig, wird häufiger kritisiert, zuletzt aus Richtung der Seniorenheime. „Stimmt nicht“, sagt Klaus-Peter Schaps, Vorsitzender der KVN in Wilhelmshaven. „Wir arbeiten strikt nach den bundesweiten Vorgaben durch das Robert-Koch-Institut!“

Ob überhaupt ein Abstrich genommen wird, entscheidet der Arzt im Testzentrum. „Die Kollegen wurden speziell darauf geschult“, erklärt Schaps. Allerdings könnten und dürften sich Patienten nicht direkt ans Zentrum wenden. Erster Ansprechpartner sei immer der Hausarzt – telefonisch. Sollte der aufgrund bestimmter Symptomatiken bei seinem Patienten den Verdacht haben, es könnte sich um eine Corona-Infektion handeln, überweist er ans Zentrum.

Dort wird zunächst geprüft, dann folgt ein Anruf beim Patienten, damit sich der Arzt ein noch detaillierteres Bild von möglichen Krankheitssymptomen machen kann. „Das Testzentrum ist eine zweite Instanz, die sehr engmaschig abfragt“, sagt Schaps. Viele Verdachtsfälle, die von den Hausärzten gemeldet werden, könnten so bereits ausgeschlossen werden. Kein nachhaltiger Verdacht – kein Abstrich. „Das schont auch Ressourcen.“

Aufwand in den Testzentren steigt kontinuierlich an

Doch auch wenn sich die Zahl der Abstriche in einem überschaubaren Rahmen hält, steige der zeitliche und damit auch der personelle Aufwand im Testzentrum kontinuierlich an.

„Es gibt in der Bevölkerung eine sehr große Unsicherheit. Wir haben einfach noch zu wenige harte Daten das Coronavirus betreffend. Wenn dann verschiedene Experten in den Medien unterschiedliche Angaben machen, sei es zu Symptomen, zu Übertragungswegen oder zur Überlebensfähigkeit des Virus’ auf unterschiedlichen Oberflächen, steigert das die Verunsicherung weiter. Und das führt dazu, dass sich immer mehr Menschen bei ihren Hausärzten melden und die mehr an uns weiterleiten“, weiß der KVN-Vorsitzende. „Manchmal habe ich das Gefühl, es gibt nicht zu wenig Informationen, sondern eher zu viele unterschiedliche!“

Die Zahl derjenigen, die wirklich abgestrichen werden müssten, hat sich kaum verändert, ging zuletzt sogar leicht zurück. Zwischenzeitlich habe es bis zu 38 Stunden gedauert, bis das Laborergebnis vorlag, jetzt „nur noch“ 24 bis 36, weiß Schaps. Deshalb würden zum Beispiel Massentests von allen Beschäftigten und Bewohnern von Senioren- und Pflegeeinrichtungen, wie etwa von Thore Wintermann (AWO-Bezirksverband Weser-Ems) gefordert (die WZ berichtete), keinen Sinn machen. Ergebnisse seien immer Momentaufnahmen von vor ein bis zwei Tagen. Zum Durchtesten bräuchte es Tests, die nach wenigen Minuten ein Ergebnis zeigten. Die gebe es nicht, sagt Schaps.

Die Randlage am Wasser wirkt sich offenbar positiv aus

Anfangs seien immer zwei Ärzte im Zentrum gewesen, die sich Abstriche und Telefonate teilten. Wegen der erhöhten Nachfrage müsse nun mehr Leuten erklärt werden, warum bei ihnen eben kein Abstrich notwendig ist. Das koste eine Menge Zeit. Daher sei personell aufgestockt worden und das Zentrum inzwischen auch nachmittags besetzt – sechs Tage die Woche (außer sonntags). „Wir arbeiten im Schichtsystem."

Verglichen mit anderen Regionen sei die Lage in Wilhelmshaven und Friesland bislang eher entspannt. Gut 250 Abstriche – ein Drittel davon bei Patienten mit Wohnsitz Wilhelmshaven – und gerade einmal sieben positive Befunde. Die Randlage direkt am Wasser wirke sich positiv aus. „Wir haben auch deutlich weniger Reiserückkehrer, die ja zu den Hauptbetroffenen gehören. Und wenn es Rückkehrer gab, gab es gleich klare Auflagen. Man muss der Politik in Stadt und Landkreis an dieser Stelle mal ein Kompliment aussprechen. Sie haben die Region sehr schnell zugemacht! Überhaupt wurden in Wilhelmshaven durch die optimale Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und KVN sehr schnell Strukturen geschaffen, zum Beispiel mit dem Testzentrum. Wir waren in Wilhelmshaven mit das erste, welches in Betrieb gegangen ist.“

Bisher seien die Zahlen „stabil niedrig“, sagt Schaps, gibt aber zu bedenken, dass sich die Lage stündlich ändern könne. „Ich hoffe, die Disziplin der Bevölkerung hält weiter an, gerade in den anstehenden Ostertagen.“ Das, so macht der Mediziner unmissverständlich klar, sei die wichtigste Voraussetzung, um die Lage im Griff zu behalten.

Lutz RectorLokalredaktion

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