Medienhaus Brune|Mettcker
  • Anzeiger für Harlingerland
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Wilhelmshaven

Corona-Krise: Von wegen Dolce Vita in Italien

24.03.2020

Wilhelmshaven Angenehme 20 Grad in Rom und Wochenendbesuch von Freunden aus Wilhelmshaven. Vor gut zwei Wochen ist noch alles gut bei Katrin und Boris Schmidt (Namen geändert; das Paar möchte anonym bleiben). „Corona, das ist ganz weit weg in China und weit weg in einigen Gegenden Norditaliens – und betrifft uns nicht.“ Doch dann kippt die Stimmung, als das Ehepaar merkt: Das Thema Corona ist plötzlich ganz nah.

Wie schnell und umfassend das Coronavirus Europa in den Griff bekommen und das Leben der Menschen geändert hat, haben die Schmidts selbst erlebt. „Mein Mann sollte beruflich von Februar bis Ende April zu einer Weiterbildung nach Rom, um ab Juni einen Job in Skandinavien anzutreten“, so Katrin Schmidt über den Grund ihres Italienaufenthaltes.

„Als erste Nachrichten auftauchten, dass Regionen in Norditalien abgeriegelt wurden, waren wir überrascht. Als dann aber der Karneval in Venedig und eine gebuchte Tour dorthin abgesagt wurden, waren wir auf einmal selbst betroffen.“ Dann machten erste Gerüchte die Runde, dass alle Schulen in Italien geschlossen werden sollen. „Davon war in Rom aber zunächst wenig zu spüren“, erzählt die 49-Jährige. „Man sah nur vereinzelt junge Leute oder wie üblich Asiaten mit Masken herumlaufen.“

„Da begriffen wir: jetzt ist Corona hier angekommen.“

Die Freude über kürzere Warteschlangen vorm Vatikan und weniger Touristen beim Ausflug nach Ostia (wo noch das Auto aufgebrochen wurde!) wich Beklemmung, als sie mit ihrem Besuch abends allein im Restaurant saßen – und sonntags vor dem geschlossenen Colosseum standen. „Da begriffen wir: jetzt ist Corona hier angekommen.“

Montags dann waren die Schmidts einkaufen in einem Discounter. Alles schien normal. „Als wir herauskamen, stand da plötzlich ein Security-Mitarbeiter, der nur noch eine bestimmte Anzahl Kunden hinein ließ.“ Bei der Weiterbildung ihres Mannes hieß es zunächst „Home-Office“, wenig später wurde die Präsenzpflicht aufgehoben. „Am 10. März wurden wir von der Deutschen Botschaft über die allgemeine Ausgangssperre informiert“, so Katrin Schmidt.

„Damit stand für uns fest: wir wollen hier so bald wie möglich raus. Als unsere Vorbereitungen dazu abgeschlossen waren, sind wir in unser Auto und über die Schweiz zurück nach Deutschland.“ In Rom sei es da bereits spürbar ruhiger gewesen. „Über die Berichterstattung in der WZ waren wir auf dem Laufenden, was die Maßnahmen in Wilhelmshaven anging. Vor unserer Abfahrt habe ich deshalb Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen“, so die 49-Jährige. „Machen Sie sich keine Sorgen, Sie sind ja symptomfrei und müssen deshalb daheim nicht in Quarantäne, teilte man uns mit. Aber halten Sie Distanz zu anderen und gehen nicht in Seniorenheime, Schulen oder Kitas, hieß es.“

Nach zwei Tagen waren Katrin und Boris Schmidt zurück in Wilhelmshaven. „Unsere Nachbarn haben wir mit einem Schild im Treppenhaus über unsere Lage informiert. Beim Einkaufen haben wir Abstand gehalten – auch zu Bekannten. Gewundert haben wir uns tatsächlich darüber, dass die Regale mit Nudeln, Mehl und Klopapier leer waren.“ Grundsätzlich, so der Eindruck der Heimkehrer, gehen die meisten Wilhelmshavener in der Corona-Krise ganz vernünftig mit der Situation um.

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.