Medienhaus Brune|Mettcker
  • Anzeiger für Harlingerland
  • Jeversches Wochenblatt
  • Wilhelmshavener Zeitung
  • Shop
  • Tickets
  • Werben
  • Kontakt
 
Lokal26.de Wilhelmshaven

Coronavirus: Fünf Patienten in Wilhelmshaven, Aurich und Friesland

10.03.2020

Wilhelmshaven Das neuartige Coronavirus wurde inzwischen auch in der Weser-Ems-Region festgestellt - und sorgt vielfach für Unruhe.

Vorweg: Nach der vorbeugenden Schließung am Montag kann der Unterricht an der Grundschule Mühlenweg, der Förderschule Warthestraße sowie der Marion-Dönhoff-Schule am Dienstag wieder aufgenommen werden.

Allerdings hat das Virus Wilhelmshaven nun doch erreicht. Wie Oberbürgermeister Carsten Feist am Montag mitteilt, haben sich zwei aus Wilhelmshaven stammende Teilnehmer einer 22-köpfigen Reisegruppe, die Sonntagnacht aus dem Skiurlaub zurückkehrte, mit dem Virus angesteckt.

Betroffene Wilhelmshavener in Quarantäne

Die Gruppe meldete sich bereits vor der Rückfahrt am Samstag, 7. März, telefonisch bei Gesundheitsbehörden. Laut Mitteilung der Stadt konnten demnach bereits im Vorfeld alle notwendigen Vorkehrungen getroffen und die Betroffenen demnach direkt nach der Ankunft in Quarantäne untergebracht. Die Männer werden ebenso wie die restlichen betroffenen Teilnehmer der Gruppe an ihren Wohnorten behandelt. „Die beiden Personen in Quarantäne sind gut versorgt. Da sie abgeschirmt von der Öffentlichkeit sind und in den Tagen seit Ihrer Infizierung keine direkten Kontakte innerhalb unserer Stadt hatten, konnten sie unserer Kenntnis nach niemanden anstecken.“, schreibt Feist. Er lobt das umsichtige Verhalten der Betroffenen.

Am Sonntagabend wurde bekannt, dass die Stadt den Unterricht an drei Wilhelmshavener Schulen am Montag ausfallen ließ. Betroffen waren die Grundschule Mühlenweg, die Förderschule Warthestraße sowie die Marion-Dönhoff-Schule und das AWO-Sprachheilzentrums. Für über 1000 Schüler kann am Dienstag somit der Unterricht wieder losgehen.
Der Grund: Eine Mitarbeiterin des AWO-Sprachheilzentrums stand im Verdacht, sich mit dem Virus angesteckt zu haben. Sie zeige Symptome und stehe häufig im Kontakt mit Kindern, welche die genannten Schulen besuchen. Die Schließungen wurden unter Rücksprache mit dem Gesundheitsministerium des Landes Niedersachsen bis zum Vorliegen der Untersuchungsergebnisse einberufen, nachdem der Fall dem Gesundheitsamt gemeldet worden war. Eine Notbetreuung wurde nicht eingerichtet. Oberbürgermeister Carsten Feist ist beruhigt, dass sich der Verdachtsfall aus dem Sprachheilzentrum nicht bestätigt hat: Die Gefahr, dass sich weitere Personen hätten anstecken können, wäre in dem Falle realistisch gewesen.

Testzentrum wird eingerichtet

Um möglicherweise mit dem Corona-Virus infizierten Patienten schnell Gewissheit zu verschaffen, sind Abstriche notwendig. Diese wurden bislang in Hausarztpraxen entnommen und in Hannover untersucht. Da dies ein langer Weg ist, werden die Abstriche ab Dienstag in einem eigens eingerichteten Testzentrum zentral entnommen. Patienten werden nach vorheriger telefonischer Rücksprache von ihren Hausärzten an das Zentrum vermittelt.

„So leisten wir einen wichtigen Beitrag, um die Patienten in den Hausarztpraxen vor einer Ansteckung zu schützen und die Gesundheitsversorgung unserer Stadt weiterhin zu gewährleisten“, so Klaus-Peter Schaps von der Kassenärztlichen Vereinigung, die für die Einrichtung der Zentren verantwortlich ist. Das Testzentrum ist laut Mitteilung der Stadt eines der ersten dieser Art, das in Niedersachsen in Betrieb geht.


Zwei Fälle in Friesland

Das Corona-Virus ist in Friesland angekommen, am Montagnachmittag ist es bei zwei Menschen nachgewiesen worden. „Eine große Überraschung war das nicht“, sagt Dr. Thomas Fuchs, Leiter des Gesundheitsamtes Friesland. „Es war nicht zu erwarten, dass wir die Insel der Glückseligen bleiben.“ Am Sonntag kam der Anruf aus Wilhelmshaven: Ein Bus mit einer Reisegruppe von Skitouristen sei von Südtirol aus nach Niedersachsen unterwegs, mehrere der Urlauber zeigten Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus, alle anderen seien Kontaktpersonen.

In enger Absprache der Behörden in Wilhelmshaven, Friesland und den anderen Herkunftsorten ist die Heimkehr organisiert worden, und zwar so, dass die Urlauber mit niemandem in Kontakt und direkt in ihre Quarantänestationen kamen. Im Fall der Friesländer, beide mittleren Alters, die inzwischen positiv auf das Coronavirus Covid-19 getestet wurden, ist das eine eigene Ferienwohnung. Dort müssen die Betroffenen nun zwei Wochen ohne Außenkontakt ausharren.

Landrat Sven Ambrosy: „Es besteht kein Grund zur Panik“

„Es besteht kein Grund zur Panik oder zu Hamsterkäufen“, beruhigte am Montagabend Frieslands Landrat Sven Ambrosy auf einer eiligst einberufenen Pressekonferenz. Grund für die Einladung der Pressevertreter waren die ersten beiden bestätigen Coronavirus-Fälle im Landkreis. „Nach menschlichem Ermessen haben wir eine Ausbreitung des Virus verhindert“, so Ambrosy. „Wir gehen derzeit davon aus, dass das Virus im Landkreis nicht zirkuliert“, ergänzte Dr. Thomas Fuchs. Er und der Landrat können diese Aussage deshalb treffen, weil nach ihrer Ansicht die Zusammenarbeit aller Beteiligten reibungslos funktioniert habe und man einen Kontakt mit Dritten verhindert habe.

Den beiden Betroffenen, die mittlerweile in einer eigenen Ferienwohnung in Quarantäne sind, gehe es sehr gut, so Fuchs. Sie hatten bereits während des Urlaubs die typischen Erkältungssymptome gezeigt. Die beiden Personen sind mittleren Alters und gehören somit keiner erhöhten Risikogruppe an. Generell unterstrich Fuchs den Appell Ambrosys, nicht in Panik zu verfallen. Es gelte aber dennoch, weiterhin wachsam zu sein und auf seine Hygiene zu achten. Größere Veranstaltungen seien derzeit übrigens nicht in Gefahr. „Wir weisen Veranstalter und Lokalitäten aber auf die Situation hin und sich mit dem Virus zu beschäftigen“, so Fuchs abschließend.

Corona-Infektion im Landkreis Aurich

Auch im Landkreis Aurich wurde erstmals eine Coronavirus-Infektion festgestellt. Die Infektion wurde bei einer Auricherin diagnostiziert, die am 8. März mit entsprechenden Symptomen so wie die anderen Infizierten von einer Busreise aus Südtirol zurückgekehrt war. Nachdem sie und ihr Partner den Bus in Oldenburg verlassen hatten, wurde bereits dort ein Abstrich genommen und zum Landesgesundheitsamt nach Hannover gebracht. Das NLGA teilte dem Amt für Gesundheitswesen des Landkreises Aurich am Montag den positiven Befund mit. Das Paar befindet sich in häuslicher Quarantäne. Beide hatten seit ihrer Rückkehr keinen Kontakt zu weiteren Personen im Kreisgebiet. Das teilte der Landkreis Aurich am Montagabend mit.

Ein neuer Verdachtsfall auf Langeoog

Die zwei Verdachtsfälle im Landkreis Wittmund erwiesen sich als negativ. Allerdings gibt es einen neuen Verdachtsfall auf Langeoog. In Ostfriesland sollen ab Dienstag Corona-Testzentren an den Start gehen – eins in Wittmund, eins in Leer und ein gemeinsames für den Landkreis Aurich und die Stadt Emden.

Angesichts der zunehmenden Zahl an Coronavirus-Infektionen in Deutschland empfiehlt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen.

Auch der regionale Sport reagiert auf die Epidemie. Veranstalter von Events wie dem Ossiloop oder der Boßel-EM diskutieren mögliche Konsequenzen. Ebenfalls die Handballspiele und die Zukunft des Gorch-Fock-Laufs leiden unter dem Virus.

Die Organisatoren der Fußball-Bundesliga und der Europapokal-Wettbewerbe diskutieren darüber, ob es angesichts des Infektionsrisikos Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit geben wird. Die Französischen Behörden haben indes beschlossen, dass das Champions League-Spiel von Borussia Dortmund bei Paris Saint-Germain als Geisterspiel ausgetragen werden soll.

Das Coronavirus sorgt auch an den Aktienmärkten für Tumulte. Besonders stark betroffen sind die Ölpreise. Der Handel an der Wall Street wurde auf Grund von Kurseinbrüchen kurzfristig ausgesetzt.

Ihre Meinung

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.