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Lokal26.de Wilhelmshaven

Coronavirus: Was ist, wenn ich jetzt einen Zahnarzt-Termin brauche?

17.03.2020

Wilhelmshaven /Friesland Auch in den Zahnarztpraxen sind die Hygienemaßnahmen nochmals verschärft worden. Für die Patienten gilt: Abstand halten, Hände beim Betreten und Verlassen der Praxis desinfizieren.

Viele Patienten würden sich unaufgefordert umsichtig verhalten, viele sagten auch ihre geplanten Kontrolltermine von sich aus ab, um kein unnötiges Kontaktrisiko einzugehen, teilt Dr. Hartmut Bleß aus Varel, Vorsitzender der Bezirksstelle der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZVN), mit.

Was ist, wenn ich Schnupfen habe?

Patienten mit Erkältungssymptomen können derzeit nicht behandelt werden – ausgenommen Notfälle. Doch auch dann müsse über den Hausarzt die festgelegten Verfahren erst abgeklärt werden, ob ein Corona-Verdachtsfall vorliegt, sagt Bleß. Muss ein Testabstrich vorgenommen werden, dauert es bis zum Ergebnis bis zu 36 Stunden. Diese Zeit muss gegebenenfalls mit Schmerzmitteln überbrückt werden.

Können Notfallpatienten noch behandelt werden?

Doch letztlich muss gerade auch Notfall- und Schmerzpatienten, die am Coronavirus erkrankt sind, geholfen werden. Im Einzelnen informiert die Zahnärztekammer Niedersachsen darüber wie folgt:

Ein zahnmedizinischer Notfall eines am COVID 19-Virus Errkankten muss behandelt werden. Ob dies sinnvollerweise in einer Klinik oder eingerichteten Zentren (Situation im Bundesland beachten) geschehen sollte, muss im Einzelfall geklärt werden.

In einer zahnmedizinischen Notfallsituation, also wenn beim Patienten gesundheitliche Schäden drohen, sofern er nicht unverzüglich zahnmedizinische Hilfe erhält, ist der Zahnarzt zur Hilfeleistung verpflichtet.

Was ist für einen Zahnarzt noch zumutbar?

Die Behandlung muss dem Zahnarzt jedoch zumutbar sein. Auch aus der Berufsordnung geht hervor: Der Zahnarzt kann die zahnärztliche Behandlung ablehnen, wenn die Behandlung ihm nach pflichtgemäßer Interessenabwägung nicht zugemutet werden kann.

Nicht zumutbar kann eine Behandlung insbesondere dann sein, wenn sich der Zahnarzt dadurch einer erheblichen eigenen Gefahr aussetzt.

Eine Infektionskrankheit ist in der Regel kein Grund, in Notfällen nicht die erforderliche zahnärztliche Hilfe zu leisten. Allerdings nur dann, wenn die Infektionsgefahr durch strikte Einhaltung der gewöhnlich geforderten Hygieneanforderungen und Schutzmaßnahmen beherrschbar ist.

Wie ist es mit dem Infektionsschutz bestellt?

Stehen eigentlich erforderliche Arbeitsschutzmittel nicht zur Verfügung, sollte zunächst telefonisch Kontakt zum Patienten aufgenommen werden. Kann Abhilfe mit Schmerzmitteln oder Antibiotika geschaffen werden, um so einen Zeitraum von 14 Tagen zu überbrücken, sollte dies in Erwägung gezogen werden und die Abgabe mit der Apotheke abgeklärt werden.

Kann ein Zahnarzt zur Behandlung verpflichtet werden?

Die Frage, ob eine Behandlungspflicht von an COVID 19 erkrankten Notfall-Patienten besteht, muss am konkreten Einzelfall unter Abwägung der Ansteckungsrisiken auf der einen Seite und dem Grad des Notfalls (strengste Indikationsstellung)  auf der anderen Seite beantwortet werden.

Handelt es sich um einen erheblichen Notfall und sind entsprechend ausgerüstete Praxen oder Kliniken nicht in zumutbarer Zeit erreichbar, kann ein Zahnarzt verpflichtet sein, Ansteckungsrisiken einzugehen.

Bei weniger schwerwiegenden Notfällen und Verfügbarkeit alternativer Behandler kann sich das Ansteckungsrisiko durch COVID 19 als unzumutbar darstellen.

Die Einrichtung von zahnmedizinischen Notfallzentren unterliegt den Regelungen auf Landesebene. Die Zahnärzte sind gehalten, dazu regelmäßig die Informationen ihrer (Landes-)Zahnärztekammer zu prüfen. Noch ist Derartiges nicht in Sicht.

Welche Vorsichtsmaßnahmen müssen getroffen werden?

Welche Vorsichtsmaßnahmen sind für unaufschiebbare zahnärztliche Behandlungen von Patienten, die unter Verdacht stehen an COVID-19 erkrankt zu sein, zu treffen?

• Räumliche oder organisatorische Trennung der an COVID-19 erkrankten Patienten von den Patienten der Normalsprechstunde,

• Persönliche Schutzausrüstung für das Personal (Schutzbrille mit Seitenschutz; Atemschutzmaske FFP2; unsterile Handschuhe; langärmliger Schutzkittel; das Tragen einer Kopfhaube kann den Schutz erhöhen; für Reinigungsarbeiten Schutzhandschuhe nach DIN EN 374 mit längeren Stulpen),

• Patienten nach Betreten der Praxis für die Wartezeit Mund-Nasen-Schutz aushändigen und zum Tragen anhalten,

• Patienten anhalten, vor Verlassen der Praxis die Hände zu desinfizieren,

• Schutzkleidung nach Beendigung der Behandlung kontaminationsfrei ablegen.

Droht die Schließung von ganzen Praxen?

Muss die ganze Praxis nach dem Besuch eines Infizierten schließen?

Das RKI empfiehlt eine 14-tägige Quarantäne nur für Kontaktpersonen der Kategorie I und bei erhöhtem Expositionsrisiko der Kategorie II.

Zur Kategorie I zählen Personen mit einem „höheren“ Infektionsrisiko, darunter medizinisches Personal, wenn es ohne Schutzausrüstung engen Kontakt (unter und bis zwei Meter Distanz) zu einem bestätigten COVID-19-Fall hatte.

Die Kategorie II definiert ein „geringeres Infektionsrisiko“. Dazu zählt medizinisches Personal, das sich ohne adäquate Schutzbekleidung im selben Raum wie ein bestätigter COVID-19-Fall aufhielt, aber eine Distanz von zwei Metern nie unterschritten hat.

Hier hängt das Vorgehen von der Einschätzung des Expositionsrisikos durch das Gesundheitsamt ab: Wird es als hoch angesehen (Aerosolexposition), ist häusliche Quarantäne angezeigt. Bei geringerem Expositionsrisiko dagegen entspricht das Vorgehen der Kategorie III.

Zur Kategorie III zählt medizinisches Personal mit Kontakt von unter und bis zu zwei Meter Distanz, wenn während der gesamten Zeit eine adäquate Schutzbekleidung getragen wurde.

Müssen Mitarbeiter laufend untersucht werden?

Bei Einhaltung der empfohlenen Schutzmaßnahmen besteht laut derzeitiger Empfehlung der KZVN kein Anlass für Absonderung oder regelmäßige Untersuchung asymptomatischer Mitarbeiter. Doch die Handlungsempfehlungen können sich je nach Verlauf der Pandemie ändern, so der Hinweis der Zahnärzteorganisation.

Hartmut SiefkenLokalredaktion

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