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Lokal26.de Wilhelmshaven

Notbetreuungsplätze vergeben: Viele Eltern müssen weiter warten – Träger erreichen die Grenze des Machbaren

29.05.2020

Wilhelmshaven /Friesland Beim Thema Kinderbetreuung liegen die Nerven inzwischen bei den meisten Beteiligten blank. Denn die Situation ist angespannt. „Die Kitas sind immer noch geschlossen“, sagt Pastor Kai Wessels. Er ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Kindertagesstätten in Wilhelmshaven. „Trotzdem kommen zwischen 40 und 60 Prozent der Kinder in unsere Einrichtungen“, ergänzt er. (Anmerkung der Red.: Die 60 Prozent ergeben sich daraus, dass 13 Kinder pro Gruppe erlaubt sind, also etwas mehr als die Häfte. Eine Gruppe besteht normalerweise aus 25 Kindern). Das zeigt, wie groß der Bedarf für eine Notbetreuung inzwischen bei einem großen Teil der Eltern ist.

Viele Eltern kommen an die Grenzen des Machbaren

Die zur Verfügung stehenden Plätze werden in vielen Einrichtungen in Wilhelmshaven und Friesland beinahe ausgeschöpft. Überall gibt es täglich weitere Anfragen. Viele Eltern haben die Betreuung ihrer Kinder neben der Berufstätigkeit nun wochenlang alleine gestemmt, kommen jetzt aber an die Grenzen des Machbaren. Und dennoch: „Im Moment ist eine 50-prozentige Auslastung erlaubt. Damit können wir vielen Eltern helfen. 50 Prozent muss ich aber weiterhin absagen“, macht Petra Schrecker-Steinborn von der Wilhelmshavener Kinderhilfe klar. Sie ist Sprecherin der nicht-konfessionellen Kitas in Wilhelmshaven. Es gebe immer mehr Eltern, die dafür inzwischen kein Verständnis mehr hätten. „Ich kann es aber leider nicht ändern“, sagt Schrecker-Steinborn. Die Träger sind an die Richtlinien des Landes gebunden.

Auch in Sande sei man inzwischen überwiegend an der Grenze des Machbaren angelangt, berichtet Hans-Hermann Tramann, Bereichsleiter für Ordnung und Soziales in der Gemeinde.

„Das Engagement der Eltern, mit der Situation alleine zurechtzukommen, ist sehr groß“, lobt er. „Dennoch ist der Bedarf akut. Die Nachfrage ist im Laufe der Wochen enorm gestiegen.“

Im Wangerland wurde ein Stufenplan entwickelt

In Jever konnten nach Angaben der Stadt bisher alle Kinder einen Notbetreuungsplatz bekommen, deren Eltern einen Antrag gestellt haben. Anja Müller von der Stadt Schortens sagt: „Wir haben an jedem Standort noch einige Plätze frei, um noch für Notfälle gerüstet zu sein.“ In die Notbetreuung zurückgeholt wurden in Schortens vorrangig Kinder mit einem Sprachförderbedarf und Integrationskinder.

Im Wangerland hat man einen Stufenplan entwickelt, nach dem zusätzliche Kinder in die Notbetreuung aufgenommen wurden und noch werden.

„Zwischen den festgesetzten Terminen gilt ein Aufnahmestopp, damit die Kinder sich in einem festen Personenkreis an die durch die Pandemie geänderten Rahmenbedingungen gewöhnen können“, heißt es von Seiten der Gemeinde. In den Kitas Hooksiel und Hohenkirchen haben jedoch einige Gruppen schon die zugelassene Auslastung von 50 Prozent erreicht.

Die Vorschüler sind inzwischen auch zurück in den Kitas

Zurück in den Kitas sind inzwischen auch die Vorschüler. Das gilt für Wilhelmshaven sowie für Friesland. Die Umsetzung der Landesvorgabe, alle Vorschüler vor ihrem Wechsel in die Schule noch einmal zurück in die Kita zu holen, kann aber nicht einheitlich umgesetzt werden.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hatte vorgeschlagen, die Vorschüler getrennt von der Notbetreuung am Nachmittag einzuladen. Das stellt nicht wenige Häuser zum einen vor Personalprobleme, zum anderen auch vor Platzprobleme. Denn die Notbetreuung läuft inzischen vielerorts auch wieder ganztags – es gibt also zum Teil gar keine freien Räume am Nachmittag. Da Erzieherinnen, die aus Alters- oder Krankheitsgründen zur Risikogruppe gehören, nicht in der Betreuung eingesetzt werden sollen, tut sich das nächste Problem auf.

Hinzu kommt, dass die Zahl der Vorschüler sehr unterschiedlich ist. „Wir haben Einrichtungen mit zwölf und andere mit 39 Vorschülern“, sagt Pastor Wessels.

Dort, wo es möglich ist, gehen Vorschüler sowohl in Wilhelmshaven als auch in Friesland inzwischen im Rahmen der Notbetreuung wieder täglich in die Kita. In Jever und auch andernorts ist es zum Beispiel aber so, dass es in den städtischen Einrichtungen einmal in der Woche, in den Kitas der Diakonie zweimal in der Woche ein Angebot für die Vorschüler gibt.

Pläne des Landes werden schon wieder angepasst

Der Stufenplan des Landes Niedersachsen hatte ursprünglich vorgesehen, ab August wieder zum Regelbetrieb in den Kitas zurückzukehren. Nun ließ Minister Tonne am Mittwoch verlauten, dass er diesen Schritt – hin zu einem eingeschränkten Regelbetrieb – schon Mitte Juni wagen will. Das stellt die Einrichtungen vor neue große Herausforderungen und weckt bei den Eltern neue Begehrlichkeiten. „Die Aussagen von Herrn Tonne in der Presse sind für uns nicht hilfreich“, sagt Petra Schrecker-Steinborn. Für sie bedeutet das viele Elterngespräche, in denen sie keine konkreten Antworten wird geben können. Denn zunächst müssen die Träger nun auf die neue Verordnung des Landes warten. Wie genau ein eingeschränkter Regelbetrieb aussehen soll, weiß nämlich von den Betroffenen noch niemand.

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