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Lokal26.de Wilhelmshaven

Fruchtwein aus Wilhelmshaven: Sebastian Siegert hat sein Hobby zum Nebengewerbe gemacht

29.06.2020

Wilhelmshaven Die Landkarte der Weinanbaugebiete in Deutschland kann man jetzt um Wilhelmshaven und Friesland erweitern. Bei dieser Nachricht knallt kein Korken in der Seemannsgarnkiste. Die Manufaktur ist echt. Allerdings: Es handelt sich um Fruchtweinherstellung. Doch das ist dem Wein egal. Frucht ist Frucht, der Herstellungsprozess im Prinzip der gleiche.

Der 33-jährige Informatik-Experte Sebastian Siegert, angestellt bei einer auch in Wilhelmshaven ansässigen großen Softwarefirma, hat sein Hobby zu einem Nebengewerbe ausgebaut und keltert Obst und Gemüse nach eigenem Geschmack und nach den Wünschen seiner Kunden.

In Wilhelmshaven kann man seine Erzeugnisse im Rewe-Supermarkt der Familie Schulze an der Kopperhörner Mühle und in dem kleinen Spezialitätengeschäft „Wilhelms WunderBar“ an der Mitscherlichstraße erwerben. Darüber hinaus verkauft Siegert seine Weine auf Bauernmärkten und Landpartien, sofern Corona wie derzeit keinen Strich durch die Rechnung macht.

Die Verwertung von Obst als Dienstleistung für Gartenbesitzer

Der Autor hat mal ein Schlückchen an der Produktionsstätte im Gewerbepark der ehemaligen Kammgarnspinnerei probiert. Der Apfelwein wäre bei ihm bei einer Blindverkostung womöglich als Wein aus Weintrauben durchgegangen. Aus Golden Delicious gekeltert, überzeugte er mit nur mäßiger Süße. Er bemühe sich, die Weine möglichst trocken auszubauen, indem er dem Gärprozess lange genug Zeit lasse, erläutert Siegert. Produktion und Produkte erfüllen die lebensmittelrechtlichen Vorgaben. Jede Charge Wein lasse er im Labor untersuchen. Das Veterinäramt habe seinen Kelterbetrieb anstandslos inspiziert.

Nicht nur in Weintrauben, in allen Früchten und vielen Gemüsen steckt Potenzial für Wein. Siegert hat u. a. Apfel, Birne, Holunder, Rhabarber, Sanddorn, Kirsche, Pflaume, Quitte und Erdbeere im Angebot. Einige Fruchtsorten kauft er im Supermarkt, andere, vor allem Äpfel und Birnen, bekommt er von Gartenbesitzern geschenkt. Um seine Rohstoffbasis zu verbreitern, hofft er auf das Interesse von Kleingärtnern in der Stadt, die ihm Obst, dass sie nicht verwerten können, überlassen.

Die Verwertung von Obst bietet er Gartenbesitzern auch als Dienstleistung an. Gegen Bezahlung können sie ihr Obst in Wein verwandeln lassen.

Jedes Produkt ist einzigartig

Kernobst (Äpfel und Birnen) lässt er in einem Kelterbetrieb in Ostiem auspressen. Der schaffe schnell größere Mengen. Dabei sei sichergestellt, so Siegert, dass die Obstarten, ja nicht einmal die Sorten einer Art, durcheinandergeraten. Dann handelt es sich im Ergebnis nicht nur um Apfelwein, sondern um, beispielsweise, Boskop-Apfelwein.

Jedes Produkt sei einzigartig, bedingt durch Obstsorte und ihren natürlichen Zuckergehalt, Wetter und die kleinen Stellschrauben, die Siegert bei der Produktion dreht.

Der Saft in den bis zu 200 Liter fassenden Behältern wird je nach Obst mit Zucker und Hefe versetzt. Drei Monate dauert der Gärprozess in kühler Umgebung, bis aller Zucker vergoren ist. „Mein Wein ist mit 13 bis 16 Prozent Alkoholgehalt relativ hochprozentig, dafür ein stabiles und lebensmitteltechnisch einwandfreises Produkt“, so Siegert.

Die Nase für den Wein auf dem Weg zum Abitur entwickelt

Besten Geschmack und ansprechende Optik garantiert die sorgfältige Filterung, bevor der Wein in die Flaschen abgefüllt wird. Bei diesem aufwändigen Arbeitsschritt bekommt Siegert Unterstützung von seinem Vater Klaus (73) bzw. einer 450-Euro-Kraft. Die Flaschen bezieht er palettenweise von einem Flaschenreinigungsbetrieb an der Mosel. Ein schickes Etikett, demnächst mit dem Warencode für moderne Kassensysteme versehen, komplettiert den professionellen Auftritt des Fruchtweins aus der Manufaktur Wilhelmshaven.

Eine Nase für den Wein entwickelte sich bei Sebastian Siegert als angehender Abiturient. In einem warmen Sommer reiften im Garten seines Elternhauses in Accum sehr viele Weintrauben. Weil er sich vorher schon an Metwein versucht hatte, probierte er es jetzt mit den Trauben. Mit Erfolg. Der friesische Weißwein mundete nicht nur ihm, sondern auch vielen Freunden. Das spornte an, es auch mit anderen Früchten zu probieren. Das Hobby ließ ihn nicht mehr los – ein schöner Ausgleich später, als er Berufssoldat geworden bzw. als Software-Experte ins Zivilleben gewechselt war.

Hartmut SiefkenLokalredaktion

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