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Lokal26.de Wilhelmshaven

Gastronomie: In der Corona-Krise ist Kreativität gefragt

27.03.2020

Wilhelmshaven Es herrscht reger Betrieb am Steinofen, doch Gäste sind weit und breit nicht zu sehen. Wie bei den anderen Restaurants müssen auch im „Casa Grande“ aufgrund des Coronavirus’ die Türen für Gäste verschlossen bleiben. Auf ihr Lieblingsessen müssen diese trotzdem nicht verzichten, denn viele Betriebe bieten jetzt einen Lieferdienst an.

Für das italienische Restaurant eine ganz neue Situation, denn einen Lieferdienst gab es vorher nicht. Nun kann zwischen 12 und 21 Uhr bestellt werden. Ob Salat, Suppe, Pizza, Pasta oder Schnitzel – die Auswahl zum Abholen oder Liefern lassen ist groß. Sogar eine Rolle Toilettenpapier kann man als Aktion bei einer bestimmten Bestellung kostenlos dazubekommen. „Wir hatten unsere Vorräte aufgefüllt, bevor das alles los ging“, berichtet Serviceleiterin Jess Schwarz.

Dass sie ihren Vorrat nun mit ihren Kunden teilen, steht stellvertretend für das, was ihr und dem Team von „Casa Grande“ aktuell sehr wichtig sei: „In den schwierigen Zeiten zu wissen, dass wir alle füreinander da sind.“ Um dafür weiter Zeichen zu setzen, hat sich das Team vorige Woche Aktionen überlegt, um „diejenigen, die gerade so viel auszuhalten haben, zu würdigen“, erläutert die Serviceleiterin. Am Dienstag lieferten sie rund 100 Gratispizzen an verschiedene Empfänger. So erhielten zum Beispiel die Soldaten, die derzeit bei Bedarf für Wilhelmshavener einkaufen fahren, als Dankeschön für ihr freiwilliges Engagement einige Pizzen.

Etwa 20 bis 50 Personen bestellen pro Tag bei „Zum Knurrhahn“

Daneben konnten sich die Mitarbeiter von Rewe am Mühlenweg, zwei Apotheken, Kaufland und der Arbeiter-Samariter-Bund mit der beliebten italienischen Speise stärken. „Die müssen jetzt gerade anstrengende 12- oder 24-Stunden-Dienste machen und sollen merken, dass sie wertgeschätzt werden.“

Diese und eine ähnliche Internet-Aktion für Pflegeberufe haben schnell Solidarität von verschiedenen Seiten gezeigt. So wollte eine Apotheke die Pizzen in der auch für Gastronomen schwierigen Lage unbedingt bezahlen, berichtet Schwarz. Bei der Internet-Aktion hätten die Pflegekräfte viel Rücksicht aufeinander genommen und sich gegenseitig vorgeschlagen.

Auch an die Krise angepasst hat sich das Hotel und Restaurant „Zum Knurrhahn“ in der Flutstraße in Voslapp. Der gewohnte Betrieb ist eingestellt, dafür bietet Inhaber Herbert Wucher seit gut einer Woche einen Lieferdienst an. Kunden können von 11 bis 16 Uhr Essen von einer verkleinerten Karte bestellen und abholen oder direkt nach Hause liefern lassen. Für Wucher ist es das erste Mal, dass er Essen ausliefert. Bis jetzt läuft es dafür aber gut. „Es könnte zwar noch ein bisschen mehr sein, aber insgesamt sind wir zufrieden, die Resonanz ist gut“, zeigte er sich auf Nachfrage der Redaktion erfreut. Etwa 20 bis 50 Personen bestellen pro Tag in seinem Restaurant Essen. Existenzängste hat Wucher angesichts der Corona-Krise noch nicht: „Momentan geht es noch. Es kommt aber natürlich darauf an, wie lange sich die derzeitige Situation noch fortsetzt.“

„Wir haben extra alle Kunden angerufen, um sie zu informieren“

So lange wie es noch möglich ist für die Menschen da sein, möchte auch das Restaurant „Artischocke“. Sonst empfängt es die Gäste im Gebäude des Stadttheaters, jetzt bieten auch sie ihnen einen Hol- und Bringdienst an. „Wir haben extra alle Kunden angerufen, um sie zu informieren“, berichtet Sabrina Schröder vom „Artischocke“-Team.

Abholen oder bringen lassen kann man sich Essen dienstags bis samstags. Zwischen 10 und 14.30 Uhr werden Bestellungen entgegengenommen, gefahren und abgeholt wird ab etwa 12 Uhr. Die jeweils aktuellen Gerichte des Mittagstisches können im Internet nachgesehen oder telefonisch erfragt werden. Schon am ersten Tag sei der Service sehr gut angenommen worden, so Schröder.

Damit alles risikofrei abläuft, kommen Desinfektionstisch und Abstandsmarkierungen für Abholer zum Einsatz. „Lieferungen stellen wir manchmal nur vor die Tür und machen den Geldwechsel dann über ein kleines Körbchen“, erzählt Schröder. So ein Körbchen gibt es auch im Restaurant. Dort wird, als besondere Hygiene-Maßnahme, das eingenommene Bargeld nach Ladenschluss gereinigt.

Viele treue Kunden wollen das „CaOs“ unterstützen

Vorsichtsmaßnahmen werden auch vom Team des Restaurants „CaOs“ getroffen. Neben dem Einhalten der Hygiene-Regeln entstehen kreative Ideen. „Eine Lieferung habe ich in einen Aufzug gestellt, das Geld kam dann zurückgefahren“, berichtet Geschäftsführer Victor Stenzel. Die Kundin hat sich aktuell selbst in Quarantäne begeben.

Das verkleinerte Angebot bestehe aus den beliebtesten Klassikern des „CaOs“, die man nun mittwochs bis montags, von 12 bis 20.30 Uhr bestellen kann. Bei den Lieferungen merke er, dass der Service gut ankomme. Auch Selbstabholen ist möglich – der Hygiene wegen durch ein Fenster. Viele treue Kunden wollen das „CaOs“ in der schwierigen Zeit unterstützen, sagt Stenzel. Das freue und rühre ihn sehr.

Die Frage, wie sicher es ist, derzeit Essen zu bestellen, lässt sich nur schwierig beantworten. Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt, erklärt: „Die Restaurants müssen sich an strenge Hygiene-Regeln halten.“ Diese seien zu Beginn der Krise verschärft worden. Die Einhaltung werde überprüft. Zu den Regeln gehört auch, dass das Essen vorher telefonisch oder per E-Mail bestellt werden muss sowie nicht in einem Radius von 50 Metern um das Restaurant verzehrt werden darf. „Damit soll vermieden werden, dass sich beim Warten oder Essen Gruppen bilden“, erklärt Muth.

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