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Lokal26.de Wilhelmshaven

Diese Schule belebt den Südstadt-Kiez

03.12.2019

Wilhelmshaven Die Grundschule Rheinstraße ist „Schule Plus“. Wie auch die Finkenburgschule und die Oberschule Mitte nimmt sie teil an einem Programm des Kultusministeriums, das Schulen „mit besonderen sozialen Herausforderungen“ unterstützen soll.

Dass diese Herausforderungen bestehen, steht auch für Schulleiterin Andrea Oltmanns sowie Mareike Siefken und Manuela Theilen-Wolk außer Zweifel. Die Schule komme gerade aus einer kritischen Situation, nicht zuletzt durch Personalmangel verursacht. Jetzt aber sei sie auf einem guten Weg, diese Herausforderungen zu meistern.

Nicht nur die durch das Programm gebotene personelle wie finanzielle Unterstützung weist dabei den Weg. Voraussetzung, um als eine von 20 Schulen landesweit in das Programm aufgenommen zu werden, war die Bereitschaft von Schulleitung, Kollegium, Mitarbeitern und Eltern, sich einer konzeptionellen Weiterentwicklung zu stellen. Vieles, was vor allem in diesem Halbjahr angelaufen ist, greift auf frühere eigene Ideen und Initiativen zurück, die zwischenzeitlich nicht mehr mit dem anfänglichen Elan verfolgt werden konnten, sind sich Schulleitung und Elternvertretung einig.

Das Programm „Schule Plus“ steht im Zusammenhang mit dem „Aktionsplan Sekundärmigration“ der Landesregierung. Da passt die GS Rheinstraße bestens hinein: Die Schule liegt mitten in der Südstadt, die wie kaum ein anderes Quartier der Stadt von Migration geprägt ist. Die 220 Kinder stammen aus rund 40 Nationen. 79 sind Flüchtlingskinder.

Für Schulleitung und Elternvertretung ist das kein Grund zum Jammern. Im Gegenteil. Die Vielfalt sei kein Notstand, sondern eine Chance. Auch für die Kinder, sagen die beiden Mütter. An dieser Schule könnten sie international aufwachsen und lernen, offen und vorurteilsfrei mit Menschen anderer Herkunft umzugehen.

Natürlich ist es eine Herausforderung, wenn immer wieder Kinder neu in die Schule kommen, die noch kein Wort Deutsch können. Doch eine pädagogische Mitarbeiterin, die in Syrien als Lehrerin tätig war, hilft, den Kindern schnell die neue Sprache beizubringen. Auch im Miteinander mit Kindern, die in der Heimat und auf der Flucht schwer traumatisiert wurden, sehen Schulleiterin und Mütter kein Drama. „Die fügen sich gut ein.“

Ein Elterncafé, das mit Hilfe des Familienzentrums Süd und einer Dolmetscherin jeweils montags um 11 Uhr zum Austausch einlädt, bietet auch Eltern unterschiedlicher Nationalitäten die Möglichkeit, das deutsche Bildungssystem kennenzulernen und zu lernen, dass Schule in Deutschland die Möglichkeit zur Mitwirkung bietet. Beispielsweise können sich Eltern bei den an der Schule tätigen Lesepaten einbringen.

Seit Beginn des Schuljahres wurden viele Kontakte intensiviert oder neu geknüpft. Mit dem Familienzentrum Süd ebenso wie mit der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, der Kirchengemeinde und Sportvereinen.

Die Schule will sich fest im Kiez verankern und die im Quartier verfügbaren Angebote nutzen, um den Kindern unterrichtsbegleitend in der sechsten Stunde und am Nachmittag sinnvolle Beschäftigungen zu ermöglichen.

Allerdings sei eine Umstellung auf Ganztagsbetrieb nicht möglich, sagt die Schulleiterin. Gebäude und Schulgelände bieten keinen Platz für eine Mensa. Für Kinder berufstätiger Eltern gibt es 40 Hortplätze mit Betreuung bis 16 Uhr. Nun entdecken die „Zeitdetektive“ historische Gebäude in der Südstadt. Dank Kooperation mit der Musikschule gibt es musikalische Früherziehung, mit der benachbarten „Schule an der Deichbrücke“ der GPS Basteltage. Zusammen mit „Grün und bunt“ können die Kinder Natur verstehen lernen. Das grüne Klassenzimmer und die Begrünung des Schulhofs sollen reaktiviert werden. Das Kooperationsprojekt mit dem Wattenmeer-Besucherzentrum bringt den Kindern die Welt auf der anderen Seite des Großen Hafens näher.

Die Stadt als Schulträger hilft ebenfalls mit. Die Aula wird mit Spielzeug ausgestattet, um auch Regenpausen mit Bewegung und Entspannung verbringen zu können. Zum 1. Februar gibt es einen neuen Sozialraum mit einem Sozialarbeiter, der den Kindern die Chance gibt, sich Frust und Kummer von der Seele zu reden und Probleme zu lösen.

Auch personell sieht Andrea Oltmanns ihre Schule inzwischen wieder gut aufgestellt. Das Stammkollegium sei „top“, mit zugewandten, kinderlieben Pädagogen. Referendare und Praktikanten leisten Verstärkung.

Dank „Schule Plus“ steht ein multiprofessionelles Beratungsteam Lehrern und Mitarbeitern zur Seite. Was den beiden Müttern besonders gut gefällt: „Zu allen stehen die Türen offen.“

Ursula Grosse BockhornLokalredaktion

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