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Lokal26.de Wilhelmshaven

Wie Nachwuchs-Mediziner in die Region gebracht werden sollen

22.01.2020

Wilhelmshaven Die Entwicklungsgesellschaft JadeBay kümmert sich in den kommenden beiden Jahren darum, Nachwuchs-Ärzte für die Region zu gewinnen. Sie hat dafür die Projektkoordinatorin Martina Schröder, die diesen Job zuvor im Auftrag der Bezirksstelle der Ärztekammer erledigte, übernommen. Das Projekt wird zur Hälfte von den Landkreisen Friesland, Wittmund, Wesermarsch und der Stadt Wilhelmshaven sowie auf der anderen Seite von der N-Bank getragen. Darüber berichteten Schröder und JadeBay-Geschäftsführer Frank Schnieder.

Das Projekt wird weitergeführt, weil es Erfolg hatte, so Schnieder und Schröder. Unter dem Titel „Land(Er)Leben. Medizin Lernen und Leben von Jade bis Weser“ war es der Gesundheitsregion JadeWeser gelungen, in den vergangenen beiden Jahren eine Assistenzarztstelle, sieben Famulaturen und drei für das Jahr 2020 anstehende Plätze für ein „Praktisches Jahr“, das Medizinstudierende im Anschluss an das zehnte Semester absolvieren, zu vermitteln.

Warum dringend gehandelt werden muss

Es besteht Handlungsbedarf: In zehn Jahren sind viele der jetzt praktizierenden Ärzte in den Ruhestand gegangen. Versorgungsmangel droht.

Um die jungen Leute an die Küste zu locken, muss man sich hierzulande das sinnbildliche „Bein ausreißen“, denn nicht nur an der Küste sei der Medizinermangel abzusehen, praktisch überall in Deutschland ringe man um den Nachwuchs.

„Wir können nicht mit so viel Geld wie manche Kommune werben, sondern müssen versuchen, die Leute auf einer eher emotionalen Basis für uns zu interessieren, vor allem, indem wir Kontakte schaffen“, erläutert Schnieder.

Martina Schröder hat in den vergangenen beiden Jahren ein Netzwerk aufgebaut, dem Ärzte und Krankenhäuser vor Ort angehören, das sie aber auch in die Universitätsstädte Göttingen, Hannover, Magdeburg, Münster und Hamburg ausgeworfen hat. Studenten aus diesen Städten konnte sie in Zusammenarbeit mit den Ärzten vor Ort verschiedene Kurse anbieten, die diese an die Praxis der medizinischen Versorgung heranführten, beispielsweise ein Sonografiekursus. Lehrangebote machten die Krankenhäuser in Brake, Sande, Varel, Nordenham, Wilhelmshaven, jetzt kommt das Krankenhaus Wittmund hinzu. Darüber hinaus wird den Studenten ein Programm geboten, das ihnen die Region als Wohlfühlort fürs Leben präsentierte.

Damit die Studenten nicht mit doppelten Mieten während ihrer mehrwöchigen Praxisphasen belastet werden, übernehmen die teilnehmenden Krankenhäuser, etwa das Wilhelmshavener Klinikum, die Mieten vor Ort bzw. stellt ihnen eine kostenlose Unterkunft – und erfüllen damit einen oft geäußerten Wunsch. Darüber hinaus aber könne man keine Aufwandsentschädigung bezahlen, bedauert Schnieder. Es gibt Städte und Landkreise, die Stipendien vergeben – mit der Verpflichtung, dass die Jungmediziner anschließend fünf Jahre in diesen Kommunen arbeiten.

Ärzte sollen Paten bekommen

Ohne die Bemühungen der Gesundheitsregion, ohne das Nachfassen von Martina Schröder und die ausdrücklichen Einladungen wären die Studenten nicht hierhergekommen. Umso bedauerlicher ist die Entscheidung der Universitätsklinik Göttingen, nicht mehr mit dem Klinikum Wilhelmshaven als Lehrklinikum zu kooperieren; die Uniklinik begründete dies u. a. damit, dass die Studierenden nicht dazu zu bewegen seien, den Weg nach Wilhelmshaven auf sich zu nehmen.

Umso wichtiger sei es, so Schnieder, dass es dem Klinikum gelinge, an eine andere Hochschule anzudocken. Wenn sich die Studierendenzahl der European Medical School in Oldenburg erhöhe, sollte es möglich sein, dass sich deren Studenten auch in den Kommunen rund um den Jadebusen Praktika- und Famulantenstellen suchen. „Bei unseren Ärzten und Kliniken würden sie intensiv betreut“, so Schnieder.

In den kommenden beiden Jahren wird die JadeBay in Kooperation mit der Gesundheitsregion Jobbörsen für Mediziner an Hochschulen besuchen und dort ihren Messestand, der von Martina Schröder und örtlichen Medizinern betreut wird, aufbauen. Auch wolle man Kontakt zu Schülern der hiesigen Gymnasien, die Medizin studieren wollen, aufnehmen und die Verbindung halten, um sie von der Ausübung ihres späteren Berufs in der Heimat zu überzeugen. „Wer hier aufgewachsen ist, kennt die Vorzüge der Region und schätzt vielleicht die Nähe zur Familie“, hoffen Schnieder und Schröder.

Schließlich wolle man den Versuch starten, Paten für ausländische Ärzte, die in Krankenhäusern der Region arbeiten, zu finden, um sie zu gewinnen, länger als vielleicht geplant zu bleiben, indem man ihnen das Einleben hier erleichtert. Ein in Augen Schnieders lohnender Versuch, schließlich sei der Anteil ausländischer Ärzte beispielsweise am Klinikum sehr hoch.

Hartmut SiefkenLokalredaktion

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