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Lokal26.de Wilhelmshaven

Kirchen müssen abwägen: Der Spagat zwischen Gesundheitsrisiko und Seelsorge

09.04.2020

Wilhelmshaven An der Banter Kirche ebenso wie an der Christus- und Garnisonkirche sind seit Tagen die Türen geschlossen. „Aus Liebe zu den Menschen“, sagt Pastor Frank Morgenstern von der Christus- und Garnisonkirche zur Begründung, warum die Gemeinde der dringenden Empfehlung der Landeskirche zur Schließung am 23. März gefolgt ist.

Zwischen der Banter und der Christus- und Garnisonkirche liegen die katholischen Kirchen St. Marien und St. Willehad. Sie sind die ganze Zeit über tagsüber geöffnet. Auch die katholische Gemeinde folgt einer Weisung der Kirchenleitung, in diesem Fall der des Bistums Münster. Und die besagt: Die Kirchengebäude sind nach Möglichkeit offen zu halten. Ebenfalls aus Liebe zu den Menschen, wie die Nachfrage im Offizialat in Vechta ergibt.

Es ist eine Gratwanderung bis hin zu einer Zerreißprobe. Auf der einen Seite steht die Einsicht, dass alles getan werden muss, eine Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Auf der anderen Seite steht das Wissen, dass Menschen gerade in Krisenzeiten kirchlichen Beistand suchen und dazu gehört auch die Möglichkeit des stillen Gebets in einer Kirche.

Wie sehen die staatlichen Auflagen auf?

Einig sind sich die Ev.-luth. Kirche in Oldenburg und das Bistum Münster, dass sie den staatlichen Auflagen folgen. Und das heißt: Gottesdienste und Andachten sind ebenso wie alle Veranstaltungen abgesagt, im Bistum Münster mittlerweile bis zum 1. Mai. Beerdigungen sind nur noch im engsten Kreis möglich. Taufen, Trauungen, Konfirmationen ebenso wie Erstkommunionfeiern und Firmungen sind ebenfalls nicht zulässig.

Gelegenheit für das persönliche Gebet?

Während aber Gottesdienste ausdrücklich untersagt sind, gibt es hinsichtlich der Öffnung von Kirchengebäuden keine staatlichen Auflagen. Warum sollen wir freiwillig unsere Kirchen schließen?, fragt die katholische Bistumsleitung und verweist darauf, dass in Nordrhein-Westfalen Baumärkte die ganze Zeit über öffnen durften.

Sie legt aber Wert darauf, dass Gläubige nur einzeln oder zu zweit die Kirchen betreten dürfen und die Abstandsregeln einhalten. „Wir haben das vom Pfarrbüro aus im Auge“, sagt für die St.-Willehad-Kirche Pfarrer Andreas Bolten. Wenn – wie beispielsweise in Sande am vergangenen Sonntag – größere Zahlen von Gläubigen zu den üblichen Gottesdienstzeiten die Kirche aufsuchen, ist das nicht im Sinne der Regelung. Da werde noch nachgebessert.

Tradition spielt eine große Rolle

Wie Münster halten die meisten der 27 deutschen Bistümer ihre Kirchen offen.

Dabei spielt die Tradition und das Verständnis des Kirchenraums eine große Rolle. In katholischer Sicht ist im Tabernakel, in dem der Hostienkelch mit der Hl. Kommunion verwahrt wird, der Leib Christi selbst präsent. Deshalb sollten Gläubige auch außerhalb von hl. Messen in den Kirchen die Nähe des Herrn suchen. Diese Sicht lehnten die Kirchen der Reformation ab. Die Gläubigen sollten Gott im Alltag suchen. Deshalb waren die Kirchengebäude zumeist nur während der Gottesdienstzeiten geöffnet. Erst zum Ende des vergangenen Jahrhunderts wurden die Rufe lauter, Kirchen verlässlich offen zu halten. Der Fachausschuss Kirchen- und Klostertourismus in der Landeskirche Hannover begann, Standards für „verlässlich geöffnete Kirchen“ zu entwickeln. Dabei standen zunächst Touristenregionen im Vordergrund.

Warum herrscht Uneinigkeit?

In der aktuellen Auseinandersetzung „Kirche öffnen oder schließen“ läuft die Trennlinie denn auch keineswegs nur zwischen den Konfessionen. Die Landeskirche in Mecklenburg-Vorpommern hat am vergangenen Montag empfohlen, alle Kirchen offenzuhalten. Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann sprach sich Ende März in einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (EPD) dafür aus, einzelne Kirchen aufzuhalten. Das sei auch ein Stück Seelsorge. „Wenn das in einem Lebensmittelladen geht, warum soll es nicht auch in einer Kirche möglich sein?“, so Käßmann. Ihr Nachfolger als hannoverscher Landesbischof, Ralf Meister, lehnte das noch in der vergangenen Woche ab. Es fehle das Personal, um die Einhaltung der Abstandsregeln zu kontrollieren.

Am Dienstagabend vollzog Meister als Vorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen nach einem Gespräch mit dem Krisenstab der Landesregierung die Kehrtwende. Der folgte auch die Landeskirche in Oldenburg.

Ursula Grosse BockhornLokalredaktion

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