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In Sachen Kohle sieht der Rhenus-Midgard-Geschäftsführer schwarz

08.02.2020

Wilhelmshaven Die gute Nachricht vorweg: Das Unglück mit den leeren Kohlewaggons in Bremen und die folgende Streckensperrung hatte bei Rhenus Midgard keine ernsten Auswirkungen. „Die Deutsche Bahn hat am nächsten Tag einen anderen Zug über eine andere Strecke geschickt. Unser Kunde hat die Kohle also mit nur einem Tag Verzögerung erhalten“, sagt Matthias Schrell, Geschäftsführer von Rhenus Midgard in Wilhelmshaven.

Doch beim Blick auf das Ergebnis des vergangenen Jahres verfliegt sein Lächeln. Seine Zuversicht von Anfang 2019 hat sich zerschlagen – die Zielmarke von vier Millionen Tonnen Kohle wurde deutlich verfehlt: „2019 war ein schlechtes Jahr. Wir haben tatsächlich nur 2,3 Millionen Tonnen Kohle umgeschlagen – das ist rund eine Million Tonnen weniger als im eh schon schwachen Jahr 2018.“

Großteil des Steinkohleimports erfolgt über Wilhelmshaven

Über den Bulk Terminal Wilhelmshaven (BTW) an der Niedersachsenbrücke erfolgt ein Teil des deutschen Steinkohleimports. Vom Kohlelager auf dem Rüstersieler Groden aus werden bislang nicht nur die beiden benachbarten Kohlekraftwerke versorgt, sondern weitere im Binnenland. „Wir bekommen bereits zu spüren, dass die deutschen Kohlekraftwerke weniger Laufleistung haben. Einige Kraftwerke haben deshalb noch Kohle liegen. Daran wird sich in diesem Jahr nicht viel ändern, denn die Kraftwerksituation wird nicht besser“, so Schrell. Am BTW haben im vergangenen Jahr nur 34 Schiffe festgemacht – nach 41 im Jahr davor.

Zerschlagen hätten sich 2019 zudem die Hoffnungen auf den Stahlsektor, der ebenfalls Kohle benötigt. „Der reduzierte Stahlabsatz hat dazu geführt, dass uns ein laufender Vertrag nicht verlängert und ein neuer kurzfristig abgesagt wurde.“

Die eine Folge: „Eine geplante Investition für ein neues Werkstattgebäude auf dem Rüstersieler Groden wurde auf Eis gelegt, andere Investitionsentscheidungen werden überprüft“, beklagt der 47-jährige Geschäftsführer.

Aktuelle Lage hat auch Auswirkungen auf Personalentwicklung

Die andere Folge betrifft das Personal. „Bislang hat sich unsere Mitarbeiterzahl nicht signifikant verändert. Doch wir setzen bereits die üblichen Mittel ein: Wo jemand in Rente geht, wird die Stelle nicht automatisch neu besetzt, befristete Arbeitsverträge nicht mehr zwingend entfristet.“ Außerdem würde Rhenus Midgard bei bestimmten Arbeiten nun eher eigene Mitarbeiter als Fremdpersonal einsetzen.

„Wir haben den Kragen hochgestellt, den Südwester festgezurrt und wettern das erstmal ab“, so Matthias Schrell. „Über dieses Jahr hinaus wagt derzeit in unserer Branche niemand eine Prognose.“

Erleichtert zeigt er sich über die wegen des Kohleausstiegs angekündigte Unterstützung von Bund und Land sowie die Gesprächsrunden auch mit der Stadt.

Nun ist Rhenus Midgard in Wilhelmshaven mit seinem Baustoffumschlag und Projektladung im Nordhafen und das Containerlager im JadeWeserPort breit aufgestellt. „In diesen Bereichen läuft es gut – auch wenn das den Einbruch beim Kohleimport nicht ausgleichen kann. Das Lager soll bald erweitert werden.“

Michael HalamaHafen, Schifffahrt und Marine

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