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Jetzt kommt es auf den Rat an

13.02.2020

Wilhelmshaven Über die Zukunft von Feuerschiff „Weser“ und Tonnenleger „Kapitän Meyer“ diskutierten gestern Oberbürgermeister Carsten Feist, der Landtagsabgeordnete Holger Ansmann (MdL), Heiner Holzhausen (Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung), Michael Diers, Geschäftsführer der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit GmbH (WTF), und Dr. Christina Wawrzinek (Leiterin Küstenmuseum).

Gleich zu Beginn stellte der Oberbürgermeister klar, dass die Ausgangslage für beide Schiffe eine gänzlich andere ist. Während sich der Rat für den Erhalt des Feuerschiffes ausgesprochen habe, gebe es für die „Kapitän Meyer“ keinerlei Beschlussfassung. Sowohl der Verkauf des Tonnenlegers an die Stadt Tönning als auch dessen Sanierung wurden abgelehnt.

Die „Weser“, so habe es der Rat beschlossen, solle dem Küstenmuseum angeschlossen und museal genutzt werden. Für die Sanierung müssten 2,7 Millionen Euro (ohne Unterhaltungskosten) investiert werden. Weil ein Nutzungskonzept vorliegt, konnten auch bereits Fördergelder beantragt werden. Die Idee, Feuerschiff und Tonnenleger gemeinsam als schwimmende Plattformen des Küstenmuseums an den Bontekai zu legen und museal zu nutzen, wie sie von der Museumsleiterin Wawrzinek gemeinsam mit Nikša Marušić als zuständigem Referatsleiter der Stadt entwickelt wurde, hält Feist für gut. „Aber wir brauchen eine Beschlussfassung des Rates, sonst geht es nicht weiter!“ Spätestens im April werde die Verwaltung eine entsprechende Vorlage einbringen, als „letzte Patrone“, wie der OB betonte.

Traditionsschiffe seien maritimes Kulturgut und sorgen in ihren jeweiligen Häfen für zusätzliche touristische Attraktivität, befand Holger Ansmann. Bislang aber sei die Diskussion rein von Feuerschiffen geprägt gewesen – dafür aber erfolgreich. So werde der Erhalt der Feuerschiffe inzwischen unter anderem vom Sonderprogramm Denkmalschutz des Bundes gefördert.

Vier der bundesweit sieben Feuerschiffe liegen in Niedersachsen. In Emden trägt das Land als Co-Förderer einen erheblichen Teil der Kosten, weitaus mehr, als an den anderen drei Standorten. „Was für Emden gilt, muss für alle gelten“, forderte Ansmann. Natürlich wäre es gut gewesen, hätte man für die „Kapitän Meyer“ ebenfalls Fördergelder aus dem Sonderprogramm Denkmalschutz bekommen können, aber das sei (bis heute) wegen der ungeklärten Situation in der Stadt nicht möglich gewesen. Er sehe Chancen, Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zu bekommen, aber „wir müssen schnellstmöglich den Turn-Around schaffen, einen Beschluss vorlegen und einen Antrag stellen“. Die Sanierungskosten könnten bis zu 95 Prozent über Fördergelder finanziert werden – beim Feuerschiff und beim Tonnenleger.

Das Feuerschiff passe perfekt zum Ausstellungskonzept des Küstenmuseums, sagte Christina Wawrzinek. „Und es macht als Blickfang unser Haus nach außen deutlicher sichtbar.“ Angedacht sei dort eine Ausstellung zur Geschichte der Feuerschiffe und zum Leben an Bord. „Einige Kajüten sind sehr schön erhalten, das möchten wir nutzen.“

Auch die „Kapitän Meyer“ könnte nach ihrem Konzept Ausstellungsschiff werden, aber mit anderen Inhalten. „Ein Tonnenleger, noch dazu mit Dampfantrieb, ist ein sehr spezialisiertes Schiff. Deshalb wären hier Technik und Technikgeschichte die inhaltlichen Schwerpunkte.“

Beide Schiffe zusammenzuhalten und gemeinsam zu nutzen, hält auch der „Freundeskreis“, der sich zusammengefunden hat, um sich für eine Zukunft des Tonnenlegers in Wilhelmshaven stark zu machen, für einen sehr gute Lösung. Aber man sollte sich nicht auf die museale Schiene begrenzen, so Mitglied Heiner Holzhausen. „Die ‚Kapitän Meyer’ könnte auch eine Art außerschulischer Lernort werden. Junge Leute könnten sich dort mit der maritimen Wirtschaft und der Stadtgeschichte beschäftigen. Hier sehen wir großes Potenzial.“ Holzhausen machte aber auch deutlich, dass der Freundeskreis kein Verein werden wolle, der am Ende den Hut auf hat. Überhaupt sehe man die Idee, für den Erhalt des Schiffes einen Verein zu gründen, eher skeptisch. „Bei der Südzentrale hat es auch einen Verein gegeben. Und das ist bekanntlich in die Hose gegangen!“ Der Rat müsse nun endlich entscheiden, damit Anträge gestellt werden könnten. „Wer weiß schon, wie lange die Gebermentalität anhält.“

Diers steht der Idee, die beiden Schiffe fest vor das Küstenmuseum zu legen, eher distanziert gegenüber. „Ich bin ja Verfechter eines Museumshafens. Damit wäre es bei dieser Lösung vorbei“, sagt er. Seiner Meinung nach bräuchte es Schiffe, die auch fahren, und nicht dauerhaft fest liegen. „Ich habe auch Angst, dass wir nach zehn Jahren wieder vor den gleichen Problemen stehen wir heute.“

Der WTF-Chef betonte aber auch, sich dem Konzept nicht in den Weg stellen zu wollen. „Wenn wir wirklich 95 Prozent Fördermittel bekommen können, müssen wir das machen!“

Dass sich das vorgeschlagene Konzept und ein Museumshafen ausschließen, sei nicht der Fall, befand OB Feist. Das hänge sehr davon ab, was man überhaupt unter einem Museumshafen versteht. „Unsere Museumsschiffe könnten der Anker sein, Gastschiffe für Belebung sorgen.“ Touristisch wäre die museale Lösung ein Gewinn, ist er überzeugt. „Und wir hätten neben der KaiserWilhelm-Brücke ein neues tolles Fotomotiv. Bilder gehen heutzutage durch die ganze Welt. Es wäre also eine tolle Werbung für unsere Stadt!“

Lutz RectorLokalredaktion

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