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Lokal26.de Wilhelmshaven

Nach Schlaganfall: Der lange Lauf von Sandra Minits zurück ins Leben

14.01.2020

Wilhelmshaven Mit 18 hatte sie ihren ersten Schlaganfall, der zweite folgte mit 31, der dritte mit 37 Jahren. Sandra Minits erzählt direkt und ohne Hemmungen von den schweren Schicksalsschlägen, die ihr Leben bis heute prägen.

Der erste Schlaganfall erwischte sie mitten in der Ausbildung zur Altenpflegerin. Bereits als Jugendliche litt sie unter heftigsten Migräne-Attacken. Diese, in Kombination mit der Einnahme der Pille, begünstigten den ersten Schlaganfall.

„Gott sei Dank hatte ich damals keine großen Folgeschäden. Ich hatte wirklich riesengroßes Glück“, blickt sie auf diesen Hirninfarkt zurück. Sie hatte zwar mit Schwindel und Gleichgewichtsproblemen zu kämpfen, aber nach etwa einer Woche im Krankenhaus hatte sich die 18-Jährige soweit stabilisiert, dass sie ihr altes Leben uneingeschränkt weiterführen konnte.

Anders war es dann im Jahr 2004. Die 31-Jährige war schwanger, ihr Sohn kam in der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt, wog 680 Gramm. „Es ging mir wirklich nicht gut damals. Ich hatte eine Schwangerschaftsvergiftung, lief in einer Nacht mit 20 Liter Wasser voll, das Wasser drückte derart, dass meine Augen total schief standen“, berichtet die Wilhelmshavenerin.

Intensiv-Station, Ronald-McDonald-Haus in Oldenburg, Reinhard-Nieter-Krankenhaus: Es dauerte, bis Sandra Minits und ihr Baby wieder nach Hause gehen durften.

Doch für das junge Familienglück blieb keine Zeit. „Ich stand unter der Dusche, als plötzlich mein rechter Arm ganz warm wurde und es sich so anfühlte, als gehöre er nicht mehr zu mir“, erzählt die 46-Jährige.

Auch ihr linkes Bein wollte nicht so recht funktionieren. In der „Stroke unit“-Abteilung des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch wurde ihr zweiter Schlaganfall behandelt. Und der hatte sie viel härter getroffen als der erste. Eine Teillähmung der rechten Hand war geblieben, sodass die junge Mutter das Schreiben ganz neu erlernen musste. „Vieles habe ich damals aus der Not heraus mit links gemacht, deshalb bin ich heute, bis aufs Schreiben, beidhändig“, sagt Sandra Minits, die sich als junge Mutter damals ja auch um ihr Baby kümmern musste – und wollte. Mit ihren 31 Jahren kämpfte sie sich erneut zurück ins Leben. Ohne die enorme Unterstützung ihrer Familie wäre ihr das nicht gelungen, ist sie sich sicher. Doch sie hat es geschafft, umsorgte ihr Söhnchen, ging zurück in den Beruf und arbeitet seit 1998 in der Psychiatrie des Klinikums Wilhelmshaven.

Der dritte Schlaganfall

Sechs Jahre später erlitt sie als 37-Jährige dann ihren dritten Schlaganfall. Sie war aus dem Nachtdienst nach Hause gekommen, als sie merkte, dass irgendetwas etwas nicht stimmte. Ihr kleiner Sohn setzte damals den Notruf ab. Wieder war das auslösende Moment wohl eine heftige Migräneattacke gewesen. „Und wieder war es Prof. Reinhard Rohkamm, Neurologe in Sanderbusch, der mir geholfen hat“, erklärt die Wilhelmshavenerin, die dem Mediziner, der sie bereits nach den ersten Vorfällen behandelt hatte, bis heute sehr dankbar ist. Nach dem dritten Schlaganfall stellte er sie auf ein neues Medikament ein, „seitdem läuft es sehr gut – toi, toi, toi“, sagt Sandra Minits und klopft dreimal auf die Holzplatte des Tisches.

Ihr linkes Bein und die rechte Hand sind zwar bis heute durch Spastiken und Schmerzen in Mitleidenschaft gezogen, vor allem nachts, morgens und bei starken Wetterumschwüngen. Doch für die 46-Jährige ist dies kein Grund aufzugeben. Im Gegenteil.

Bis heute zieht sie zweimal wöchentlich ihre Krankengymnastik durch und nimmt dauerhaft Medikamente gegen den Spasmus. Und als sie damals nach Schlaganfall Nummer drei nur mit einer Gehhilfe laufen konnte, kämpfte sich sich eben mit dem Stock über unebenes Gelände.

Doch die Gehhilfe hat sie nun seit einem halben Jahr nicht mehr benutzt, denn es läuft derzeit richtig gut – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Am 18. März 2019 schloss sie sich zum ersten Mal der Anfängergruppe des Lauftreffs Wilhelmshaven an, mit dem ihr Mann bereits regelmäßig läuft. „Wir mussten zwei Minuten locker laufen und wieder zwei Minuten gehen. Immer im Intervall – und ich war nach 20 Minuten fix und fertig“, erinnert sich Sandra Minits. Aber sie biss die Zähne zusammen und blieb am Ball, merkte sie doch, dass das Laufen ihrem Körper gut tat. Und dann schaffte sie das, was sie bis dahin für unmöglich gehalten hatte: Sie absolvierte bei extremer Hitze beim Gorch-Fock-Lauf im Juni die Fünf-Kilometer-Distanz. Sandra Minits: „Das war ein unglaublicher Erfolg für mich.“

Da sie im Laufe der Zeit 25 Kilogramm abgenommen hatte, musste sie im vergangenen Sommer medikamentös neu eingestellt werden und eine Sportpause einlegen. Aber im August stand die 46-Jährige bei der nächsten Anfängergruppe des Lauftreffs wieder auf der Matte, nahm unter anderem am Silvesterlauf des Lauftreffs „Ge(h)zeiten“ in Jever teil und hat sich nun zum Ziel gesetzt, die zehn Kilometer beim „Venloop“ am 29. März in Venlo (Niederlande) zu meistern.

Gesundheitlich ist sie fit wie schon lange nicht, zweimal ist sie schon zehn Kilometer gelaufen – also warum nicht auch in Venlo? Sie weiß: Der lange Lauf zurück ins Leben beginnt jeden Tag aufs Neue.

Cornelia LüersRedaktionsleitung

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