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Raus aus der Marine, rein in die Marine

04.12.2019

Wilhelmshaven Da hat seinerzeit jemand Weitsicht bewiesen. „Vielleicht sehen wir Sie ja einmal als Militärpfarrer hier wieder“, hieß es 1994 zur Verabschiedung von Kai Kleina. Nach dem Abitur war er zwei Jahre zuvor als Offiziersanwärter in die Marine eingestiegen, ließ sich im Orkantief Seebeine wachsen auf der „Gorch Fock“, fuhr im Flottenpraktikum noch auf dem Zerstörer „Schleswig-Holstein“. Als Kai Kleina bei aller Leidenschaft für die Seefahrt merkte, dass seine Berufung eine andere ist, ließ die Marine ihn ziehen. „Meine Vorgesetzten hatten seinerzeit großes Verständnis für meine Entscheidung.“

Nun hat sie den in Bünde/Westfalen aufgewachsenen Mann wieder – als Pastor. „Seit September bekleide ich das Militärpfarramt III, einen Monat später stieg mein Pfarrhelfer Gerold Redemann ein“, erzählt Kai Kleina. Der Weg zurück an die Küste verlief für ihn nicht schnurgerade. „Ich habe nach der Marinezeit gleich Theologie in Tübingen und Münster studiert, um dann festzustellen, dass die westfälische Landeskirche zu wenig Stellen für Vikare hatte. ,Welchen Weg hat Gott für mich vorgesehen?‘, fragte ich mich.“

Kleina hängte eine Ausbildung in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an und war anschließend im Vorstand zweier Finanzdienstleister tätig. Gott hatte dann offensichtlich ein Einsehen mit ihm: „Die Landeskirche Kurhessen-Waldeck ermöglichte mir die Vikarausbildung und bot mir dann in Waldeck eine erste Pfarrstelle an. Anschließend war ich als Pfarrer fast sieben Jahr in Tann in der Rhön tätig.“ Stolz ist Pastor Kleina heute noch auf die Rettung der dortigen kleinen Niklaskirche vor dem Verfall und drohenden Abriss. „Ich habe Sponsoren und Spendengelder eingeworben und so den Barockbau aus den 1740er Jahren gerettet.“

Doch irgendetwas zog Kai Kleina wieder in den Norden. Als die Hannoversche Landeskirche eine Perspektive bot, nahm er 2017 eine Pfarrstelle in Wittmund an. Als plötzlich die Gesundheit nicht mitspielte, war es für den heute 46-Jährigen an der Zeit, nach seiner Genesung erneut einen neuen Weg zu suchen. Er fand die Stelle als Militärseelsorger bei der Marine in Wilhelmshaven. Der Kreis schloss sich.

„Als ich das erste Mal wieder an Bord kam, war es für mich ein Stück weit wie nach Hause kommen.“ Inzwischen ist er auf der Fregatte „Brandenburg“ mit zur See gefahren und hat im Hafen auf der Brücke seine erste Taufe gefeiert. „Wenn die Soldaten merken, dass man selbst mal bei der Marine war und ihre Sprache spricht, ist gleich ein ganz anderes Miteinander da.“ Obwohl sich seit den 90er Jahren vieles geändert hat in der Marine, wie Kleina schnell bemerkt hat. Was ihn freut: „Wir werden gebraucht – quer durch alle Dienstgradgruppen erlebe ich bei den Gesprächen großes Vertrauen.“

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