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Lokal26.de Wilhelmshaven

Soziales Engagement: Wie Soldaten in Wilhelmshaven jetzt ganz einfach helfen

26.03.2020

Wilhelmshaven In einem schönen alten Südstadthaus macht sich Obermaat Kai Großhoff auf den Weg nach oben. Im vierten Stock öffnet sich eine Wohnungstür. Beatrice Bennink steht da, nimmt dankbar den kleinen Einkauf entgegen und steckt den – aufgerundeten – Geldbetrag in den hingehaltenen Kunststoffbeutel. „Das ist schon eine tolle Sache, wenn man krank ist und gerade nicht raus darf. Auch nicht zum Einkaufen“, sagt sie. In ihrem Fall hält der kranke Mann sie derzeit in der Wohnung, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu verhindern.

Kurz zuvor haben die Obermaate Kai Großhoff und Nico Wilken vom eigens eingerichteten Dispositionsbüro im Stützpunkt die Einkaufsliste abgeholt – dorthin wird sie mit den Kontaktdaten der Auftraggeber von der Stadt gemailt – und sind in den nächsten Supermarkt gefahren. „Als wir hörten, dass Freiwillige zur Unterstützung von Menschen gesucht werden, die selbst nicht einkaufen können, haben wir uns sofort gemeldet“, sagt Wilken. „Die Bundeswehr hat doch die nötige Manpower – nun können wir in dieser Krise den Menschen vor Ort mal was Gutes tun.“

Grundsätzlich erledigen die Soldaten die Einkäufe auf dem Weg oder in der Nähe der Bürger, für die sie Besorgungen machen. Und finden fast alles. „Die vergangenen Tage hatten auch wir Schwierigkeiten, Toiletten- und Küchenpapier zu bekommen“, so der Obermaat. Nach dem Einkauf rufen die Soldaten ihre „Auftraggeber“ stets kurz an, um sich anzukündigen. Bei der Warenübergabe achten sie dann auf die nötige Distanz. Unterwegs sind Handschuhe und Desinfektionsmittel in diesen Zeiten unerlässliche Utensilien für die Soldaten.

Von der Stadt gab es für die Aktion ein „Handgeld“

Flottillenadmiral Ralf Kuchler ist zufrieden, dass die Idee, so schnell und unbürokratisch wie möglich zu helfen, rasch umgesetzt werden konnte. Im Gespräch mit Oberbürgermeister Carsten Feist habe er zunächst den grundsätzlichen Bedarf geklärt. „Dann war nach dem notwendigen Antrag der Stadt auf Amtshilfe die Genehmigung sehr schnell da.“ Das Angebot der Unterstützung gelte für den Zeitraum der Pandemie.

Von der Stadt gab es für die Aktion ein „Handgeld“, von dem die Einkäufe zunächst bezahlt werden. Liefern die Soldaten den Einkauf an der Tür ab, kassieren sie den nötigen Betrag. „Oft runden die Leute auf. Was da zusammenkommt, wollen wir am Ende spenden.“ Mehr als 40 Soldaten in vier Gruppen plus Disposition halten nun die Verbindung zur Stadt, fahren Einkaufen und liefern an die Haustür. An Kranke, Senioren oder Leute in Quarantäne.

Der Oberbürgermeister musste nicht lange überlegen, als Ralf Kuchler ihm vergangene Woche seine Idee unterbreitete. „Die Soldatinnen und Soldaten genießen in unserer Bevölkerung am größten deutschen Bundeswehrstandort hohes Vertrauen und Ansehen“, so Carsten Feist. „Deswegen freue ich mich sehr, dass wir auf Initiative und in Kooperation mit der Einsatzflottille 2 diesen Service für Menschen, die nicht mehr mobil sind, anbieten können.“

Bestellungen für einen Einkauf nimmt das Bürgertelefon der Stadt wochentags zwischen 9 und 17 Uhr entgegen und leitet es an die Marine weiter: Tel. 04421/16 16 16.

Michael HalamaHafen, Schifffahrt und Marine

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