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Lokal26.de Wilhelmshaven

Umwelt und Gastronomie: Pappe und Pommes sind zu oft auf Abwegen

03.06.2020

Wilhelmshaven Als Radfahrer und Fußgänger fällt es einem auf, aber auch, wenn man an Ausfallstraßen vor Ampeln halten muss oder auf der Autobahn im Stau steht: der Abfall von Bäckereien und Systemgastronomie, die Verpackungen für Mitnahme-Speisen und -Getränke, die absichtlich und ohne Rücksicht auf die Umwelt im Vorbeifahren durchs Fenster entsorgt wurden.

Gut besichtigen lässt sich diese „Fresskultur“ beispielsweise entlang der Ebkeriege, der kürzesten Verbindungsstrecke vom Bräter zur Großraum-Diskothek in Sande.

Nachbarn solcher Betriebe bekommen ihr Fett weg. Den Westermans aus der Güterstraße reicht es. Sie protestieren mit einiger Wut im Bauch über die Papptüten und Plastikbehältnisse mit und ohne Essensresten, die auf ihr gegenüber der Ausfahrt von McDonald´s gelegenes Grundstück geworfen werden oder dorthin wehen. Manchmal sind es vielleicht auch die Möwen und Krähen, die es geschickt anstellen, die vollen Abfallbehältnisse zu plündern – und natürlicherweise von Ordnung nichts verstehen.

Sei’s drum, so könne es nicht weitergehen, beschweren sich Claus und Thorsten Westerman. Die Situation hat sich, so ist ihr Eindruck, verschlimmert, nachdem der Imbissbetrieb den Besitzer gewechselt hat. Der Betrieb an der Güterstraße gehört jetzt zum Franchisenehmer Christian Eckstein mit Firmensitz in Kirchdorf (Landkreis Diepholz), der insgesamt 33 Filialen betreibt.

Die an ihn gerichteten Fragen der „Wilhelmshavener Zeitung“ beantwortete das Hauptservicecenter von McDonald´s Deutschland in München. Die zuständige Kommunikationsmanagerin räumt ein, dass in der jüngsten Zeit womöglich mehr Abfall als vorher von Kunden nicht ordnungsgemäß entsorgt worden sein könnte.

Und zwar deshalb, weil das Restaurant an der Güterstraße corona-bedingt habe geschlossen werden müssen und nur der Autoschalter öffnen durfte, außerdem der Parkplatz für die Kunden behördlich gesperrt war, so dass die Kunden die Speisen nicht vor Ort auf dem Grundstück verzehren konnten. Eckstein und der Restaurantleiter seien bereit, schnellstmöglich mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen. Als Westermans nach eigenem Bekunden dort vorstellig geworden waren, soll man sie abgewiesen haben. Sie waren wohl an die falschen Ansprechpartner geraten.

Befragt, welche Anstrengungen McDonald´s unternehme, die Kunden dazu anzuhalten, Müll nicht in der freien Landschaft zu entsorgen, antwortet die Pressesprecherin, dass man beschilderte Abfallbehälter aufstelle und die Kunden freundlich auffordere, den Abfall dort hineinzuwerfen.

Auch die Sauberhaltung von Straßenrändern und Grünflächen trage dazu bei, die Hemmschwelle für gedankenloses Wegwerfen zu erhöhen. Deshalb sei es Standard bei McDonald´s, dass „die Mitarbeiter bedarfsgerechte Außenrundgänge vornehmen, um herumliegende Verpackungen einzusammeln“. Darüber hinaus thematisiere das Unternehmen den richtigen Umgang mit leeren Verpackungen und die Nutzung der Abfallbehälter häufig auf Social-Media-Kanälen, um vor allem die junge Zielgruppe zu erreichen. Eine behördliche Verpflichtung dazu gebe es nicht, und mehr könne das Unternehmen auch nicht leisten, um auf seine Kunden Einfluss zu nehmen.

Auf die Frage, wie das Unternehmen seine Verpackungsproblematik grundsätzlich angehe, schreibt die Pressesprecherin, dass sich McDonald´s zum Ziel gesetzt habe, bis 2025 nur noch Verpackungsmaterialien aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Materialien zu verwenden und sämtliche Verkaufsverpackungen wiederzuverwerten. „Ergänzend dazu haben wir in Deutschland bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen, um Verpackungsmaterialien möglichst nachhaltig zu gestalten und deren Einsatz zu reduzieren: Herstellung aus nachwachsenden und zertifizierten Rohstoffen, verbesserte Wertstofftrennung und Erhöhung der Recyclingrate, Reduzierung des Plastikverbrauchs für Verpackung und Geschirrteile, mehr Pfand- statt Einwegkaffeebecher.“

Die Verantwortung für die Sauberhaltung der Umwelt sieht das Unternehmen allerdings in erster Linie bei seinen Kunden. Durch die Achtlosigkeit einiger weniger leide ein großer Kreis Betroffener. An der Diskussion um eine Verpackungssteuer möchte man sich lieber nicht beteiligen.

Auch für die Stadtverwaltung und ihre technischen Betriebe stellt der an die Straßenränder geworfene Verpackungsabfall ein Ärgernis dar, erklärt Pressesprecherin Julia Muth. Man könne den Ärger der Güterstraßen-Anlieger gut nachvollziehen. Der Bereich der Güterstraße werde von den Mitarbeitern der TBW-Stadtreinigung regelmäßig abgefahren bzw. abgelaufen. Dies sei allerdings keine Pflichtaufgabe, sondern diene lediglich zur Verbesserung des Stadtbildes. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn jeder Verantwortung für sich selbst und seine Umwelt übernimmt, und seinen Müll ordnungsgemäß entsorgt“, so Muth.

Hartmut SiefkenLokalredaktion

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