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Verwaltung reagiert auf Kritik: Ergeben die Zahlen ein falsches Bild von der Personalsituation?

01.07.2020

Wilhelmshaven Wie ist es aktuell um die Stellenbesetzung bei der Stadt Wilhelmshaven bestellt? Schlecht, sagt die Gruppe Grün-Unabhängig-Sozial und fordert daher die Verwaltung auf, ein Personalentwicklungskonzept zu erarbeiten. Eine entsprechende Ratsvorlage fand im Ausschuss für Personal, Datenverarbeitung und Gleichstellungsfragen eine knappe Mehrheit. Neu ist die Forderung nicht. Die Verwaltung konnte sogar einen Entwurf präsentieren.

Schon 2013 habe die Politik ein solches Konzept angemahnt. Es sei dafür eigens eine Stelle geschaffen und mit Jens Müll besetzt worden, sagte Stefan Becker (WBV). Wieso also werde dem zuständigen Fachausschuss erst jetzt ein solches Papier präsentiert?

Über ältere Vorlagen könne er nichts sagen, die lägen vor seiner Zeit, sagte Erster Stadtrat Armin Schönfelder, der bisher Personaldezernent war. Jetzt übernimmt dies der neue Kämmerer Thomas Bruns.

Gleichzeitig aber versicherte Schönfelder, dass der Ende 2019 vorgelegte Entwurf eines Personalentwicklungskonzeptes intern bereits gelebt werde. Es fehle noch die förmliche Verabschiedung, das sei allerdings der Übergangsphase an der Verwaltungsspitze geschuldet. „Wir wollten uns noch mit dem neuen OB abstimmen. Nach der Sommerpause geht die Vorlage dann in die Beschlussfähigkeit!“

Modern, planvoll, mitarbeiterorientiert und zukunftsgerichtet – das seien die Ansprüche, die die Verwaltung selbst an das Konzept gestellt habe, betonte Jens Müll. Dass Papier gebe es bereits seit 2017 und werde jährlich bearbeitet. „Wir sind schon viele Themen angegangen. Als ich anfing, hatten wir zum Beispiel zwei Ausbildungsgänge. Heute sind es acht. Und wir bilden über Bedarf aus – also auch für andere in Wilhelmshaven.“

Fünf Handlungsfelder steckte Jens Müll, Leiter des Referats Personal und Organisation, ab. So gehe es darum, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, qualifiziertes Personal zu gewinnen (durch eigene Ausbildung oder Einstellung), bestehendes Personal zu halten und zu fördern, sich das Wissen von ausscheidenden Mitarbeitern zu sichern sowie Inklusion und Gleichstellung zu fördern. Alle Aspekte konzeptionell zu berücksichtigen, sei die große Herausforderung. Dass aktuell viele, zu viele Stellen bei der Stadt unbesetzt seien, wie es Helga Weinstock (Basu) im Ausschuss postulierte, konnte Müll so nicht bestätigen. 1319 Stellen gibt es laut Stellenplan bei der Stadt, davon sind 114 nicht besetzt.

Aber, so klärte Müll auf, diese absoluten Zahlen bildeten die wirkliche Situation nicht ab. So gebe es zum Beispiel freigewordene Stellen, für die kein Antrag auf Wiederbesetzung vorliegt. Für andere sei bereits Ersatz gefunden worden, es gebe aber noch zeitliche Verzögerungen. Am Ende blieben 52 so unbesetzte Stellen, gute vier Prozent. Eine solche Fluktuation sei nichts Ungewöhnliches, stellte Müll fest.

Grundsätzlich würden alle Stellen zunächst intern ausgeschrieben. Sofern sich inhaltlich nichts ändere, passiere das umgehend. Bei einer Neubewertung dauere es länger, weiß Müll. Sei keine interne Wiederbesetzung möglich, suche die Stadt auch extern. Dieser Anteil ist aber sehr gering.

„Die Kunst wird sein, einen guten Weg zwischen interner und externer Personalgewinnung zu finden“, so Erster Stadtrat Schönfelder. Wichtig sei zudem, die Verwaltung in Wilhelmshaven für Außenstehende attraktiv zu machen.

Lutz RectorLokalredaktion

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