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Lokal26.de Wilhelmshaven

Wilhelmshaven Touristik und Freizeit: Entscheidung gegen Diers sorgt für Fassungslosigkeit

12.06.2020

Wilhelmshaven Die Absage an eine Vertragsverlängerung mit dem Geschäftsführer der Wilhelmshaven Touristik & Freizeit GmbH, Michael Diers, durch die Gesellschafterversammlung schlägt hohe Wellen: Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Wilhelmshaven kündigte an, sämtliche Geschäftsbeziehungen mit der städtischen WTF aufgeben zu wollen, wenn es bei der Entscheidung vom Mittwoch bleiben sollte. Konkret geht es dabei um die Zimmervermittlung, die die WTF gegen Provision für die Hoteliers betreibt. Dehoga-Vorsitzender Olaf Stamsen: „Michael Diers war für uns so etwas wie der Strohhalm der Hoffnung in der Krise. Wir sind fassungslos.“

Der Wilhelmshavener Ratsvorsitzende Stefan Becker (WBV), selbst Mitglied in der WTF-Gesellschafterversammlung, kündigte am Donnerstag an, dass er auf der nächsten Sitzung des Gremiums eine Beschlussvorlage einbringen werde, den Vertrag mit Diers doch noch zu verlängern. „Die Entscheidung hat den Namen Michael Diers beschädigt. Aber er ist immer noch ein fähiger Mann in Sachen Tourismus, Kunst, Kultur und Veranstaltungen, der mit ganzem Herzen für Wilhelmshaven steht.“ Becker: „So einen bekommen wir nie wieder.“

Lesen Sie auch den Kommentar von WZ-Chefredakteur Gerd Abeldt: Trennung von Michael Diers ist ein schwerer Fehler.

Auch Stephan Hellwig (CDU), Sprecher der CDU/WBV-Gruppe im Rat, hofft, dass der Diers-Vertrag noch eine zweite Chance bekommt. „Die jetzt gefällte Entscheidung wird weder Herrn Diers noch der WTF gerecht.“

Dehoga appelliert an Wilhelmshavener Ratsvertreter

Der Vertrag mit dem WTF-Geschäftsführer läuft Ende 2021 aus. Durch eine Patt-Situation in der Gesellschafterversammlung hat Oberbürgermeister Carsten Feist derzeit kein Mandat, über eine Vertragsverlängerung zu ver- handeln.

„Aus unternehmerischer Sicht völlig unerklärlich und menschlich ein Desaster“, so kommentierte Olaf Stamsen, die Diers-Entscheidung der WTF am Donnerstag.

Nach Gesprächen mit den meisten seiner Kollegen in der Stadt hat Hotelier Stamsen nach eigenem Bekunden den Eindruck, dass der völlig überraschende Beschluss am Mittwoch die Branche sprachlos gemacht habe. Gerade jetzt, in der Corona-Krise, hätten viele Gastronomen und Hoteliers auf die Ideen von Diers gesetzt, um den Umsatz nach der Krise wieder ankurbeln zu können.

„Wir haben schon über mehrere Projekte zur Weihnachtszeit gesprochen“, sagte Stamsen. Diers sei der einzige Verantwortliche gewesen, der sich während der Krise nach dem Befinden der Hotel- und Gaststätteninhaber erkundigt habe. Als Motor für das Tourismuskonzept der Stadt stehe der WTF-Geschäftsführer zudem für die Zuversicht, dass Wilhelmshaven nach der Krise vom zu erwartenden Trend hin zum Deutschland-Tourismus profitieren kann. Stamsen appelliert an die Wilhelmshavener Ratsvertreter, die Entscheidung der WTF-Gesellschafterversammlung möglichst schnell wieder zurückzunehmen.

„Einer der besten Visionäre, die unsere Stadt je hatte“

Dass das Aufsichtsgremium jetzt, anderthalb Jahre vor dem Ablauf des Vertrages, in nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen habe, nicht über eine Verlängerung verhandeln zu wollen, werde das Unternehmen WTF lähmen.

Auch menschlich sei es eine Katastrophe, den Vertrag mit Diers (61) Ende 2021, zweieinhalb Jahre vor dessen Ruhestand, auslaufen zu lassen. Stamsen: „Michael Diers hat bislang einen sehr guten Job gemacht. Er hat das Tourismuskonzept der Stadt auf den Weg gebracht, tolle Veranstaltungen entwickelt und der Stadt, wenn man an die Straßenkunstszene denkt, weltweit Sympathien verschafft.“ Ähnlich positive Einschätzungen der Arbeit des WTF-Chefes wurden am Mittwoch und Donnerstag zu Hunderten in den Sozialen Medien verbreitet.

Die Wilhelmshavener Bürgervereinigung (WBV) erinnert in ihrer Pressemitteilung an eine ganze Serie von Veranstaltungen, für die der Name Diers steht: StreetArt-Festival, NDR2-Open-Air-Konzerte, Open-Air-Konzerte am Pumpwerk, die Food-Street-Arts, Lichterfeste am Meer, den Tag der Niedersachsen und, und, und. „Er ist einer der besten Visionäre, die unsere Stadt je hatte“, so WBV-Fraktionssprecher Stefan Becker.

Es dürfe bei der Bewertung von Arbeit nicht um Einzelinteressen gehen

Auch für Fraktionsvorsitzende Katja Breuer ist die Entscheidung der Ablehnungs-Front aus SPD, FDP, UWG und Grünen nicht nachvollziehbar. Diers habe aktuell ein Papier zur Umsetzung des Tourismuskonzeptes vorgelegt. „Das gerade jetzt einige Ratsvertreter in dieser schweren Zeit für den Tourismus den Weg mit jemanden anderen gehen wollen, den sie nicht einmal kennen, erzeugt in mir absolutes Unverständnis.“

Diers ist seit 2013 WTF-Geschäftsführer. Seither habe er von der Stadt viele zusätzliche Aufgaben hinzubekommen. Etwa die Verantwortung für die Kunsthalle und das JadeWeserPort-Infocenter, die Symphonie-Konzerte, den Wilhelmshavener Sailing-Cup und das Labskaus-Essen.

Ratsherr Hans-Jürgen Lietzmann (WBV) warnt davor, dass sich ehrenamtlich tätige Ratsmitglieder in die Personalführung in städtischen Gesellschaften einmischen. Das gehöre zum operativen Geschäft der Geschäftsführung. Bei der Bewertung von deren Arbeit dürfe es nicht um parteipolitische oder Einzelinteressen gehen, sondern nur um die Interessen der Gesellschaft und damit der Stadt.

Gerd AbeldtChefredakteur

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